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Wolf Markus...Spionagechef im geheimen Krieg
Date post:17-Dec-2014
Category:Government & Nonprofit
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Wolf.Markus..Spionagechef im geheimen Krieg
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<ul><li><p>Markus Wolf </p><p>Spionagechef im geheimen Krieg </p><p>Erinnerungen </p><p>scanned by unknown corrected by thesky </p><p>Jahrzehntelang nannte man ihn den Mann ohne Gesicht. Jetzt erzhlt Markus Wolf, der legendre Leiter der DDR-Auslandsaufklrung, erstmals seine persnliche Geschichte und die seines Dienstes: ein Buch, das zu den Klassikern der Spionageliteratur zhlt. </p><p>ISBN 3-471-79158-2 Original: The Man Without a Face </p><p>1997 by List Verlag GmbH, Mnchen </p><p> Dieses E-Book ist nicht zum Verkauf bestimmt!!! </p></li><li><p> Spionagechef im geheimen Krieg ist eine erweiterte und bearbeitete Fassung der englischsprachigen Originalausgabe. </p><p> Fr Andrea </p></li><li><p> Inhalt </p><p>Einleitung ............................................................................. 4 Prolog................................................................................... 7 1 Vom Neckar an die Moskwa ........................................... 25 2 Der Einstieg..................................................................... 45 3 Learning by doing ........................................................... 64 4 Schicksalsjahr 1956 ......................................................... 99 5 Die Betonlsung............................................................ 123 6 Spionage aus Liebe........................................................ 144 7 Der deutschdeutsche Dschungel.................................... 156 8 Herbert Wehner............................................................. 190 9 Der heie Sommer von 1968......................................... 215 10 Wandel durch Annherung.......................................... 229 11 Des Kanzlers Schatten................................................. 258 12 Das Gift des Verrats .................................................... 290 13 Ein neues 1914? .......................................................... 316 14 Aktive Massnahmen.................................................... 341 15 Die Entdeckung der dritten Welt................................. 356 16. Der ferne Kontinent.................................................... 382 17 Der Ausstieg................................................................ 418 18. Der menschliche Faktor ............................................. 451 19 Glanz und Elend der Spionage .................................... 469 Epilog............................................................................... 480 Danksagung...................................................................... 486 Transkription der Tagebucheintragungen ........................ 487 Glossar.............................................................................. 493 </p></li><li><p>-4- </p><p>Einleitung </p><p>Dieses Buch ist ein Wagnis. Als erfolgreicher Geheimdienstchef zur Symbolfigur abgestempelt, mu ich mit hohen Erwartungen der Leser rechnen. </p><p>Die einen werden eine Enzyklopdie dieses Zweitltesten Gewerbes erwarten, die anderen etwas in der Art eines James-Bond-Films oder Spionagethrillers. Nur haben die Helden solcher Filme und Bcher mit den realen Akteuren der Nachrichtendienste nicht mehr hnlichkeit als die Mrchentiere Walt Disneys mit der Tierwelt der Wlder, Steppen und Savannen. Die Nerven des Chefs eines Dienstes werden in der Wirklichkeit wesentlich mehr strapaziert als die der Filmhelden, und von ihm angeregte Aktionen laufen im Idealfall lautlos und weitgehend unbemerkt ab. </p><p>Fr welchen Leser whle ich aus der Flle der Erinnerungen und Gedanken, aus der Vielfalt des fr mich alltglich Gewesenen das Erzhlenswerte? Manches, was vor Jahren die grte Aufregung verursachte, erscheint nach der Prfung durch die Zeit fast banal. Umgekehrt erhalten Informationen und Vorgnge, die zum Alltagsgeschft gehrten, und mit ihnen die Menschen, die viel aufs Spiel setzten, oft erst im Rckblick ihre wahre Bedeutung. </p><p>Die Personen der Begebenheiten meines Buches leben zum groen Teil noch. Ihnen galt und gilt mein besonderes Interesse. Nicht das sich tglich auf dem Schreibtisch hufende Papier, sondern die Begegnung mit fr ihre gefhrliche Ttigkeit ganz unterschiedlich motivierten Menschen, das Kennenlernen so verschiedener Charaktere machte fr mich den Reiz der Arbeit aus. Die moralische Verantwortung gegenber diesen Menschen besteht fort. Vielen drohen noch Verfahren, viele sind in ihrer brgerlichen Existenz gefhrdet. Andere haben sich nach dem Verben ihrer Haftstrafe ein neues Leben aufgebaut. Dies habe </p></li><li><p>-5- </p><p>ich beim Erzhlen zu bercksichtigen. Deshalb mu ich meine Leser um Verstndnis bitten, wenn ich viele Namen nicht nenne, in manchen Belangen Zurckhaltung be und einiges noch ganz mit Schweigen bergehe. Begriffe, die manchem Leser wie Fachchinesisch vorkommen mgen, sind im Anhang in einem Glossar erlutert. </p><p>Die Erfolge des von mir geleiteten Dienstes markierten Hhepunkte des kalten Krieges. Diese Zeit prgte schroffe und unvershnliche Feindbilder auf beiden Seiten. Wir sahen in unserem Widersacher den imperialistischen Aggressor und verkrperten selbst fr viele Menschen der anderen Seite das Reich des Bsen. ber Jahrzehnte hinweg verfestigte Klischees wirken nach, auch heute noch. Gleichzeitig rcken die Jahre des erbitterten kalten Krieges im Bewutsein vieler allzu schnell in die Vergangenheit. Die Geschichte dieser von mir erlebten Zeit so zu erzhlen, da sie auch jenseits des verschwundenen Eisernen Vorhangs verstanden wird, ist nicht leicht. </p><p>Und zuletzt: Nach der klglichen Auflsung eines Staates ber Erfolge eines Nachrichtendienstes zu schreiben, der nicht mehr existiert, mag anmaend erscheinen. Doch gerade im Zusammenbruch des gesamten Systems, in das mein Land eingebunden war, liegt fr mich die Herausforderung. Was sind die Ursachen, wann und wo lassen sie sich festmachen? </p><p>Etwa ein Jahrzehnt vor der Wende des Herbstes 1989 erfaten mich Beunruhigung und der Drang, ber Symptome und Ursachen der immer sichtbarer werdenden Krankheit des Systems nachzudenken, das wir fr den Sozialismus hielten. Ich begann zu schreiben damals noch im Glauben an eine mgliche Heilung. Deshalb beantragte ich 1983 meine Pensionierung, und seitdem lebt dieses Buch in mir. </p><p>Ich habe die Tatsachen ungeschminkt zu erzhlen versucht. Leser, Kritiker und Historiker mgen sie prfen, sie besttigen oder bestreiten. Im vereinigten Deutschland wurde und wird </p></li><li><p>-6- </p><p>versucht, mit Hilfe der Justiz und auf anderen Wegen bei der Aufarbeitung der Geschichte Rechnungen zu begleichen, damit am Ende nur eine Sicht brig bleibt. Ich meine aber, da nach dem erklrten Ende des kalten Krieges Inventur auf beiden Seiten der ehemaligen Fronten zu machen ist und da eine Geschichtsschreibung, die diesen Namen verdient, nicht nur von den Gewinnern verfat werden darf. </p><p>Geschichte ist nur aus der erlebten Geschichte zu verstehen. Zu solchem Verstehen einer Zeit voller Widersprche mchte ich durch mein subjektives Zeugnis beitragen. </p></li><li><p>-7- </p><p>Prolog </p><p>Der Tag war gekommen, an den keiner meiner Angehrigen und Freunde hatte glauben wollen. Bekannte und Unbekannte, alte Freunde in Moskau und neue Freunde in Wien, franzsische und schwedische Schriftsteller, der Rabbiner aus Jerusalem und ein ehemaliger Leiter des Mossad aus Tel Aviv, Senatoren und Juristen aus den USA, keiner war auf einen Proze gegen mich gefat keiner auer mir. </p><p>In Begleitung meiner Frau und meiner beiden Verteidiger ging ich auf das wenige hundert Meter vom Rhein entfernte Gebude des Oberlandesgerichts in Dsseldorf zu, an dessen Turm als Wappentier des Deutschen Reiches ein Adler seine Schwingen ausbreitet. Im Blitzlichtgewitter tauchte fr einen Augenblick das Gesicht jenes Fotografen auf, der in gewisser Weise zum Chronisten der Turbulenzen meiner vorangegangenen Jahre geworden war. Noch zu DDR-Zeiten hatte er mich in der Bildunterschrift einer Aufnahme als Hoffnungstrger bezeichnet. Schon anders sah es bei seinem Foto von den groen Protestdemonstrationen am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz aus; da war ich pltzlich der Stasi-General. Wie sah man mich wohl jetzt? </p><p>Der Raum, in dem die Verhandlung stattfinden sollte, war derselbe Saal A 01, in dem derselbe Strafsenat gegen Christel und Gnter Guillaume verhandelt hatte Guillaume, dessen Plazierung an der Seite Willy Brandts noch heute viele fr einen meiner grten Erfolge halten, obwohl das nicht zutrifft. Fr den spektakulren Proze gegen den Spion am Busen des Kanzlers war der Saal damals eigens abhrsicher im Keller eingerichtet worden. Die Wahl dieses Schauplatzes fr den Proze gegen mich war gewi kein Zufall. </p><p>Whrend der folgenden sieben langen Monate, in denen ich das irreale Geschehen dieses Prozesses vor meinen Augen wie </p></li><li><p>-8- </p><p>ein Schauspiel vorbeiziehen lie, tauchten in meiner Erinnerung so manche Bilder aus den vergangenen Jahren auf, die mir oftmals nicht weniger unwirklich erschienen als die Vorstellung in Saal A 01. </p><p>Als sich die beiden deutschen Staaten nach vier Jahrzehnten der Trennung und der Feindseligkeit auf die Vereinigung vorbereiteten, fand ich mich unversehens in der Rolle einer Geisel des historischen Geschehens wieder. </p><p>Mein Land und die Welt des Sozialismus brachen vor meinen Augen zusammen. Dieses Land hatte sich vierzig Jahre lang als Deutsche Demokratische Republik bezeichnet und auch so verstanden, und doch war es whrend dieser gesamten Zeit in einer Art Zwangsehe an die wirtschaftlich mchtige Bundesrepublik gefesselt gewesen. </p><p>Meine Situation war nicht gerade beneidenswert. Alle Hoffnung auf eine reformierte DDR mute ich ein fr allemal fahrenlassen. Mein Ruf als Hoffnungstrger, als Anhnger Gorbatschows, war keinen Pfifferling mehr wert. Um der zunehmenden Hysterie zu entfliehen und an einem Buch ber die Ereignisse von 1989 zu arbeiten, hatte ich schon im Frhjahr 1990 in Moskau, der Stadt meiner Kindheit und Jugend, Rat und Ruhe gesucht. </p><p>In Moskau, wo meine Familie einst Zuflucht vor den Verfolgungen des Dritten Reichs gefunden hatte, war stets ein Teil meines Herzens geblieben. Die Datscha meiner Halbschwester Lena, vor allem aber ihre schne Wohnung in dem berhmten grauen Haus am Ufer, in dem viele der von uns verehrten und oftmals unter Stalin verfolgten Gren der 30er Jahre gewohnt hatten, riefen mir die widersprchliche und turbulente Zeit meiner Jugend machtvoll ins Gedchtis zurck. Der Blick ber die zugefrorene Moskwa auf den Kreml erzeugte ein Gefhl von Geborgenheit, die kalte Winterluft regte das Denken an. </p></li><li><p>-9- </p><p>Natrlich wollte ich in Moskau auch herausfinden, ob meine Mitarbeiter aus der Auslandsaufklrung, die ehemaligen Kundschafter im Westen und nicht zuletzt ich selbst mit Untersttzung und Hilfe der ehemaligen Kollegen vom KGB und des Kreml rechnen konnten oder nicht. In Berlin hatten mir immer wieder Mitarbeiter aller Bereiche des entsprechenden Ministeriums mndlich und brieflich ihr Schicksal geschildert. Die von Tag zu Tag neuen Enthllungen ber die Machenschaften der Staatssicherheit schrten den Ha der Bevlkerung auf alle ehemaligen Staatsbeamten zwangslufig, ganz egal, welche Funktion die Betreffenden innegehabt hatten, und meine frheren Mitarbeiter muten allmhlich um das bloe berleben bangen. </p><p>Nach meiner Ankunft empfing mich Leonid W. Schebarschin, der nach meinem Abschied Leiter der Auslandsaufklrung im KGB geworden war, beraus herzlich in einem Gstehaus nahe dem eindrucksvollen neuen Dienstgebude der Ersten Hauptverwaltung dem Zentrum des sowjetischen Nachrichtendienstes in der Nhe der Ringautobahn bei Jasenowo im Sdwesten Moskaus. Im Verlauf unseres mehrstndigen Gesprchs, das an einer reichgedeckten Tafel beendet wurde, konnte ich ihm nicht viel Neues mitteilen. Er war durch die Berliner Vertretung des KGB gut informiert. Seine Freundlichkeit konnte mich nicht darber hinwegtuschen, da fr meine Belange, fr die Straffreiheit der hauptamtlichen Mitarbeiter im Osten und der geheimen im Westen des wiedervereinigten Landes nur auf Ebene des Prsidenten etwas zu erreichen war. Mehr versprach ich mir von meinem direkten Kontakt zum Kreml ber Valentin Falin, den profunden Kenner deutschsowjetischer Beziehungen, nachdem dieser zum engsten auenpolitischen Berater Gorbatschows aufgerckt war. Seit Anfang der 80er Jahre hatte ich vor ihm kein Hehl ber meine Sorgen angesichts der Entwicklung in der DDR gemacht, und Falin hatte sich immer als aufmerksamer </p></li><li><p>-10- </p><p>und wacher Gesprchspartner gezeigt. Nicht zum erstenmal in meinem Leben sah ich mich in einer </p><p>Lage, in der ich von Mtterchen Ruland Hilfe erwartete auch wenn ich allen Gerchten zum Trotz seit meinem Ausscheiden aus dem Dienst im Jahr 1986 weder mit Moskau noch mit der Berliner KGB-Vertretung engeren Kontakt unterhalten hatte. </p><p>Bei den Wahlen im Mrz 1990 gab ich meine Stimme in der Moskauer DDR-Botschaft ab. Allen Voraussagen entgegen lste nicht der bislang unbekannte Sozialdemokrat Ibrahim Bhme, sondern der ebenso neu aufgestiegene CDU-Politiker Lothar de Maiziere Hans Modrow als Ministerprsidenten ab. Erich Mielke, mein langjhriger Vorgesetzter, war in Haft, und der Druck auf meine ehemaligen Mitarbeiter nahm tglich zu; dennoch beschlo ich, nach Berlin zurckzukehren. </p><p>Noch gab es den Schimmer einer Hoffnung auf Vernunft vor allem in der Haltung unseres Hauptverbndeten. Nicht einmal in meinen schwrzesten Ahnungen htte ich mir trumen lassen, was sich nach der Unterzeichnung des Zweiplusvier-Vertrages zwischen Kohl und Gorbatschow im Kaukasus ergeben sollte. Trotz meiner wachsenden Zweifel an Gorbatschows politischen Fhigkeiten wollte ich es noch lange nach Bekanntwerden der Beschlsse von Arys im Juli 1990, die das Territorium der DDR bedingungslos in die Nato eingliederten, nicht fr mglich halten, da der Erste Mann der Sowjetunion deren engste Freunde und Verbndete sang- und klanglos ihrem Schicksal berlassen knnte zur nicht weniger groen berraschung seines neuen Freundes Helmut Kohl und dessen Umgebung. Im Sommer 1990 war noch nicht absehbar, welche Konsequenzen daraus erwachsen wrden. Doch danach konnten wir mit keiner Gnade der Gewinner mehr rechnen, sondern hchstens mit ihrer politischen Vernunft. </p><p>Mit dem Ausverkauf der DDR begann das Bieten fr die Mitarbeiter meines Dienstes auch fr mich, genauer gesagt: fr die von mir mglicherweise zu erlangenden Geheimnisse. </p></li><li><p>-11- </p><p>Dafr wurde ein hoher Preis geboten, der Preis der Freiheit. Das erste Angebot war eine berraschung. Ich wute zwar, </p><p>da meine ehemaligen Gegner aus den westdeutschen Diensten sich intensiv und recht ungeniert um ehemalige Mitarbeiter meines Apparates bemhten. Meinem Schwiegersohn, der erfolgreich in das Bundesamt fr Verfassungsschutz eingedrungen war, hatte man Straffreiheit und eine halbe Million DM Belohnung angeboten, sofern er seine Quellen verraten wollte. Er hatte abgelehnt und es vorgezogen, sich einer Lebens- und Sinnkrise zu stellen, die ihn bis an den Rand seiner Krfte fhrte. </p><p>Damals, Anfang Mai 1990, rief mich Peter-Michael Diestel, der Innenminister der Regierung de Maiziere, an und fragte, ob ich zu einem Gesprch mit ihm bereit sei. Wir verabredeten einen Besuch im Gstehaus des Innenministeriums in Zeuthen, dem sdstlichen Vorort Berlins. Es bestand kein Zweifel, da dieses Gesprch mit Wissen...</p></li></ul>

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