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Zerkarien-Dermatitis in Mitteleuropa Überblick und ...· Literatur NEUHAUS, W. (1952): Biologie und

Date post:17-Mar-2019
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Mitt. sterr. Ges.Tropenmed. Parasitol. 19 (1997)5 9 - 6 4

Abteilung fr Parasitologie, Naturwissenschaftliche Fakultt (Vorstand: Univ. Doz. Dr.). Kulda) (1)

Abteilung fr Tropenmedizin, 1. Medizinische Fakultt (Vorstand: Univ. Do/.. Dr. Alena Lobovsk)Karls Universitt Prag, Tschechische Republik (2)

Zerkarien-Dermatitis in Mitteleuropaberblick und aktuelle ProblemeP. Hork1 und Libuse Kolrov2

Einleitung Die Familie der Schistosomatidae umfat zahlreiche medizinisch bedeutsame Spezies, die vorallem in den Tropen und Subtropen vorkommen und beim Menschen eine Darm- oder eineBlasenbilharziose (Urogenitalbilharziose) verursachen knnen. Weltweit leiden etwa 200 Millio-nen Menschen an einer Bilharziose, etwa 1 Million Menschen sterben jhrlich an diesen Helmin-thosen.

Aber auch in gemigten Klimazonen (z. B. Mitteleuropa) kommen Spezies aus der Familie derSchistosomatidae vor, die beim Menschen Krankheitssymptome verursachen knnen. Gemeintsind die sogenannten Vogelbilharzien", mehrere Spezies der Unterfamilie der Bilharziellinae,deren natrliche Wirte Wasservgel darstellen und die nur akzidentell den Menschen befallen.

Die erwachsenen Vogelbilharzien" leben in den Blutgefen v. a. von Entenvgeln (Abb. 1). Dievon den Weibchen produzierten Eier ulzerieren in den Darm der natrlichen Wirte, aus den Eiernschlpfen im Wasser Mirazidien, die in Wasserschnecken (z. B. Lymnea-, Radix-Arten) eindringenmssen, wo sie sich zu Sporozysten und spter zu Zerkarien entwickeln. Die Zerkarien mssen zurAufrechterhaltung des Zyklus wieder durch Penetration der Haut in die natrlichen Endwirtegelangen. Gelegentlich penetrieren sie beim Wassersport, Baden oder Fischen auch die Haut vonMenschen und knnen, meist nach wiederholter Penetration, eine durch Juckreiz und Exanthemecharakterisierte Dermatitis hervorrufen.

Im folgenden wird eine synoptische bersicht ber den Stand des Wissens ber die Zerkarien-Dermatitis in Mitteleuropa gegeben; darber hinaus werden aktuelle biologische, epidemiologi-sche, diagnostische und therapeutische Aspekte dieser Helminthozoonose diskutiert.

Artenspektrum Die Artdiagnose der Dermatitis-Erreger ist kompliziert und basiert auf morphologischen Parame-tern (z. B. Lage der sensorischen Papillen) (4) v. a. der Zerkarien, allerdings ist fr eine exakte Art-bestimmung die Zucht der Zerkarien bis zum Adulttier (z. B. in im Laboratorium gehaltenen Enten)notwendig.

Zur Zeit kennen wir in Mitteleuropa nur einige wenige Arten, die als Erreger einer Bade-Derma-titis bekannt sind, sie sind zwei Schistosomen-Gattungen, nmlich Trichobilharzia und Gigantobil-harzia) (1, 2, 3) zu zuordnen. Innerhalb des Genus Trichobilharzia wurden bislang die zwei Arten

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Trichobilharzia szidati und T.franki beschrieben. Beide Spezies wurden in Sddeutschland isoliert,nmlich von W. NEUHAUS im Jahre 1952 bzw. von MLLER und KIMMIG im Jahre 1994.

Daneben werden in der Fachliteratur aber immer wieder auch Bilharziella polonica und T. ocel-latas. 1. als Dermatitis-Erreger angegeben. Die letztgenannte Art reprsentiert aber wahrscheinlicheinen Artenkomplex, zu dem frher auch T. szidati und T.franki gezhlt wurden (5). Auch die GeneraDendritobilharzia und Ornithobilharzia gelten als mgliche Erreger der Bade-Dermatitis, allerdingsfehlen bislang entsprechende experimentelle Untersuchungen.

Vorkommen und Verbreitung Das Vorkommen der Parasiten ist unmittelbar mit dem Vorkommen der Zwischenwirtsschneckenverbunden. Fr die Trichobilharzia-Arten dienen ausschlielich Schnecken der Familie der Lymna-eidae als Zwischenwirte, wobei Lymnaea stagnalis, L palustris, Radix peregra und R. auricuiaria diewichtigsten Zwischenwirte fr Trichobilharzia szidati, R. auricuiaria fr T.franki darstellen.

Einige Arten aus der Familie Planorbidae dienen als Zwischenwirte fr Bilharziella polonica. Diegenannten Schnecken-Arten kommen in Mitteleuropa mehr oder weniger hufig vor (6, 7). Fllevon Bade-Dermatitis treten ebenfalls mehr oder weniger hufig, insbesondere in warmen Som-mern, in verschiedenen Gebieten Mitteleuropas auf (7, 10).

Klinik und Pathogenese Die Bade-Dermatitis wird hnlich bei den Schistosoma-Arten durch das Eindringen der Zerka-rien in die Haut verursacht. Die Trichobilharzia-Zerkarien besitzen zwei Drsengruppen (pr- undpostazetabulre Drsen), denen beim Penetrationsvorgang groe Bedeutung zukommt. DiesePenetrationsdrsen sezernieren verschiedene Enzyme, vornehmlich Proteasen, die postazeta-bulren Penetrationsdrsen produzieren darber hinaus auch Lektine, die mit bestimmten Kom-ponenten der Haut Verbindungen eingehen. Die Trichobilharzia-Zerkarien bilden hnlich wie dieZerkarien der Schistosoma-Arten verschiedene Eikosanoide (Produkte bei der Fettsure-Oxi-dation), die eine Erweiterung der Gefe bewirken und die Immunabwehr des Wirtes negativbeeinflussen (9). Bei der Penetration kommt es zu einer Vernderung der Oberflchenmolekl-struktur der eindringenden Parasiten, da die Zerkarienglykokalyx, die starke antigene Wirkungbesitzt und eine massive Antikrperproduktion (v. a. IgG) induziert, abgeworfen wird (11, 12). DieMechanismen der zellulren Immunabwehr sind derzeit noch vllig ungeklrt.

Nach wie vor ist auch ungeklrt ob jene Trichobilharzia-Larven, die in die Lungen gelangen, auchklinische Symptome verursachen (12, 14).

Diagnose der Zerkarien- Die Anamnese (Baden, Fischen u. .) und die klinische Symptomatik (Juckreiz, Exanthem) fhrenDermatitis meist sehr schnell zur Verdachtsdiagnose einer Zerkarien-Dermatitis. Der direkte Erregernachweis

(Zerkarien, Schistosomula) in Hautstanzen ist grundstzlich mglich, wird aber heutzutage kaummehr durchgefhrt. Der wirkliche Beweis erfordert den Nachweis der Zerkarien im Wasser oder inden Schnecken, eine Artdiagnose (Unterscheidung zwischen T szidati und T.franki) ist durch denNachweis der Trichobilharzia-Eier nach Verimpfen der Zerkarien auf im Laboratorium gehalteneEnten mglich.

Seit einiger Zeit ist auch der Nachweis spezifischer Antikrper gegen Trichobilharzia-Antigenmglich. Da die auf der Oberflche der Zerkarien exprimierten Molekle eine starke antigeneWirkung besitzen und eine intensive humorale Immunantwort (v. a. IgG) induzieren, wurde inunserem Laboratorium ein Indirekter Immunfluoreszenztest (IIFT), ein Enzymimmuntest (ELISA)und ein Westernblot-Verfahren entwickelt und etabliert (13). ber die antigene Wirkung des Inhaltsder Penetrationsdrsen ist derzeit noch wenig bekannt. Tatsache ist jedenfalls, da die in denPenetrationsdrsen produzierten Lektine die Fhigkeit haben, Antikrperklassen in manchenImmuntests zu binden (8). ber die Bedeutung dieser Bindung im Rahmen der (Immun-)Abwehrist derzeit noch nichts bekannt.

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Lebenszyklus der Vgelschistosomen

Endwirt (die Ente)

Adulte

Zerkarien

Gattung: Trichobilharzia

Eier Mirazidium Zwischenwirt (die Schnecke)

Sporozyste

Abbildung 1:

Der Lebenszyklus vonTrichobilharzia szidati.

Zusammenfassung

Therapie

Die Zerkarien-Dermatitis entwickelt sich blicher-weise beim Menschen nach mehrmaliger Infektionmit Trichobilharzien. Eine kausale Therapie stehtnicht zur Verfgung. Meist wird eine symptomati-sche Behandlung durch Verabreichung antipruri-ginrer und antiphlogistischer Salben, aber auchdurch orale Gaben von Antihistaminika durchge-fhrt.

Umweltfaktoren und Bekmpfung

Die Verbreitung der Schnecken, Wasservgel und derTrichobilharzia-Arten ist direkt mit bestimmtenUmweltfaktoren wie z. B. mit der im Gewsser vor-handenen Vegetation, der chemische Zusammen-setzung des Wassers u. v. anderen korreliert. DieBekmpfung der Zerkarien-Dermatitis beruht heutenicht auf der Verwendung von Molluskiziden, son-dern auf der Reduktion der Schneckenpopulationendurch (mechanisches) Entfernen der Weichtiere ausdem Gewsser (15).

Danksagung

Die Untersuchungen wurden mit Untersttzungdes tschechischen Gesundheitsministeriums(Nr. IGAMZ 2797-3/95) durchgefhrt.

Die Zerkarien-Dermatitis ist eine nicht seltene, durch Parasiten bedingte Hauterkrankung in Mit-teleuropa. Trichobilharzia szidati und T.franki gehren zu den Hauptverursachern dieser Krankheit,einige andere Arten (z. B. Bilharziella polonica) werden als mgliche Dermatitis-Erreger vermutet.Die Parasiten induzieren die Bildung spezifischer Antikrper, die mittels verschiedener serologi-scher Tests (IIFT, ELISA, Westernblot) nachgewiesen werden knnen. Die Behandlung der Zerka-rien-Dermatitis besteht in der Verabreichung entzndungshemmender und juckreizstillenderPrparate. Die Reduktion der Schneckenpopulation in Teichen und Gewssern stellt die einzigwirksame Bekmpfungsmanahme dar.

Schlsselwrter

Zerkarien-Dermatitis, Schistosoma, Trichobilharzia szidati, T.franki, Wasserschnecken

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summary Swimmers1 itch in Central Europe - review and current problemsSwimmers' itch belongs to the regularly occurring parasitic skin diseases in Central Europe. Tricho-bilharzia szidati and T.franki are the main causative agents. Due to the fact that penetrating cerca-riae stimulate an intensive production of specific antibodies, laboratory diagnosis by means ofserological tests (IIFT, ELISA, Westernblot) is possible. The treatment of swimmer's itch is based onantiphlogistic and antipruriginous compounds. The reduction of snail populations in ponds andlakes represents the only possibility to control the disease.

Key words Swimmers' itch, dermatitis, schistosomes, Trichobilharzia szidati, T.franki, snail

10.

12.

LiteraturNEUHAUS, W. (1952):Biologie und Entwicklung von Trichobilha

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