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Sonderausgabe g 30 Jahre LÖWE

Date post: 28-Nov-2021
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W a l d i n g u t e n H ä n d e n L a n d e s f o r s t e n Sonderausgabe 30 Jahre LÖWE g
Transcript

in letzter Zeit gibt es wirklich mehr als genug
Gründe, um sich zu sorgen, vielleicht gar, um zu
resignieren und den Kopf in den Sand zu stecken.
Aber Aufgeben oder Anklagen verändert nun
einmal nichts. Es ist das überlegte Tun, das uns
weiterbringt.
als sie 1991 LÖWE auf den Weg brachten, das
Programm für die langfristige ökologische Waldentwicklung. In den letzten
30 Jahren durfte diese Philosophie wachsen und wirken. Mit Erfolg! Denn
wenn wir den Blick einen Moment vom Nega tiven abwenden und uns eine
bessere Zukunft vorstellen wollen, sehen wir all die wunderbaren Früchte,
die LÖWE in unseren Wäldern bereits trägt. Und weiterhin tragen wird.
Denn wir müssen und wollen diesen Weg weitergehen. Es warten neue,
extreme Herausforderungen auf uns, und die folgenden Generationen
werden uns daran messen, wie wir ihnen begegnet sind und auf welcher
fachlichen Grundlage. Gehen Sie deshalb mit uns in den Forst und freuen
sich über die kleinen und großen Erfolge im LÖWE-Wald.
Ihr Klaus Merker
1 30 Jahre LÖWE – 2021
Vor 30 Jahren wurde LÖWE geboren. Ein Programm, das zur Philosophie wurde.
Ein Rückblick …
LÖWE
E Es ist der 13. November 1972. Um 6 Uhr morgens kommen die Wälder der Landesforsten in Bewe- gung. Orkan Quimburga peitscht über Niedersach- sen, biegt und bricht riesige Bäume wie Streichhöl- zer. In nur drei Stunden vernichtet der Sturm die jahrzehntelange Arbeit von Förstergenerationen. Zurück bleibt ein 100.000 Hektar großer Trümmer- haufen. Und die Erkenntnis, dass etwas anders wer- den muss.
Als dann 1975 auch noch der größte Waldbrand der jüngeren Geschichte Niedersachsens über das Land zieht, ist die Zeit endgültig reif für einen Pa- radigmenwechsel. Es entsteht die Konzeption zur „Langfristigen regionalen Waldbauplanung“, mit dem Waldsterben in den 80er-Jahren verstärken sich
die Bemühungen, Laubbäume beizu- mischen, 1987 verabschiedet die Lan- desregierung das „Walderneuerungs- programm Harz“.
Es ist vor allem dem Waldbau- referenten Walter Kremser und ihm nachfolgend Professor Hans- Jürgen Otto zu verdanken, dass 1991 schließlich an den Start geht, was auch heute noch das Wirken und Werken der Landesforsten be- stimmt: LÖWE, das Programm zur langfristigen ökologischen Wald- entwicklung.
„Das Programm hat die Form einer Betriebsphilosophie ange- nommen, weil es so überzeugend die verschiedenen Aspekte einer multifunktionalen Waldbewirt-
schaftung harmonisiert“, sagt Dr. Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten, an- erkennend. LÖWE ist ein Programm für die Praxis.
„Die Leistung, wissenschaftliche waldökologische Erkenntnisse in eine Form gebracht zu haben, so- dass sie von Praktikern verstanden und praxisnah angewendet werden können, kann man nicht hoch genug einschätzen“, so Merker.
Wer heute mit offenen Augen durch die Landes- forsten streift, begegnet LÖWE überall. Der Laub- baumanteil in den Hauptbeständen liegt bei rund 46 Prozent, der des Nachwuchses bei 71 Prozent. Die Naturverjüngung stieg auf knapp 70 Prozent. Kahl- schläge gehören – abgesehen von Kalamitätsflächen – der Vergangenheit an.
„Der Umbau zu Mischwäldern ist eine durchweg positive Entwicklung, die wir optimistisch angehen!“
Der Anteil von Mischwäldern mit Laubbaumbetei- ligung wuchs auf 59 Prozent, ebenso der Anteil der Schutzgebiete. Auf nationalem und europäischem Recht basierende Schutzgebiete sowie die Wald- schutzgebiete in Eigenbindung der NLF beeinflus- sen auf rund 81 Prozent der Fläche die Bewirtschaf- tung des Waldes. Darüber hinaus übernehmen die NLF auch auf großer Flächen gesellschaftliche Ver- antwortung für besondere Waldfunktionen. „Wenn wir vor Waldbildern stehen, die durch die aktuel- len klimatischen Extreme stark geschädigt wurden – und in der Nachbarschaft stehen Waldbestände, die im Zuge des LÖWE-Programms bereits umge- baut wurden und keine Schäden zeigen, kann ich mich immer wieder sehr freuen“, sagt Merker. „Dann bekommt man ein Gefühl dafür, wie richtig es war, bereits in den 80er-und 90er-Jahren auf die LÖWE- Grundsätze umzuschwenken.“
Zunehmend von Bedeutung sind die „besonde- ren Waldfunktionen“. Klingt so unscheinbar, wird aber immer wichtiger. Unter diesem Grundsatz wer- den die Ökosystemleistungen des Waldes zusam- mengefasst. Etwa die Hälfte aller niedersächsischen Wasserschutzgebiete liegt im Wald der NLF (obwohl diese nur 10 Prozent der Landesfläche einnimmt). Dadurch wird zum Beispiel deutlich, welche Bedeu- tung die Wälder für den Wasserhaushalt und auch für die Qualität des Wassers haben. Und auch im Punkt CO2, einem der Hauptprobleme unserer Zeit, spielt der Wald eine herausragende Rolle. Heute wer- den etwa 101 Millionen Tonnen CO2 vom Wald ge- speichert. In den 80er-Jahren waren es noch 76 Mil- lionen Tonnen.
LÖWE ist zwar als Regierungsprogramm einge- führt worden, zeigt sich aber anpassungsfähig. 2017 wurde es erweitert, um die Nationale Biodiversitäts- strategie zu integrieren, die vorsieht, dass 10 Prozent der Flächen für eine natürliche Waldentwicklung vorzusehen sind. 2020 wurde in einer Erweiterung der Niedersächsische Weg und ein neues Wildnis- gebiet im Solling verankert. „Die 1991 entwickelten Bewirtschaftungsgrundsätze mit einem Schwer- punkt des Umbaus in Mischwälder oder auch die Be- vorzugung der Naturverjüngung sind immer noch voll zutreffend. Lediglich das Tempo des Klimawan- dels hat sich – damals unvorhersehbar – beschleu- nigt.“ Die Klimakrise, sie ist bereits jetzt die größte Herausforderung, nicht nur für den Wald. Und sie wird es die nächsten Jahrzehnte bleiben. Es braucht die richtigen, nachhaltigen Entscheidungen. Und auch Optimismus.
„Der Umbau zu Mischwäldern ist eine durchweg positive Entwicklung, die wir optimistisch angehen. Traurig ist eher der Blick in die Gegenwart oder den Rückspiegel, wenn generationenübergreifend ge- pflegte Waldbestände verloren gehen. Für uns lang- fristig denkende Försterinnen und Förster wandeln sich damit Waldbilder in einem zuvor unvorstell- baren Tempo.“
LÖWE wird also auch in Zukunft das prägende Instrument zur Waldgestaltung sein, sich aber si- cherlich auch weiterentwickeln müssen, um der Kli- makrise gerecht zu werden und auch den nächsten Generationen einen stolzen Blick auf den Wald zu ermöglichen.
FEUERWALZE Der große Waldbrand 1975 bringt erneut riesige Kahlflächen, die vorwiegend mit schneller wachsenden Nadelhölzern aufgeforstet wurden.
VERWÜSTUNG Am 13.11.1972 vernichtete der Orkan Quimburga mit Geschwindigkeiten bis
245 km/h rund 16 Millionen Festmeter Holz.
VISIONÄR Professor Hans-Jürgen Otto
formulierte.
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Wald mitZukunft
Heute mit dem Gestern für morgen arbeiten: In den Landesforsten wird in Dekaden gedacht.
Vier Forstleute* zeigen uns bei einem Waldspaziergang die Erfolge von LÖWE
Grundsätze für LÖWE Seit 1991 bestimmen sie in Theorie und Praxis das Werken der Niedersächsischen Landesforsten. Ein kleiner Einblick in das Programm …
1. BODENSCHUTZ UND STANDORTGEMÄSSE BAUMARTENWAHL: Die Böden, wortwörtlich die Grundlage vielfältiger und leistungsstarker Wälder, werden besser behandelt, als es lange üblich war. Holzerntemaschinen dürfen deswegen nur noch auf Wegen und Gassen fahren. Es sollen zudem nur solche Bäume gepflanzt werden, die an den jeweiligen Boden und das Klima angepasst sind.
2. LAUB- UND MISCHWALDVERMEHRUNG: Reinbestände sollen Schritt für Schritt in Mischwälder mit größtmöglicher Artenvielfalt umgebaut werden. 90 Prozent der Flächen der NLF sollen sich dahin entwickeln. Nur ein Zehntel der Flächen ist so arm oder extrem gelegen, dass dort weiter Reinbestände wachsen.
3. ÖKOLOGISCHE ZUTRÄGLICHKEIT: Auf den jeweiligen Standorten sollen die Arten gedeihen, die auch natürlicherweise dort wachsen. Das Artenspektrum wird behutsam etwa um die Douglasie, Roteiche oder die Japanische Lärche erweitert, um den Wald klima­ stabiler und produktiver zu machen.
4. BEVORZUGUNG NATÜRLICHER WALDVERJÜNGUNG: Der Wald soll sich künftig weitgehend selbst verjüngen. An Orten, wo noch nicht die gewünschten Baumarten wachsen, pflanzen und säen Forstwirte und Förster nach und nach die Wälder der Zukunft.
5. VERBESSERUNG DES WALDGEFÜGES: In LÖWE­Wäldern stehen unterschied­ lich dicke und hohe, junge und alte Bäume verschiedenster Art nebeneinander. Gut struktu­ rierte Wälder sind weit stabiler, vielfältiger und lebendiger als Reinbestände.
6. ZIELSTÄRKENNUTZUNG: Erreichen Bäume nach langer Pflege ihren Zieldurch­ messer, werden sie einzeln oder gruppenweise geerntet.
7. ERHALTUNG ALTER BÄUME, SCHUTZ SELTENER UND BEDROHTER PFLANZEN- UND TIERARTEN: Alte, starke, aber auch seltene Bäume bleiben den Wäldern erhalten – und damit auch viele seltene Tier­ und Pflanzenarten als Habitat.
8. AUFBAU EINES NETZES VON WALDSCHUTZGEBIETEN: Hier werden typische oder seltene Wälder langfristig erhalten und entwickelt. Teile davon bleiben sich selbst überlassen und entwickeln sich frei von menschlichem Einfluss.
9. GEWÄHRLEISTUNG BESONDERER WALDFUNKTIONEN: Wälder liefern Trinkwasser, filtern die Luft, schützen vor Erosion und Lärm – um nur einige Funktionen zu benennen. Es gilt, den Wald so zu pflegen und zu schützen, dass er all seine Aufgaben bestmöglich erfüllen kann.
10. WALDRANDGESTALTUNG UND -PFLEGE: Ein dichter Waldrand wirkt wie eine Mauer, die bei starken Stürmen „einstürzen“ kann. Stufenartig aufgebaute Waldränder bieten dem Wind weit weniger Angriffsfläche. Sie schützen die Wälder und sind zugleich Hort vieler Pflanzen­ und Tierarten.
11. ÖKOLOGISCHER WALDSCHUTZ: Ist der Wald infolge von Stürmen oder wegen Insektenbefall in Gefahr, ist der ökologische Waldschutz vorrangig. Erst wenn diese Maßnah­ men nicht helfen, dürfen als letztes Mittel auch chemische Maßnahmen ergriffen werden.
12. ÖKOSYSTEMVERTRÄGLICHE WILDBEWIRTSCHAFTUNG: Wild gehört zum Wald – zu hohe Wildbestände aber schaden vor allem den jungen Bäumen und gefährden den Aufbau naturnaher Wälder. Vor allem Rot­, Reh­, und Damwild müssen deswegen konse­ quent, aber immer auch mit Blick für die Bedürfnisse des Wildes, bejagt werden.
13. ÖKOLOGISCH VERTRÄGLICHER EINSATZ DER FORSTTECHNIK: Auch in naturnah bewirtschafteten Wäldern kann man auf Holzerntemaschinen nicht verzichten. Ihr Einsatz darf den Wald und den Waldboden nicht dauerhaft beeinträchtigen.
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*Meike Fahning aus dem Dezernat Forsteinrichtung und Waldökologie und Henning Küper Revierleiter in Luhne bei Rotenburg/ Wümme besuchen im Nordwesten Niedersachsen
Löwe-Spuren im Wald. Alexander Frese, Forstwirtschaftsmeister in Clausthal und Abteilungs- leiter Wald und Umwelt Dr. Hans-Martin Hauskeller sind im vom Klimawandel gezeichneten
Harz unterwegs und zeigen, was LÖWE vor Ort bedeutet.
4 30 Jahre LÖWE – 2021
5 30 Jahre LÖWE – 2021
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Bodenschutz & standortgemäße Baumartenwahl
E Ein Mosaik. Das ist das Ziel. Dr. Hans-Martin Hauskeller, Abteilungsleiter für Wald und Umwelt der Landesforsten, ist mit Forstwirtschaftsmeister Alexander Frese im Revier Radauberg unterwegs. Das Revier liegt an der Grenze zum Nationalpark, unterhalb der Eckertalsperre. Die beiden Forstleute stehen auf einer ehemaligen Fichten-Fläche, auf der einst Buchen unter dem schützenden Schirm der al- ten Fichten gepflanzt wurden.
Im aktiven Borkenkäferkampf wurden die befal- lenen Fichten entnommen, und die Buchen sind nun Sonne, Wind und Frost ausgesetzt. Soweit nicht un- gewöhnlich. Spannend wird der Standort aus der Vogelperspektive. Denn die Buchen-Fläche ist ge-
säumt von Fichten, die kürzlich vom Käfer angegrif- fen wurden und abgestorben sind. „Wir wollen bei der Wiederbewaldung sehr differenziert vorgehen“, sagt Dr. Hans-Martin Hauskeller. „Solange wir das Ausfliegen der Borkenkäfer vermeiden können, fäl- len wir die betroffenen Bäume. Wenn es dafür aber zu spät ist, dann entscheiden wir uns wie hier auch dazu, sie stehen zu lassen. Tatsächlich ist eine tote Fichte besser als gar keine Fichte. Denn unter den ab- gestorbenen Bäumen können schattenliebende Ar- ten bestens gedeihen.“
„Wir lassen abgestorbene Bäume bewusst stehen. Lieber eine tote Fichte als gar keine Fichte.“
Die Katastrophenfläche wird zur idealen Kinder- stube. Alexander Frese ergänzt: „Zudem sorgt das Totholz für Windruhe und speichert Feuchtigkeit.“ Zwischendrin finden sich auf der Fläche Bergahorn,
Douglasie, Lärche, Roteiche, Spitzahorn. „Alles Ar- ten, die gut mit der Freifläche zurechtkommen. Un- ter den Fichten gedeihen bereits Buchen und Weiß- tannen.
Für Hauskeller ist dieses Mosaik ein Erfolg ver- sprechendes Modell. „Hier treffen unsere normale Methode des Waldumbaus und eine katastrophen- bedingte Methode aufeinander“, sagt Hauskeller. „In einer optimalen Welt entsteht eine gesunde Mischung von selbst, wir wollen gar nicht immer pflanzen. Letztlich ist es in der Praxis meist so – wo die Vielfalt durch die Förster hingekommen ist, da lassen wir die Natur machen.“
Im Reitgras wachsen die Buchen empor. Auch der Bergahorn, der früh Samen produziert,
gedeiht hier gut in Naturverjüngung.
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2 Laub- & Mischwald- vermehrung
A Alexander Frese lächelt zufrieden. Mit der Fläche „Am Roten Handschuh“ in der Försterei Altenau ver- bindet ihn eine besondere Geschichte. „Ich bin ge- rade frisch ins Forstamt gekommen, als wir diese Fläche nach Kyrill 2007 aufgeforstet haben. Es sah furchtbar aus hier.“ Heute präsentiert sich das Ge- biet als Vorzeigefläche mit gesundem Mischwald- bestand. Doch der Weg dorthin war steinig, erin- nert sich Frese.
„Ich kann mich noch sehr gut an die Pflanzung erinnern. Es hat lange gedauert, bis die Bäume über- haupt Fuß gefasst haben. So richtig in Gang gekom- men sind sie erst, als die Begleitvegetation wuchs und ihnen Schutz bot. Das ist etwas, worüber ich mir oftmals Gedanken mache: Die heutigen Flächen ha- ben meist nicht diesen Vorteil der Windruhe. Da fegt einfach alles drüber.“ Es waren die Windwurfstub- ben, die den Pflanzen unter die Arme griffen.
„Wir arbeiten nach dem Prinzip der Möglichkeiten. Wir hinter­ lassen Optionen für die nachfol­ genden Generationen.“
Heute tummeln sich am Roten Handschuh Buchen, Bergahorn, Douglasie, Fichten, Weiden, Eberesche. „Wir haben hier vor Kyrill schon Buchen unter den Fichten, auf freien Flächen Bergahorn angepflanzt, nach Kyrill kam Douglasie hinzu, aber auch eine Naturverjüngung durch Weide, Eberesche und Fich- te haben wir zugelassen und integriert“, sagt Haus- keller. „Letztlich arbeiten wir nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit der Möglichkeiten – wir hinter lassen mit unserer Arbeit verschiedene Optionen. Un sere Nachfolger werden entscheiden, welche der Baum- arten in der Klimakrise und für die nachfolgenden Generationen funktionieren.“
Die Entwicklung des Klimas – einst ein Rand- aspekt fließt sie heute in alle Entscheidungen ein. „Bei jedem einzelnen Hang, den wir gestalten, wer- den Klimaprognosen eingearbeitet“, sagt Alexander Frese. Langfristig soll der Anteil der Laubbaumarten auf 65 Prozent erhöht werden, Reinbestände sollen auf natürliche Waldgesellschaften beschränkt wer- den. Ein Ziel, dem diese Fläche schon ziemlich nahe- kommt. Fo
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Die alten Windwurfstubben sorgten für Schutz und für ein Mikroklima, in dem die neuen Pflanzen
gedeihen konnten.
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E Eine gute Mischung ist das Rezept für eine gesun- de Zukunft der Wälder. Große Hoffnung liegt da- bei auch auf eingeführten Arten aus anderen Län- dern. Im LÖWE-Programm steht festgeschrieben, dass nur Baumarten eingeführt werden dürfen, die standortgemäß sind, keine Krankheiten verbreiten, mit anderen Baumarten mischbar sind und sich na- türlich verjüngen lassen.
„Diese Roteichen sind da absolut beispielhaft“, sagt Henning Küper, Revierleiter der Försterei Luh- ne bei Rotenburg. Gemeinsam mit Meike Fahning vom Dezernat für Forsteinrichtung und Waldöko- logie ist er im Luhner Holz in einem Roteichenbe- stand unterwegs. „Die Roteiche stammt vom ame- rikanischen Kontinent und passt sehr gut in unsere Wälder“, sagt Küper. „Sie ist gesund, produktiv und verbessert den Boden. Dies hier ist einer der besten Bestände, der auch regelmäßig beerntet wird.“
„Douglasie, Japanlärche, Küsten­ tanne und Roteiche zählen zu den Gewinnern.“
Welche Baumarten gestalten die Zukunft? Wer ist gerüstet für die Herausforderungen der Klima- krise? Die Antworten entscheiden, welche Bäume gepflanzt werden. „Es zeichnet sich ab, dass sich die Douglasie, Japanlärche, Küstentanne und die Rot eichen bewähren. Auch bei Trockenperioden“, sagt Küper. „Wobei sich meine Euphorie über die Douglasie in Grenzen hält“, so Meike Fahning. „Sie ist sehr naturverjüngungsfreundlich.“
„Ich habe die Douglasie zunächst auch kritisch gesehen“, wendet Küper ein. „Tatsächlich ist sie aber nicht invasiv, wie anfangs gefürchtet, und sie
lässt sich wirklich gut mischen.“ Fahning: „Ich will sie auch gar nicht pauschal verteu- feln, man sollte sie kleinflächig mit anderen Baum arten mischen.“
Tatsächlich ist die Douglasie die belieb teste Baumart unter den „neuen“. In den letzten Jah- ren wurde sie vor allem im Norddeutschen Tief- land in ältere Kiefernbestände eingebracht und fügt sich dort gut ein. Wichtig bei nichtheimi- schen Baumarten ist, dass sie sich in das Wald- gefüge eingliedern ohne sich negativ auf das Ökosystem auszuwirken. Dabei geht es auch nicht nur um Nadelbäume, Henning Küper er- gänzt: „Baumhasel und Esskastanie könnten in der Zukunft zum Spektrum unserer Laubbaum- arten zählen.“
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4 Bevorzugung natürlicher Waldverjüngung
S „Soweit die Wälder nach Standortanpassung und Mischung bereits einem naturnahen, zielgerechten Zustand entsprechen oder nahekommen, sollen sie bevorzugt aus natürlicher Ansamung verjüngt wer- den.“ So heißt es in den LÖWE-Grundsätzen. Dr. Hans-Martin Hauskeller und Alexander Frese strei- fen durch eine üppige Buchenverjüngung im Revier Radauberg.
„Wenn die Naturverjüngung funktioniert, dann macht die Natur das viel üppiger und besser als wir“, sagt Hauskeller. „Es geht dabei nur um das Prinzip
‚survival of the fittest‘. Die Baumkinder stehen in ständiger Konkurrenz zueinander. Die Bäume, die schließlich überleben, haben für sich Plätze mit op- timalen Bedingungen gefunden.“
Ein weiterer Punkt, der auf das Konto der Natur- verjüngung einzahlt, ist die Wurzelentwicklung. Alexander Frese hat einen jungen Bergahorn aus- gegraben und hält ihn in die Luft. Die starke, ver- zweigte Wurzel ist fast schon so lang wie die Pflan- ze selbst. „Die Qualität der Wurzel ist elementar für den Nährstoff- und Wassertransport und die Veran- kerung im Boden“, erklärt er. Pflanzungen können das nur in Teilen imitieren.
„Wenn die Naturverjüngung funk­ tioniert, macht die Natur das viel üppiger als wir.“
Natürliche Waldverjüngung führt zu einem höheren genetischen Anpassungspotenzial, Gefahren durch Mäuse und Spätfrost sind geringer und die Qualität der Jungbestände ist im Allgemeinen besser, voraus- gesetzt die Saatbäume sind entsprechend veranlagt. Dennoch wird ein Großteil der zukünftigen Wälder durch manuelle Pflanzung und Saat entstehen müs- sen, da schlicht die geeigneten Mutterbäume nicht vorhanden sind.
Stürme und Käfer fordern massive Eingriffe, und so wird der Anteil der geplanten Freiflächenkulturen in den nächsten Jahren wohl weiter ansteigen. „Etwa ein Drittel der Wiederbewaldung soll jedoch durch Naturverjüngung entstehen“, sagt Hauskeller. Doch nicht nur auf Schadflächen ist das Wirken des Men- schen notwendig. Auch die Lichtbaumarten, vor allem die Eichen, brauchen Unterstützung. Sie lassen sich nur schlecht in inniger Nachbarschaft mit konkur- renzstärkeren Baumarten verjüngen.
Unter dem Schirm der großen Bäume gedeiht die nächste Generation. Fo
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5 Verbesserung des Waldgefüges
A Alt trifft Jung. Groß trifft Klein. Dick trifft dünn. Der optimale LÖWE-Wald ist aus jeder Perspek- tive strukturreich. Um dies zu erreichen, braucht es manchmal Mut zur Lücke. „Mehr Licht führt zu einer höheren Artenvielfalt. Es ist also richtig und wichtig, nicht alles zu 100 Prozent zuzupflanzen“, sagt Meike Fahning.
Gemeinsam mit Henning Küper steht sie auf ei- ner Fläche, die größtenteils mit Buche und Doug- lasie bewachsen ist. Doch unter dem Schirm sieht man allerlei junge Bäume und Sträucher gedeihen.
„Es stellt sich halt immer die Frage, wie die Revierleitung mit der Viel- falt umgeht.“
„Es stellt sich immer die Frage, wie die Revierleitung mit der Vielfalt umgeht.“
Spätestens seit der LÖWE-Einfüh- rung ist das klar! Manchmal auch schon früher. Henning Küper er- innert sich dazu: „Nach dem 72er- Sturm haben wir viele Bestände mit Fichte und Kiefer begründet. Darun- ter haben sich sehr viele Birken und Vogelbeeren angesamt. Die haben wir damals nicht beseitigt, sondern ge- schützt. Das hat nicht nur für Struktur gesorgt, sondern auch die Nährstoffe optimal im Boden verbreitet.“
Das Waldgefüge zu verbessern ist eine Generationenaufgabe. Ausgangs- punkt waren die aus der Vergangenheit übernommenen, meist einschichtigen und nicht gemischten Altbestände.
Um eine bunte Struktur zu erreichen, müssen diese Bestände zeitlich gestreckt und differenziert genutzt werden.
So soll es sein! Das perfekte Waldgefüge ist aus jeder Perspektive strukturreich.
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6 Zielstärken- nutzung
E Es ist wohl einer der Grundsätze im LÖWE-Pro- gramm, der das Umdenken im forstlichen Handeln besonders gut verdeutlicht: die Zielstärkennutzung. „Früher wurden Forst-Kulturen gepflanzt, gepflegt und auch durchforstet. Nach etwa 120 Jahren gab’s dann einen Kahlschlag, und auf der Freifläche wur- de die nächste Generation angepflanzt. Im Prinzip funktionierte der Forst damals ähnlich wie die Land- wirtschaft“, sagt Dr. Hans-Martin Hauskeller. „Der Grundgedanke war schon nachhaltiges Handeln; es sollte auf diese Weise eine berechenbare Menge Holz produziert werden. Dass früher Flächen kahl ge- schlagen wurden, lag aber auch daran, dass es nicht die passende Technik gab. Die hatten noch keine gro- ßen Maschinen, um das Holz rauszuziehen“, ergänzt Alexander Frese.
„Früher funktionierte Forstwirtschaft ähnlich wie Landwirtschaft. Mit LÖWE haben wir umgedacht.“
Der Grundgedanke des LÖWE-Programms ist ein anderer, nämlich der des Dauerwaldes. Die beiden Forstleute stehen in der Nähe von Riefenbach in der Försterei Radauberg vor einer stattlichen Buche.
„Heute sollen die besten die dicksten werden“, sagt Hauskeller und blickt in die imposante Krone. Ziel ist es, die Vorräte zu erhöhen, die Waldstruktur zu verbessern, die Naturverjüngung zu fördern und eine gleichmäßige Energieumsetzung zu sichern. Tatsächlich wird heute bei keiner Baumart mehr zielstarkes Holz genutzt als nachwächst. Der Grund- satz ist also ein Erfolg.
Problematisch wird es manchmal mit dem Alter … Laut LÖWE sollen sie alt werden, die Wälder. Klingt simpel, ist es aber oftmals nicht. Denn mit dem Alter steigen auch die Risiken etwa durch Spritzkern bei der Buche oder eine erhöhte Windwurf gefahr bei der Fichte. „Es gilt also auch hier, genau abzuwägen und differenziert vorzugehen“, sagt Hauskeller. Auf der Fläche zeigt sich, wie sinnvoll die Zielstärkennut- zung ist: „Durch die vereinzelte Entnahme wird es sukzessive lichter. Irgendwann gibt es dann genug Licht, und die nächste Genera tion starker Bäume setzt sich durch.“ In der Försterei Radauberg steht diese stattliche
Buche. Die Zielstärkennutzung sieht vor, dass die besten Bäume die dicksten werden sollen.
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17 30 Jahre LÖWE – 2021
16 30 Jahre LÖWE – 2021
M Meike Fahning und Henning Küper wirken wie Zwerge neben der stattlichen Stieleiche. Etwa 1890 ist sie gepflanzt worden und hat sogar einen eige- nen Namen: „Eiche an der Weiche“. Küper kennt die Geschichte des Baumes, der auch Naturdenkmal ist: „Als die Ausbeutung des Moores begann, führte hier eine Lorenbahn entlang, die von Pferden gezogen wurde. Die Strecke führte von der Verarbeitung zum Bahnhof, und diese Eiche stand eben genau dort, wo sich die Weiche befand.“
„Je mehr Totholz, umso struk­ turierter und wertvoller sind die Wälder.“
Mittlerweile hat die Eiche nur noch in der Krone Blattwerk. Aber auch als Totholz ist sie noch wert- voll. „Je mehr Totholz, umso strukturierter und wertvoller die Wälder“, sagt Küper. „Wo es keine Probleme bringt, also etwa für den Arbeitsschutz oder Borkenkäferbefall, wollen wir es daher erhal- ten und fördern.“
Henning Küper hat viele dieser besonderen Bäu- me in seinem Revier. Etwa die Buche, die den eigent- lichen Stamm zur Wurzel machte. Oder die alten Eichen in ehemaligen Hutewäldern und die Aspen,
die bei den Schmetterlingen so beliebt sind. „Wie alt ist denn der älteste Baum in deinem Revier?“, fragt Meike Fahning. „Das ist eine Sammlung von Bu- chen, die 1760 gepflanzt und seither von Generatio- nen von Förstern gepflegt wurden.“ „Das muss man sich immer mal klarmachen: Die sind vor der Fran- zösischen Revolution gepflanzt worden“, so Fahning. „Ja, es gibt tatsächlich einige Bäume, über die ich mich besonders freue und die ich sogar grüße, etwa eine alte Eiche am Moor, die langsam zerfällt.“
Ebenfalls verfallen ist eine mittelalterliche Sied- lung, deren Überreste sich heute mitten im Natur- wald Weichel finden. „Die Siedlung wurde wahr- scheinlich 1351 im Zuge der Pest aufgegeben. Was früher die Viehtränke war, wird heute von den Wild- schweinen als Suhle genutzt. Irgendwie ist also alles ein Kreislauf.“
Die „Eiche an der Weiche“ hat ein bewegtes Leben hinter sich. Nun darf sie in Würde altern –
und irgendwann als Totholz hier verbleiben.
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8 Waldschutz- gebiete
I In der Natur ist alles miteinander verbunden. Wird an einer Stellschraube gedreht, hat das direkte und indirekte Auswirkungen auf viele andere. Im nega- tiven Sinne, aber auch im positiven, wie sich am Luh- ner Teich zeigt.
Henning Küper erzählt Meike Fahning die Ge- schichte des Teichs. „Um die Jahrhundertwende wurde an dieser Stelle ein erster Teich künstlich an- gelegt. Er diente als Karpfenteich, aber diese Nut- zung war irgendwann nicht mehr verträglich mit der Torfgewinnung und so wurde das Wasser abgelas- sen. Ende der 50er-Jahre wurden zwei Teiche ange- legt.“ Doch auch die haben unter hohen Tempera- turen und fehlendem Niederschlag zu leiden. „Die letzten beiden Jahre sind sie trockengefallen. Wir haben den Damm verbessert und hoffen nun, dass
sie wieder richtig voll werden.“ „Das wäre wichtig“, sagt Fahning. „Der Teich selbst ist ökologisch natür- lich schon unglaublich wertvoll, vor allem aber pro- fitiert auch das Umfeld davon.“
„Wir haben sukzessiv immer mehr Fläche aus der Nutzung genommen.“
Küper gerät ins Schwärmen, erzählt von der Arten- vielfalt hier am Luhner Teich, von den Kranichpaa- ren, die hier ihre Brutplätze haben, von den vielen kleinen Vögeln, die das Schilf ihr Zuhause nennen. Begeistert zeigt Meike Fahning auf eine Sumpf- Calla. „Von der ist hier das größte Vorkommen im Landkreis“, sagt Henning Küper. „Aber auch Kö- nigsfarn und Sumpffarn gedeihen hier.“
Der Luhner Teich ist ein Paradebeispiel für den siebten LÖWE-Grundsatz. „Die Flächen drum her- um werden nicht genutzt, gehen in Naturwald über.
Wir brauchen diese großflächigen Räume ohne Stö- rungen“, sagt Fahning. „Das war uns bewusst“, so Küper. „Wir haben hier sukzessiv immer mehr aus der Nutzung genommen.“ Doch nicht nur große Flächen wie der Luhner Teich mit seinen zwei Hek- tar Wasserfläche sind wichtig für den Artenschutz. „Wir brauchen auch Flächen mit Trittsteinfunk- tion und einzelne Habitatbäume. Für immobile Arten und auch für jene, die wandern müssen“, sagt Fahning.
Wer wohnt hier? Meike Fahning und Henning Küper betrachten eine Wasserprobe
aus dem Luhner Teich.
9 Gewährleistung besonderer Waldfunktionen
E Ein Wald ist ein Wald ist ein Wald? Von wegen! Denn ein Wald ist eben nicht „nur“ eine Ansamm- lung von Bäumen. Er ist Wasser-, Boden-, Klima- und Biotopschützer. Er hält Lärm und Immissionen in Schach. Und er ist ein Ort, an dem wir uns erho- len können. Auch diese Funktionen des Waldes sol- len nach LÖWE erhalten und gefördert werden. Das Thema Wasser spielt dabei eine zunehmend wich tige Rolle.
Dr. Hans-Martin Hauskeller und Alexander Fre- se sind auf ihrem Rundgang an der Okertalsperre angekommen. Mit 2,25 Quadratkilometern Wasser- oberfläche ist sie eine der größten Talsperren im Harz. Sie dient der Energiegewinnung, dem Hoch- wasserschutz und auch der Trinkwassergewinnung. Doch in den letzten Jahren bot sie oft einen trauri- gen Anblick.
„Die Talsperren sind häufig nicht voll genug oder gar leer gewesen“, sagt Frese. „Der Harz versorgt aber weite Teile Niedersachsens mit Trinkwasser.“ Und zwar mit hochwertigem Trinkwasser. Die Qua- lität wird besonders deutlich beim Blick auf den Nitratgehalt. Im Wasser aus dem Wald im Harz be- trägt er ca. 4,4 mg/l. In landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen des Landes überschreitet er häu- fig sogar den gesetzlichen Grenzwert von 50 mg/l.
Das Wasser – mal ist es zu viel, dann wieder zu we- nig. Auf Phasen extremer Trockenheit folgen Stark- regenereignisse. Ein Phänomen, das in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. „Der Wald ist dabei Opfer und Teil der Lösung“, sagt Hauskeller. „Auf der einen Seite werden Wälder schnell anfällig bei Trockenheit, auf der anderen Seite sind sie aber für die Sicherung der Wasserversorgung extrem wich- tig. Ein einziger Hektar Waldboden speichert etwa zwei Millionen Liter Wasser.“ Zudem gibt Waldbo- den die Feuchtigkeit deutlich langsamer ab als an- dere Böden. „Die kühlende Funktion der Wälder re- duziert darüber hinaus die Außentemperatur.“ Ein Faktor, der in der Klimakrise immer wichtiger wird.
„Der Wald ist beim Thema Wasser Opfer und Teil der Lösung.“
Frese und Hauskeller nehmen auf einer Bank Platz. Eine Gruppe Wanderer zieht strammen Schrittes vorbei. „Im Harz wird traditionell viel gewandert“, sagt Frese. „Aber seit Corona zieht es noch viel mehr Menschen raus. Viele sprechen uns auf das Wald- sterben an. Sie fragen uns, wie wir nun weiterma- chen und wann wieder alles ungefähr so aussehen wird wie früher. Wenn ich dann antworte, dass das mindestens 80 Jahre dauert, sehe ich oft in ent- täuschte Gesichter.“ Es bleibt die Hoffnung, dass auch in Post-Corona-Zeiten etwas hängen bleibt: Dass die Menschen achten und schützen, was sie kennen und lieben.
Auch das ist der Wald: ein Ort der Erholung und des Innehaltens.
Das genießen auch die Forstleute.
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10 Waldrand- Gestaltung & -Pflege
D Der perfekte Übergang ist fließend. Ein LÖWE- Wald endet nicht einfach in einem Feld, er geht im Idealfall sanft über ins Offenland mit einem arten- reichen Waldrand. „Was wir wollen, ist kein harter, sondern ein gestufter Übergang von den Bäumen in einen Strauchbereich und einen blütenreichen Wald- saum“, sagt Meike Fahning.
„In der Praxis haben wir es allerdings oft mit al- ten Waldrändern zu tun, bei denen eine Verbesse- rung in den vorhandenen Strukturen nicht so ein- fach ist“, wirft Küper ein. „Die haben aber auch ihren Wert, und trotzdem bringen wir manchmal einfach nur einen Blütensaum ein, einen kleinen Farbklecks, das ist ja auch schon was.“ „Und ihr habt hier die Obstgehölze konsequent freigestellt, das ist sehr gut“, so Fahning. „Sonst würden die zuwachsen und absterben. Der Waldrand wird oft unterschätzt. Da- bei ist er wichtiger Rückzugsraum für Pflanzen und Tiere, weist als Übergang von Freifläche zum Wald
eine sehr hohe Artendichte auf und bietet in wind- exponierten Lagen Schutz für die Bäume. Waldrän- der tragen zum Klima- und Bodenschutz bei und letztlich auch zur Erholungsfunktion des Waldes und dem Landschaftserleben.“
„Wir wollen keinen harten, sondern einen gestuften Übergang vom Wald ins Offenland.“
Die Naturschutzexpertin sieht den Waldrand als gu- tes Beispiel, an dem man Waldbesuchern das Wer- ken und Wirken im Forst erklären kann. „Besucher sehen oft ja nur eine Momentaufnahme, die vielleicht erschreckend wirkt. Etwa, wenn wir mit großen Ma- schinen den Wald durchforsten. Es ist wichtig, sie abzuholen und ihnen zu erklären, wie nachhaltiges Wirtschaften im Wald funktioniert.“
Henning Küper nickt: „Ich suche gerne den Kon- takt zu den Leuten und erkläre, was wir machen. Dass auch massive Eingriffe eine Entwicklung zum Positiven darstellen. Ich sage dann immer, dass ich das schon über 35 Jahre mache, und lade sie ein, in drei Jahren noch mal an dieser Stelle vorbeizu- schauen, um die Entwicklung zu sehen.“ Und einen Blick für die kleinen Dinge zu entwickeln, etwa den Königsfarn, den Meike Fahning gerade begeistert fotografiert. „Er steht auf der Roten Liste für beson- ders bedrohte Arten. Ich finde es einfach faszinie- rend, wie er sich ausrollt.“
Rare Schönheit: Meike Fahning fotografiert begeistert den geschützten Königsfarn.
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11 Ökologischer Waldschutz
V Vorbeugen ist besser als Nachsorgen. So könnte man den Punkt „Ökologischer Waldschutz“ des LÖWE- Programms zusammenfassen. Er zielt darauf ab, dass Wälder, die über eine größtmögliche Arten- und Strukturvielfalt verfügen, gesunde Wälder mit funktionierenden Selbstheilungskräften sind. Eine Gestaltung mit diesem Ziel sorgt für einen guten Schutzschild. In den letzten Jahrzehnten hat sich so auch der Blick auf die früher „ungebetenen Gäste“ verändert.
„Birken und Weiden sind typische Katastrophen- folgearten, werden aber nicht alt“, sagt Hans-Martin Hauskeller. „Früher sahen wir sie oft als hinderlich
an, heute nutzen wir diese Bäume zum Beispiel als Vorwald unter dem die nächsten Generationen ge- deihen können. Wir brauchen nur Geduld.“ Ein schö- nes Beispiel zeigt Alexander Frese im Revier Göttin- gerode. „Das ist eine Fläche, die von Kyrill zerstört wurde. Hier fand eine Naturverjüngung vor allem eben durch Birken statt. Unter ihrem Dach wächst nun der zukünftige Wald.“
„Früher sahen wir Katastrophen­ folgearten oft als hinderlich. Heute nutzen wir sie als Vorwald, unter dem die nächste Generation gedeiht.“ Dass Verjüngung unter dem Schirm statt auf Freiflä- chen stattfindet, dass Wälder struktur- und artenrei- cher geworden sind, das hat auch dazu geführt, dass in den letzten Jahren immer weniger chemische Mit- tel eingesetzt werden mussten. Auch die Weiterent- wicklung technischer Möglichkeiten wie etwa die Folienlagerung und die konsequente Aufarbeitung von potenziellen Käferbrutbäumen hat den Einsatz reduziert.
„In den letzten Jahren mussten wir aufgrund des massiven Borkenkäferbefalls allerdings wieder ver- mehrt auf chemische Mittel zurückgreifen“, sagt
Hauskeller. „Allerdings dürfen die Insektizide nicht flächig eingesetzt werden und auch nicht an stehen- den Bäumen. Meist kommen sie nur sehr dosiert am aufgepolterten Holz am Wegesrand zum Ein- satz, wenn der Logistiker die Stämme nicht recht- zeitig abtransportieren kann.“
Anders als etwa in der Landwirtschaft ist der Ein- satz von Pflanzenschutzmitteln im Forst kein ge- planter Bestandteil der Bewirtschaftung. „Es han- delt sich vielmehr um die allerletzte Alternative“, so Hans-Martin Hauskeller.
Alexander Frese (vorne) und Dr. Hans-Martin Hauskeller sind auf
einer Fläche unterwegs, die von Kyrill zerstört und anschließend
naturverjüngt wurde.
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26 30 Jahre LÖWE – 2021
27 30 Jahre LÖWE – 2021
12 Ökosystem- verträgliche Wild- bewirtschaftung
D Das war’s. Dieses Bäumchen wird es nicht zum ausgewachsenen Baum schaffen. Meike Fahning und Henning Küper beugen sich über eine junge Douglasie, Rauhaardackel Algol wuselt zwischen den beiden umher. Ein Fegeschaden vom Rehbock hat dieser Douglasie den Garaus beschert.
„Der Wildbestand darf nicht überhandnehmen“, sagt Meike Fahning. „Wald und Wild gehören zu- sammen“, findet auch Henning Küper. „Aber das
A und O für einen gesunden Waldbestand ist ein angepasster Wildbestand. Das Wild kann nun mal solche Schäden anrichten, dass es nicht nur Bäume, sondern ganze Blühhorizonte vernichtet. Der ganze Kreislauf kann ins Stocken geraten. Vor allem bei Laubbäumen können Schälschäden von Dam- und Rotwild schlimm werden.“
„Das A und O für einen gesunden Waldbestand ist ein angepasster Wildbestand.“
Den Vorwurf, es gehe den Forstleuten nur um die Wirtschaftlichkeit, schüttelt Küper ab. „Wenn wir zulassen, dass die Verjüngung verbissen wird, ver-
greist der gesamte Wald. Es ist wichtig, den Wildbe- stand zu regulieren.“ Das geschieht zum einen durch die gemeinsame Jagd, auch mit den angrenzenden Reviernachbarn. Zum anderen ist ein Jäger zurück, der zumindest den Damwildbestand ebenfalls regu- liert: der Wolf.
Alles in allem reicht das aber nicht für eine effizi- ente Jagd. Es ist wichtig, dass das Wild insbesondere da, wo der Wald sich verjüngen soll, reguliert wird. Denn dann wächst ein den örtlichen Gegebenheiten angepasstes, breites Artenspektrum in der nächsten Waldgeneration sicherer heran.
Fegeschäden wie dieser und Verbiss können massive Folgen für den Wald haben. Eine kontrollierte
Jagd beschränkt die Schäden.
13 Ökologisch verträglicher Technikeinsatz
H Harvester, Forwarder, Seilschlepper. Im Revier Alte- nau am Sperberhaier Damm ist aufgefahren, was die moderne Forsttechnik hergibt. Es herrscht der Aus- nahmezustand. Auch hier hat der Borkenkäfer sein Unwesen getrieben, etwa 1500 Festmeter Holz sind ihm zum Opfer gefallen. Nun wird gefällt, gerückt, geschleppt. „Es ist diese moderne Forsttechnik, die es uns überhaupt ermöglicht, dem Borkenkäfer ent- gegenzutreten“, sagt Dr. Hans-Martin Hauskeller. „Händisch wäre es gar nicht möglich, diese Schad- situation in den Griff zu bekommen.“
„Ohne die moderne Forsttechnik wäre es uns überhaupt nicht möglich, dem Borkenkäfer entge­ genzutreten.“
Auch in der Krise wird nach LÖWE-Auflagen ge- arbeitet. „Die Forsttechnik hat sich an den ökolo- gischen Erfordernissen auszurichten. Es sind Ver- fahren anzuwenden, die die Waldböden und die Waldbestände in ihrer Struktur und Artenvielfalt schonen“, heißt es im Programm. Auf der vom Bor- kenkäfer zerstörten Waldfläche ist zu erkennen: Auch hier wird Reisig untergelegt, um den Boden zu schonen. Auch in der Käferkalamität werden aus- schließlich die alten Rückegassen für die Befahrung durch Maschinen genutzt. „Wenn der Maschinen- einsatz vernünftig organisiert wird, entstehen kei- ne größeren Schäden. Um das Holz nutzen zu kön- nen, muss man es nun mal aus dem Wald holen“, sagt Forstwirtschaftsmeister Alexander Frese. Dabei spielt das dauerhafte Gassensystem eine entschei- dende Rolle. Es konzentriert Bodenverdichtungen über zig Dekaden auf wenige und immer gleichblei- bende Bereiche im Wald. Ersatzplanungen im Ma- schineneinsatz machen ein witterungsbedingtes Ausweichen möglich.
Ein Harvester bringt eine der befallenen Fichten zu Fall, eine Steilvorlage für Hauskeller: „Das ist üb- rigens ein ganz entscheidender Punkt, wenn wir über Forsttechnik sprechen: Durch die Maschinen hat sich die Arbeitssicherheit enorm erhöht.“ „Das stimmt“, ergänzt Frese. „Holzfällung ist zwar noch immer eine
der gefährlichsten Ar- beiten überhaupt, weil immer die Möglichkeit besteht, dass die Krone bricht, etwas von oben runterkommt, das Holz unter Spannung ist oder Äste auch über weitere Strecken geschleudert werden, aber insgesamt haben wir dank der Technik deutlich weni- ger Unfälle.“
Feste Gassensysteme und eine gute Vorbereitung und Planung der Holzernte konzentrieren die Auswirkungen der schweren Maschinen
auf die Böden auf ein mögliches Minimum.
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Impressum
CHEFREDAKTION: Christian Talla, Stephan Averbeck
GESTALTUNG & PRODUKTION: Christian Talla | Editorial | Corporate | Communication www.talla.hamburg
TEXT: Gipfeltexte – Nina Ruhland, Katharina von Ruschkowski
SCHLUSSREDAKTION: Dr. Stefanie Marschke
DATENSCHUTZ: Der Schutz Ihrer Daten ist uns wichtig. Informationen zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in den Datenschutzhinweisen der Niedersächsischen Landesforsten unter: http://www.landesforsten.de/Datenschutz/Datenschutzhinweise
DRUCK: Leinebergland Druck GmbH und Co.KG Industriestr. 2A, 31061 Alfeld (Leine)
100 % PEFC zertifiziert Das Papier für „Waldstück“ stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und kontrollierten Quellen.
www.pefc.de PEFC/04-31-1739
nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und
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hen und wenden, wie man will: Unsere Wälder stehen unter m assivem
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akrise ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Mit LÖWE sollen die Wälder w eite
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34 Geschäftsbericht 2020
Zahlen & Fakten Sonderausgabe
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MUSTERKNABE So soll ein gesunder und strukturreicher Wald nach LÖWE-Richtlinien aussehen. Nach wie vor – und noch stärker unter dem Eindruck des massiven Borkenkäfer- befalls – ist dies das Ziel der Niedersächsischen Landesforsten.
Liebe Leserinnen & Leser des Waldstücks,
einmal im Jahr erreicht Sie im Sommer ein Sonderheft unseres „Wald- stücks“. Es weicht von den vier „normalen“ Ausgaben ab. Während wir in den „normalen“ Ausgaben Wissenswertes und Interessantes über den „Wald der vier Jahreszeiten“ zusammentragen und für Sie erzählen, veröffentlichen wir in dem Sonderheft unsere Geschäftsergebnisse des Vorjahres.
Als öffentliches Unternehmen arbeiten wir unsere Jahresergebnisse transparent auf und ermöglichen der Öffentlichkeit einen vollständigen
Einblick in unsere Arbeit. Um nicht nur „nackte Zahlen“ zu präsentieren, erläutern wir in der anderen Hälfte des Heftes, was wir eigentlich tun. Ich hoffe deshalb, dass Sie auch an dieser Sonderausgabe Gefallen finden werden. Sie vermittelt Ihnen einen vollständigen Einblick in die Bewirtschaftung des Landeswaldes mit allen Facetten.
Die Jahre 2017, 2018, 2019 und 2020 haben den Wäldern sehr stark zugesetzt. Und dies liegt nicht an dem Corona-Virus. Stürme, Trockenheit und Hitze haben in diesen Jahren die Wald- ökosysteme geschwächt und einen kleinen Käfer begünstigt, der sich – ähnlich einem Virus - explosionsartig vermehrt und verbreitet hat. Dem sich wandelnden Klima und den Folgen haben unsere Wälder, vor allem aber einige heimische Baumarten, wenig entgegenzusetzen.
Häufig werden wir angesichts der dramatischen Schäden, die insbesondere in den Fichten- wäldern mancherorts zu einem Totalverlust geführt haben, gefragt, ob dies für die Wälder eine Art „Stunde Null“ bedeutet. Glücklicherweise ist dies nicht der Fall.
Seit Ende der 1980er Jahre bauen wir die Wälder in großem Stil zu Mischwäldern um. Grund- lage hierfür bildet das niedersächsische Programm zu einer Langfristigen ökologischen Wald- entwicklung (kurz LÖWE-Programm). Selbst wenn wir heute Fichten in großem Umfang entnehmen müssen, so sind häufig bereits Pflanzungen vorhanden, die aus diesem Programm initiiert wurden. Wo dies nicht der Fall ist, setzen wir auf eine natürliche Verjüngung der vor- handenen Bäume oder helfen mit künstlichen Saaten nach. Vielerorts pflanzen wir alte und neue Mischbaumarten hinzu. Dies untermauert unsere großen Anstrengungen, die Wälder für den Klimawandel fit zu machen.
Tauchen Sie gerne etwas tiefer ein in die Arbeit der Niedersächsischen Landesforsten. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen auch dieser besonderen Ausgabe des Waldstücks.
Ihr Klaus Merker Präsident der Niedersächsischen Landesforsten
INHALT: Geschäftsbericht 38 Wer wir sind: Die Niedersächsischen
Landesforsten im Selbstporträt
40 Bericht des Verwaltungsrats
52 Die Erklärung der NLF zum Deutschen Corporate Governance Kodex
52 Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers
37 Geschäftsbericht 2020
Kommunikation, Flächenmanagement, Naturdienstleistungen
Münden, Neuenburg, Neuhaus, Nienburg, Oerrel, Oldendorf, Reinhausen, Riefensbeek, Rotenburg, Saupark, Seesen, Sellhorn, Unterlüß, Wolfenbüttel
Servicestellen: Niedersächsisches Forstplanungsamt – EDV, Betriebsabrechnung, Forsteinrichtung, Naturschutz
Niedersächsisches Forstliches Bildungszentrum – Aus- und Fortbildung, Forschung und Entwicklung
Beauftragte für: Gleichstellung, Schwerbehinderte, Datenschutz, Arbeitssicherheit
Unsere Wälder:
Neuenburg
Ahlhorn
Ankum
Nienburg
Harsefeld
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Landeswald
Betreuungswald
Forstamt
Forstamtsgrenze
Nachhaltigkeit – das Erfolgsprinzip Es ist ein so einfaches wie effizientes Prinzip: mehr anbauen als abbauen. Es ist ein Prinzip, das aus der Not geboren wurde, als die Holzvorräte erschöpft waren, als es bedrohliche Engpässe gab. Das liegt nun 300 Jahre zurück, doch die Idee der Nachhaltig- keit ist aktueller und attraktiver denn je. Auf unse- ren Flächen wachsen pro Tag knapp 7.700 Fm Holz nach, das sind pro Stunde etwa 320 Fm, die wir nachhaltig dem Wald je nach Markt- und Preislage entnehmen könnten. Unser nachhaltiger Umgang hat dazu geführt, dass heute so viel, so altes und so wertvolles Holz wie niemals zuvor seit dem Mittel- alter im Niedersächsischen Landeswald wächst.
Unsere Mitarbeiter – ein starkes Team Natur bedeutet stetigen Wechsel, jederzeit anpas- sungsfähig zu sein, niemals Stillstand und stän- dige Weiterentwicklung. Das müssen auch wir bei den Landesforsten. Vom Mitarbeiter, der kontinuier- lich in den Verbesserungsprozess eingebunden wird, bis zur Managementebene in den 24 Forstämtern und 225 Förstereien. Wir sind ein Team, offen für Innovationen, bereit zum Wandel, die Zukunft stets im Blick. Und Letztere sieht rosig aus: Die Umstellung der europäischen Energiestrategie auf nachwachsende Rohstoffe – in zweiter Generation mit Tendenz zum Holz – und die weltweit knapper werdenden Holzvorräte ermöglichen uns eine erfolgreiche Prognose.
Wachstum – immer bergauf Die Landesforsten sind ein erfolgreiches Unterneh- men mit einem Jahresumsatz von rund 130 Millionen Euro und einer Nettowertschöpfung von etwa 70 Millionen Euro. Wir beschäftigen ca. 1.300 Mitar- beiterinnen und Mitarbeiter und 100 Auszubildende vorwiegend im ländlichen Raum. Rund 60 Millionen Euro fließen vor allem in niedersächsische Unter- nehmen, die als Dienstleister für uns arbeiten. Wir sichern unsere umweltbedingt hohen Risiken durch eine Diversifizierung unserer Geschäftstätigkeit, durch Wachstum in den Kerngeschäften und durch den Aufbau einer ausreichenden Risikorücklage.
Vielfalt schaffen – die Zukunft gestalten Unsere Flächen bewirtschaften wir nach den im LÖWE-Programm beschriebenen und durch die Einhaltung der vom PEFC-Zertifizierungssystem definierten Waldbau- und Waldnaturschutz-Grund- sätzen. Den Arten- und Lebensraumverlusten in der Welt stehen deshalb in den Landesforsten sehr posi- tive Entwicklungen gegenüber. Viele seltene Arten finden hier ihren Rückzugsraum und haben sich in den vergangenen Jahren vermehrt. Ein Drittel unse- rer Flächen sind in die NATURA 2000-Kulisse der EU eingebunden.
Faszination Wald – erlebte Umweltbildung Die Natur. Vielen Menschen ist sie heutzutage fremd geworden. Wir wollen früh dagegen angehen, schon den Allerkleinsten zeigen, wie faszinierend und schützenswert unsere Natur ist. In Waldpädagogik- zentren, in Kinderwäldern, Wildgehegen und an- deren Naturerlebniseinrichtungen lassen wir den Nachwuchs erleben, was Natur bedeutet. Denn nur wer selber gefühlt, gehört, geschmeckt, gerochen und gesehen hat, wie Wälder und ihre Bewohner funktionieren, entwickelt ein Gefühl dafür. Wir wol- len das Verständnis für eine schonende Pflege und Nutzung des Waldes im Rahmen einer modernen, nachhaltigen Waldwirtschaft wecken. Dabei setzt unsere zertifizierte Waldpädagogik seit einigen Jah- ren neue Qualitätsstandards.
Wald – der Alleskönner Wenn man darüber nachdenkt, welche Ansprüche wir an den Wald stellen, könnte diesem angst und bange werden: Saubere Luft soll er liefern. Unsere CO2-Ausstöße regulieren. Durch seinen Boden Trinkwasser produzieren. Bedrohten Arten einen Rückzugsraum liefern. Für Millionen Besucher Erholungsraum, für uns Unternehmer und die Be- völkerung Rohstofflieferant sein. Zum Glück inte- ressiert den Wald wenig, was wir von ihm wollen. Er macht seit Jahrtausenden sein Ding. Holz ist ein Produkt der Zukunft, Wald wird mit seinen Haupt- leistungen weiter an Bedeutung gewinnen. Die Öko- und Energiebilanz des Waldes ist ohne Vergleich. Wald bedeutet Zukunft.
Waldbesitz – Verantwortung für Generationen Unter dem Begriff der Corporate Social Responsibi- lity (CSR) wird der verantwortungsvolle Einsatz von Unternehmen für die Gesellschaft verstanden. So- ziales, ökologisches und ethisches Engagement ge- hören zum modernen Nachhaltigkeitsbegriff dazu. Die Landesforsten sehen sich in besonderer Verant- wortung und erbringen vielfältige Leistungen für die Gesellschaft. Erst der betriebliche Erfolg ermög- licht uns Gestaltungsfreiräume für eine umfassend nachhaltige Entwicklung im Bereich der Ökologie, der Waldpädagogik und des Erholungsraums.
38 Geschäftsbericht 2020
39 Geschäftsbericht 2020
im Landeswald immer stärker
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Bericht des Verwaltungs rats
1 Staatssekretär Prof. Dr. Ludwig Theuvsen, Landwirtschaftsministerium (Vorsitzender VWR) 2 Dr. Heinz-Werner Streletzki, Vertreter Landwirtschaftsministerium 3 Alexandra Stück, Stv. Mitglied, Vertreterin des Umweltministeriums 4 Klaus Jänich, Vizepräsident 5 Dr. Klaus Merker, Präsident 6 Dirk Schäfer, Stv. Mitglied Beschäftigte 7 Frank Duensing, externer Vertreter der Beschäftigten 8 Thomas Bürkle, Vertreter Wirtschaft 9 Thomas Klamt, Stv. Mitglied, Vertreter Finanzministerium 10 Staatssekretär Berend Lindner, Vertreter Wirtschaftsministerium 11 Andreas Pieper, Vertreter Beschäftigte 12 Dr. Carsten Böhm, Vertreter Umweltverbände
A Auch im dritten Jahr in Folge hinterlässt die Mas- senvermehrung der Borkenkäfer in den Wäldern und auch in den Niedersächsischen Landesforsten (NLF) tiefe Spuren. Der Harz bildet mit seinen aus- gedehnten Fichtenwäldern einen Schwerpunkt. An- gesichts der klimabedingt katastrophalen Lage in den Wäldern ist dem Verwaltungsrat wichtig, dass sich die NLF neben der weiteren Eindämmung der Borkenkäfergradation nunmehr auf die Wiederbe- waldung und den notwendigen klimaangepassten Waldumbau fokussieren.
Bei der aktiven Wiederbewaldung kann die NLF in den kommenden Jahren auf die Unterstützung des Landes bauen. Der Verwaltungsrat sieht das große Schadensausmaß und die Notwendigkeit, den Lan- desforsten bei dieser Herausforderung zu helfen. Das Land unterstützt daher die Landesforsten bei der Umsetzung des Regierungsprogramms LÖWE. Ziel ist es, im Rahmen dieser ökologischen Bewirtschaf- tung klimastabile Landeswälder schnellstmöglich wieder aufzuforsten oder umzubauen.
Der Verwaltungsrat ist sich bewusst, dass der Ein- satz die betroffenen Beschäftigten physisch und mental belastet. Mit den eingeleiteten Maßnahmen
haben die NLF das Machbare getan. Der Verwal- tungsrat dankt allen Beschäftigten für den außer- ordentlichen Einsatz.
Jahresabschlussprüfung Die Prüfungsgesellschaft wetreu NTRG prüfte den Jahresabschluss sowie den Lagebericht der Nieder- sächsischen Landesforsten und hat den uneinge- schränkten Bestätigungsvermerk erteilt. Den Mit- gliedern des Verwaltungsrats wurden für die Sitzung am 24.06.2021 die Jahresabschlussunterlagen und die Prüfungsberichte des Wirtschaftsprüfers recht- zeitig zugestellt. In der Sitzung berichtete der Ab- schlussprüfer umfassend über die wesentlichen Er- gebnisse der Prüfung und stand für ergänzende Auskünfte zur Verfügung.
Unsere Prüfung des Jahresabschlusses und des Lage- berichts ergab keine Einwände. Daher stimmte der Verwaltungsrat dem Ergebnis der Prüfung durch den Abschlussprüfer zu und billigte den vom Vor- stand aufgestellten Jahresabschluss, der damit fest- gestellt ist. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt.
Der Verwaltungsrat dankt dem Vorstand und allen Beschäftigten herzlich für die geleistete Arbeit. Alle getroffenen Entscheidungen werden vom Verwal- tungsrat mitgetragen.
HANNOVER, 08.07.2021
41 Geschäftsbericht 2020
40 Geschäftsbericht 2020
GRUNDLAGEN
Rahmenbedingungen Das Geschäftsjahr 2020 war überlagert vom Verlauf der Corona-Pandemie und den in diesem Zusammenhang erforderlichen Maßnahmen, die nahezu alle gesellschaftli- chen und wirtschaftlichen Bereiche in einem historischen Ausmaß erfassten. Zudem erreichte die Entwicklung der Borkenkäferpopulationen einen neuen Höhepunkt. Die dadurch in den NLF ausgelösten Substanzverluste, markt- bedingten Schäden und Folgekosten für die Wiederauf- forstung und Pflege sind weiter angewachsen. Unter die- sen Rahmenbedingungen mussten die NLF im Forstwirtschaftsbetrieb einen hohen Verlust verzeichnen. Wie andere Waldbesitzer auch setzen die Landesforsten, neben eigenen Programmen zur Krisenbewältigung, vor allem bei der Wiederbegründung klimastabiler Wälder für nachfolgende Generationen auch auf öffentliche Unter- stützungsleistungen. Auch wenn durch eine Corona-Hilfe und einen ersten Teilbetrag für erforderliche Wiederbe- waldungen die finanziellen Folgen der Käferkalamität durch das Land abgemildert wurden, ist ein hoher Verlust- vortrag erforderlich. Für die Zukunft hoffen die NLF dar- auf, dass die Klimaschutz- und weitere Ökosystemleistun- gen der Wälder finanziell besser vergütet werden.
Organisation Organe der Niedersächsischen Landesforsten sind der Ver- waltungsrat und der Präsident. Über den Verwaltungsrat nimmt das Land als Träger der NLF wesentlichen Einfluss auf alle strategischen Entscheidungen des Unternehmens.
Das Unternehmen gliedert sich organisatorisch in die Betriebsleitung mit Sitz in Braunschweig und 24 dezentral agierende Forstämter, denen 225 Revierförstereien sowie die Forstsaatgutberatungsstelle (FSB), der Wegebau- stützpunkt (WSP) und drei Maschinenstützpunkte (MSP) angeschlossen sind. Außerdem gibt es mit dem Nieder- sächsischen Forstplanungsamt (NFP) und dem Niedersäch- sischen Forstlichen Bildungszentrum (NFBz) zwei Service- stellen.
Produkte und Dienstleistungen Kerngeschäft der NLF ist die Holzproduktion und -ver- marktung. Das Produktangebot für die großen belieferten Märkte umfasst vor allem Nadelstammholz, Industrieholz und Laubstammholz. Weitere Geschäftsfelder sind Gestat- tungen (Rechte, Rohstoffe), Mieten, Pachten sowie Dienst- leistungen (Natur-, Forst-, Jagd- und Erholungsdienstleis- tungen). Daneben nehmen die NLF Aufgaben im Auftrag des Landes Niedersachsen u. a. in den Bereichen Natur- schutz, Umweltbildung, Erholung und Ausbildung wahr und erhalten dafür Finanzhilfen. Die NLF-Services-GmbH als 100%ige Tochtergesellschaft der NLF bündelt die gewerb- lichen Tätigkeiten. Wichtigster Geschäftszweig ist der Betrieb von Friedwäldern auf Grundstücken der NLF.
GESCHÄFTSMODELL DER NLF
Ziele und Strategien Im Jahr 2017 hat der Verwaltungsrat die Strategie NLF 2025 beschlossen. Danach orientiert sich die NLF in den drei Nachhaltigkeitssäulen Ökologie, Ökonomie und Soziales am weiteren Ausbau der naturschutzfachlichen Leistun- gen, an der profitablen Bewirtschaftung des Landeswaldes sowie der Verbesserung von sozialen Aspekten innerhalb und außerhalb des Unternehmens. In 20 Zielen, die die
Strategie operationalisieren, kommt die hohe Gemeinwohl- orientierung der NLF zum Ausdruck.
Ausgelöst durch die klima- und marktbedingte Krise der Forstwirtschaft sowie einen spürbaren Bedeutungswandel, die die Wälder in der Gesellschaft erfahren, hat der VWR im Verlauf des Geschäftsjahres eine Neuausrichtung der NLF-Strategie auf den Weg gebracht. Hierfür sollen die Ziele in den 20 Strategiefeldern modifiziert und Maßnah- men zu ihrer Umsetzung konkretisiert werden. Die ver- änderte Ausgangslage erfordert, Planungen für eine Kom- pensation zukünftig wegbrechender Umsätze aus der Holzproduk tion zu entwickeln.
In der Satzung der Landesforsten sind sieben Geschäfts- grundsätze festgeschrieben, die die Ausrichtung der Lan- desforsten als nachhaltig agierendes Unternehmen ver- deutlichen:
(1) Die Niedersächsischen Landesforsten gewährleisten eine nachhaltige Vermögensentwicklung des übertragenen Eigentums nach kaufmännischen Grundsätzen unter Berücksichtigung ausreichender Sicherheit, Liquidität und Rentabilität.
(2) Die Niedersächsischen Landesforsten betreiben eine nachhaltige Umweltvorsorge, den Schutz der natürlichen Ressourcen und die Entwicklung des Erholungswerts ent- sprechend den Regelungen des Niedersächsischen Geset- zes über den Wald und die Landschaftsordnung.
(3) Die Bewirtschaftung des Landeswaldes ist in besonde- rer Weise dem Gemeinwohl verpflichtet. Sie richtet sich nach den Grundsätzen einer ordnungsgemäßen und natur- nahen Forstwirtschaft und dem Regierungsprogramm zur „Langfristigen Ökologischen Waldentwicklung in den Lan- desforsten“ (LÖWE).
(4) Die Niedersächsischen Landesforsten arbeiten in allen wichtigen Kernbereichen wie z. B. Marketing, Kundenorien- tierung, Betriebsorganisation, biologische und technische Produktion, Nebennutzungen, Jagd und Naturschutz mit modernen und fortschrittlichen Strategien.
(5) Die Niedersächsischen Landesforsten streben die Ent- wicklung neuer Geschäftsfelder an. Als größter Anbieter von Leistungen im Umweltbereich in Niedersachsen trei- ben sie Entwicklungen kreativ und innovativ mit Impulsen für die Branche an.
(6) Auf der Grundlage eines modernen und sachgerechten Controllings der Ziele streben die Niedersächsischen Lan- desforsten eine stetige und nachhaltige Weiterentwicklung im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses an.
(7) Ausschlaggebend für eine optimale Zielerreichung ist die Motivation der Beschäftigten. Diese wird maßgeblich von einer mitarbeiterorientierten Unternehmenskultur beeinflusst. Die Leistungspotenziale der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen bestmöglich eingesetzt werden. Die Personalentwicklung soll daher insbesondere hinsichtlich der Qualifikation einer stetigen Weiterentwicklung unter- liegen. Vertrauensvolle Zusammenarbeit und Zielverein- barung sind wichtige Führungsprinzipien.
Wichtiger Bestandteil der Unternehmenskultur ist das mit allen 1.300 Mitarbeitern im Jahr 2009 gemeinsam erarbei- tete und beschlossene Unternehmensleitbild.
Steuerungssystem Die Steuerung der NLF erfolgt im Rahmen der dezentralen Ergebnisverantwortung durch die Betriebsleitung anhand eines Kennzahlensystems in Anlehnung an die Sustaina - bility Balanced Scorecard (SBSC). Jährlich werden die kon- kreten Unternehmensziele als Teilziele zwischen den Forstämtern, Servicestellen und der Betriebsleitung ver-
auf eine Corona-Hilfe (10 Mio. EUR), auf eine Finanzhilfe für die Walderneuerung (7,5 Mio. EUR) und die Auflösung von Rücklagen (5,1 Mio. EUR) zurückzuführen.
Holzmarkt Der Nadelholzmarkt in Mitteleuropa war im dritten Jahr in Folge massiv durch die Aufarbeitung der Fichtenhölzer aus der Borkenkäferkalamität gestört. Die bundesweite Schad- holzmenge der Fichte stieg von 28,6 Mio. (2019) auf 43,3 Mio. Fm, wobei die Schwerpunkträume der Kalamität in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Südniedersachsen, Thü- ringen und Sachsen liegen. Insgesamt stieg der Holzein- schlag auf 80,4 Mio. Fm, die höchste Gesamtmenge seit der Wiedervereinigung. Die Preise aller Fichtenholzsorti- mente waren im Laufe des Jahres 2020 im freien Fall und erreichten zum Ausgang des Sommers ihren absoluten Tiefpunkt. Im Sog des gestörten Marktes geriet auch das Kiefernholz unter Preisdruck. Die NLF haben folglich den Einschlag der Kiefer marktangepasst reduziert. Lärchen- und Douglasien-Sägeholz blieben aufgrund ihrer speziellen Verwendungsmöglichkeiten vorwiegend im Gartenholz von negativen Entwicklungen verschont.
Die einheimische Industrie der Nadelholz-Verarbeiter bewegte gemeinsam mit Waldbesitz und Logistikern deut- liche Mehrmengen. Da diese nicht von heimischen Märkten aufgenommen wurden, exportierten die NLF marktentlas- tend insgesamt 1,3 Mio. Fm Fichtenholz, davon 900 Tsd. Fm Sägeholz, über eine Vielzahl von Händlern nach China und 400 Tsd. Fm Industrie- bzw. Energieholz nach Skandi- navien, vorwiegend in die dortigen Biomasseheizkraftwer- ke. Bei Eiche und Buche blieben die Holzpreise stabil. Wie schon in 2019 spielte die Schadholznutzung jedoch auch bei der Buche eine Rolle. In enger Abstimmung mit den Kunden wurde eine deutlich geringere Menge, als planmä- ßig nutzbar, verkauft. Ein Viertel des Holzes stammte aus trockenen und geschädigten Beständen, in denen die Ernte nur unter großen Gefahren und mit viel Aufwand möglich war. Dazu gehörten auch die besonders kostspieligen Ver- kehrssicherungsmaßnahmen. Durchforstungen in ca. 50- bis 90-jährigen Beständen wurden regulär durchgeführt.
Jagd und Wildregulierung Der Wildbestandsregulierung kommt aufgrund des dyna- misch verlaufenden Klimawandels und dessen gravieren- den ökologischen Folgen eine hohe Bedeutung zu. Sie ist ein zentraler Erfolgsfaktor für das Gelingen der Wiederbe- waldung und des forcierten Waldumbaus. Ertragsseitig haben sich die Einnahmen aus Wildbretverkäufen trotz reger Nachfrage aus dem privaten Bereich aber bei schlechteren Preisen deutlich verringert. Als Folge der Corona-Pandemie fanden gemeinschaftliche Jagden in einem reduzierten Rahmen statt.
Wegebau Das umfangreiche Wegenetz der Niedersächsischen Lan- desforsten dient der Erschließung der Wälder, dem Abtransport des Holzes, aber auch der Freizeitgestaltung der Bevölkerung. In 2020 wurden rund 6,5 Mio. EUR (Vor- jahr 6,9 Mio. EUR) für die Pflege und Unterhaltung des 11.000 km umfassenden Wegenetzes sowie den Neubau und Ersatz von Brücken und Durchlässen aufgewendet. Die gesamtbetrieblichen Aufwendungen für den Wegebau wurden aufgrund der schlechten Einnahmesituation der NLF zurückgefahren.
Liegenschaftsbewirtschaftung Im Geschäftsbereich Liegenschaftsbewirtschaftung konn- te der Vorjahresumsatz gesteigert werden (+8,6 %). Die pandemiebedingten Konjunktureinbrüche haben der Bau- branche nicht allzu stark zugesetzt. Neben den Einnahmen aus Bodenabbauverträgen, die maßgeblich von der Bau- konjunktur abhängen, haben sich die in den vergangenen Jahren geführten Rahmenvertragsverhandlungen und Ver- tragsumstellungen im Bereich der Leitungsgestattungen und Funkstationen auch 2020 erfreulich positiv auf den Umsatz ausgewirkt. Insgesamt wurden 9,01 Mio. EUR
einbart. Die Zielvereinbarung enthält neben finanziellen und naturalen Zielen auch Projekte im Bereich Natur- schutz, Ausbildung und Erholung, die die NLF im Auftrag des Landes Niedersachsen umsetzen. Die Nachhaltigkeits- zertifizierung nach PEFC und die damit verbundenen Audits sichern die Einhaltung hoher Nachhaltigkeitsstandards.
Forschung und Entwicklung Es besteht eine enge Zusammenarbeit im Niedersächsi- schen Forschungscluster mit der Georg-August-Universität und der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen. Aktuell vorrangige Forschungsbereiche sind die Naturwald- und Biodiversitätsforschung, die Klimafolgen- abschätzung, die Weiterentwicklung waldbaulicher Verfah- ren sowie Fragestellungen des Forstschutzes. Die NLF unterstützten darüber hinaus Forschungsvorhaben (tlw. im Rahmen von Promotionsvorhaben und studentischen Abschlussarbeiten) zu naturschutzfachlichen und ökologi- schen Fragestellungen, wie z. B. zur Entwicklung der bio- logischen Vielfalt nach Störungen, zum Einfluss der Klima- änderung auf den Erhaltungszustand von Buchen-LRT oder zur Einordnung von Habitatbäumen.
WIRTSCHAFTSBERICHT
Gesamtwirtschaftliche und bran- chenbezogene Rahmenbedingungen Das Weltwirtschaftsklima ist pandemiebedingt in 2020 um 3,3 % (IWF) gesunken. Für 2021 wird wegen der massiven Hilfsprogramme und der Hoffnungen auf ein Ende der Beschränkungen ein Wachstum von 6 % vorhergesagt (IWF). Im Euroraum war in 2020 eine Rezession mit –6,8 % (Eurostat), in der Bundesrepublik mit –4,9 % zu verzeich- nen. Die Prognosen für 2021 sehen eine Erholung mit 4,2 % (EZB) bzw. 3,0 % (Bundesregierung) Wachstum vor. Die Corona-Pandemie hat die globalen und nationalen Holz- märkte nur bedingt beeinflusst. Katastrophal wirkte sich hingegen die im dritten Jahr anhaltende kalamitätsbe- dingte Überproduktion von Nadelrohholz aus. Während in Mitteleuropa die Nadelrundholzpreise ihren Tiefpunkt erreichten, erzielten die daraus erzeugten Schnittholzpro- dukte bei globalem Absatz Höchstpreise. Erst zum Ende des Geschäftsjahres zogen die Rohholzpreise leicht an.
Geschäftsverlauf Auf Grundlage eines mit der NWFVA (Forstliche Versuchs- anstalt) abgestimmten Waldschutzkonzepts versuchten die NLF weiterhin, das Infektionsrisiko in den Hauptschadens- gebieten einzudämmen. Im Winter und Frühjahr 2020 erfolgten umfangreiche Sanierungshiebe, um der Ausbrei- tung des Borkenkäfers 2020 vorzubeugen. Bei hohem Aus- gangsbestand und günstigen Vermehrungsbedingungen setzte sich vor allem im Harz die Kalamität fort, sodass am Ende erneut 2,2 Mio. Fm Nadelholz aus Zwangsnutzungen anfielen.
Im zweiten Halbjahr verzichteten die NLF darauf, Holz in Beständen einzuschlagen, von denen keine Käfergefahr für andere Bestände ausging oder aus denen die Käfer bereits ausgeflogen waren. Mit sinkendem Massenanfall zeigten sich im vierten Quartal erste Tendenzen ansteigender Prei- se, sodass der preisliche Tiefpunkt am Holzmarkt über- wunden wurde. Neben den Verlusten im Nadelholz zeigen sich auch Qualitätseinbußen und Absterbeprozesse in Buchenwäldern. Diese schlagen sich nicht unmittelbar in großen Produktionsmengen nieder, werden die NLF aber ebenso kurz- und langfristig beeinträchtigen.
Um die durch Sturm, Dürre und Borkenkäferkalamität ent- standenen Kahlflächen möglichst schnell wieder aufzu- forsten, haben die NLF im Frühjahr und Herbst 2020 ca. 4,9 Mio. Setzlinge gepflanzt. Insgesamt haben sich die ent- standenen Kahlflächen der Krisenjahre seit 2017 bis Ende 2020 auf einen Gesamtumfang von ca. 20.000 ha aufsum- miert. In Summe ergibt sich für 2020 im Forstwirtschafts- betrieb ein Verlust von 18,2 Mio. EUR (Vorjahr –29,5 Mio. EUR). Die Ergebnisverbesserung trotz gegenüber dem Vor- jahr noch einmal verschlechterter Rahmenbedingungen ist
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Umsatz verbucht. Das Ergebnis konnte verbessert werden und erreicht mit 7,76 Mio. EUR ein Rekordniveau (+16 % gegenüber Vorjahr). Der Sektor der Freizeit-, Sport- und Erholungsaktivitäten erfreut sich einer moderaten Umsatzsteigerung.
Flächenmanagement und Natur- dienstleistungen Die NLF haben in fast allen Naturräumen Niedersachsens ein Netz von Kompensationsflächenpools angelegt, in denen Dritte ihre verursachten Eingriffe durch hochwer- tige ökologische Aufwertung verschiedener Schutzgüter gemäß Naturschutzrecht kompensieren können. Zusätzlich bestehen weitere sonstige Kompensationsflächen (bei- spielsweise für Erstaufforstungen und spezielle Arten- schutzmaßnahmen). Die Einnahmen im Bereich der Natur- dienstleistungen erhöhten sich in 2020 auf einen neuen Höchstwert von 7,9 Mio. EUR (Vorjahr: 7,5 Mio. EUR). Der erfolgswirksame Ertrag erhöhte sich auf knapp 5,4 Mio. EUR. Damit konnte auch das Ergebnis auf 2 Mio. EUR gesteigert werden. Aktuell arbeiten die NLF daran, ihr Pro- duktangebot an Ökosystemdienstleistungen zu erweitern. So sollen die Vermarktung der CO2-Bindung in Mooren,
Entwicklung der Erlöse und Erträge nach GuV-Konten 2019 Euro
2020 Euro
Veränderung Euro %
Nebennutzung (ohne Brennholz) 7.384.606 8.195.760 811.155 11 %
Liegenschaften 8.700.257 9.522.821 822.564 9 %
Jagd 5.162.112 4.680.108 –482.004 –9 %
Sicherung der Erholungsfunktion 2.647.229 1.939.602 –707.627 –27 %
Betreuungsentgelte 3.092.532 2.859.001 –233.531 –8 %
Umsatzerlöse Sonstige 1.671.318 1.175.608 –495.710 –30 %
Beteiligungserträge Jagdgenossenschaften 58.662 52.948 –5.714 –10 %
Umsatzerlöse mit der NLF-Services-GmbH 2.090.770 2.999.457 908.687 43 %
Summe Umsatzerlöse 141.398.711 132.407.824 –8.990.887 –6 %
Bestandsveränderung Vorräte –6.673.564 –4.883.218 1.790.346 –27 %
andere aktivierte Eigenleistungen 174.686 139.252 –35.433 –20 %
Sonstige betriebliche Erträge 31.587.270 51.257.545 19.670.276 62 %
Summe Erlöse und Erträge 166.487.102 178.921.403 12.434.301 7,5 %
Abbildung 1
2019 Euro
2020 Euro
Veränderung Euro %
davon Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 8.465.682 7.724.101 –741.580 –8,8%
davon bezogene Leistungen 77.527.624 83.464.745 5.937.120 7,7%
Summe Personalaufwand 78.803.769 80.645.992 1.842.223 2,3%
davon Löhne und Gehälter 61.411.332 62.079.006 667.674 1,1%
davon Soz.Abgaben, Altersversorgung 17.392.438 18.566.987 1.174.549 6,8%
Abschreibungen 9.702.297 9.239.406 –462.891 –4,8%
sonstige betriebliche Aufwendungen 19.142.106 21.436.455 2.294.349 12,0%
Summe Aufwendungen 193.641.478 202.510.699 8.869.221 4,6%
Abbildung 2
Trinkwasserdienstleistungen und die Schaffung von Biodi- versität zusammen mit Dritten vorangetrieben werden. Konzeptionelle Arbeiten wurden im Auftrag eines Wasser- versorgers geleistet. Darüber hinaus wird im Auftrag des Niedersächsischen Umweltministeriums ein Konzept zum ökologischen Wassermengenmanagement entwickelt.
Liegenschaftsmanagement Die Niedersächsischen Landesforsten haben im Geschäfts- jahr 2020 Verkaufserlöse aus Liegenschaften und Immobi- lien in Höhe von 1,85 Mio. EUR erzielt. Den Flächenabgän- gen mit einer Gesamtfläche von 62 ha stehen im Berichtszeitraum 12 arrondierende Ankäufe, 7 Zugänge in Tauschverfahren und einem weiteren aus einem Flurberei- nigungsverfahren gegenüber. Die Flächenzugänge gliedern sich in 64 ha Wald (Ø 1,05 €/m²) und 13 ha landwirtschaft- licher Nutzfläche für das Geschäftsfeld Naturdienstleis- tungen (Ø 3,01 €/m²) im Wert von 1,06 Mio. EUR ein- schließlich aller Nebenkosten.
LAGE
Ertragslage Die Umsatzerlöse der NLF (ohne Landesaufträge) erreichten im Geschäftsjahr 2020 eine Gesamthöhe von rund 132,4 Mio. EUR und sanken damit gegenüber 2019 um 8,9 Mio. EUR, vor allem bedingt durch geminderte Holzpreise und -erlöse.
AUFWANDSSTRUKTUR
Gesamtaufwand Der Gesamtaufwand vor Zinsen und Steuern liegt bei 202,5 Mio. EUR und ist damit gegenüber den Aufwendungen des Vorjahres um 4,6 % gestiegen.
Materialaufwand Die Aufarbeitung der noch einmal erhöhten Schadholz- mengen sowie die Wiederaufforstung erfolgten über- wiegend durch Unternehmer, weshalb die bezogenen Un- ternehmerleistungen mit 83,5 Mio. EUR noch einmal anstiegen (Vorkrisenzeit 2017: 41,0 Mio. EUR). Den größten Anteil daran haben kalamitätsbedingt weiterhin die Holzerntekosten mit 60,3 Mio. EUR (2017: 23,3 Mio. EUR).
Personalaufwand Der Aufwand für Personal ist im Geschäftsjahr 2020 um 1,8 Mio. EUR oder 2,3 % auf 80,6 Mio. EUR angestiegen. Bei fast gleichbleibender Beschäftigtenzahl entspricht der Anstieg im Wesentlichen der Lohnentwicklung. Der Perso- nalaufwand nimmt mit 39,8 % einen im Vergleich zu den Vor-Krisen-Jahren gesunkenen Anteil am Gesamtaufwand ein (2019: 40,7 %; 2018: 40,0 %; 2017: 50,3 %). Es kommt zum Ausdruck, dass die Bewältigung der Krise hauptsäch- lich über erweiterte flexible Unternehmerkapazitäten um- gesetzt wurde.
Die Erlösstruktur zeigt, in welch hohem Maße die NLF in ihrem Kerngeschäft von den nachhaltig produzierten Holzmen- gen und den an den Märkten erzielbaren Holzpreisen abhängig sind (76 %). Die Erlöse der übrigen Geschäftsbereiche tragen mit rd. 31,4 Mio. EUR zum Umsatz und zum Ergebnis bei (2019: 30,8 Mio. EUR). Die Finanzhilfen des Landes für die übertragenen Aufgaben enthielten neben 24,4 Mio. EUR für die Produktbereiche 2–5 (2019: 24,1 Mio. Euro) zusätzliche Zahlungen für die klimaangepasste Wiederbewaldung (7,5 Mio. EUR) und eine einmalige Corona-Unterstützung in Höhe von 10 Mio. EUR.
Sozialabgaben Der Anteil der Sozialabgaben ist mit 23 % der Personalauf- wendungen (2019: 22,1 %) geringfügig gestiegen. Die Pen- sionslasten, die für die abnehmende Anzahl von Beamten an das Land Niedersachsen abgeführt werden, sanken von 5,8 Mio. EUR auf 5,4 Mio. EUR. Der Anteil der Arbeitgeber- anteile zu den Sozialversicherungen der Tarifbeschäftigten stieg durch die Pensionierung von Beamten bei gleichzei- tiger Neueinstellung von Tarifbeschäftigten von 11,6 Mio. EUR auf 12,3 Mio. EUR.
Abschreibungen Die Abschreibungen auf das Anlagevermögen der NLF be- trugen im Berichtsjahr 9,2 Mio. EUR. Im Ergebnis liegen sie um 590 Tsd. EUR niedriger als im Vorjahr. Maßgebliche Gründe hierfür sind die abgeschlossenen Investitionen für die Modernisierung der EDV sowie ausgelaufene Abschrei- bungen bei Grundstückseinrichtungen und für Betriebs- fahrzeuge.
FINANZLAGE
Eigenkapital Das Eigenkapital (inkl. Rücklagen und Jahresergebnis) betrug zum Jahresende 967,7 Mio. EUR (siehe Abb. 6). Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich ein Rückgang um 25,5 Mio. EUR (2,56 %), der sich aus der Auflösung des Gewinnvortrags (3,07 Mio. EUR), der Auflösung der Risiko- rücklage (30 Mio. EUR) sowie dem niedrigeren Jahres- ergebnis (3,7 Mio. EUR) erklärt. Die Eigenkapitalquote be- läuft sich auf 94,5 % (Vorjahr: 94,8 %).
Rücklagen Die seit der Gründung der NLF aufgebaute Risikorücklage in Höhe von 30 Mio. EUR wurde im Geschäftsjahr 2020 zur Sicherung der Liquidität aufgelöst. Die allgemeine Rückla- ge für die Produktbereiche 2–5 wurde nach Beschluss des Verwaltungsrats um den letztjährigen Überschuss in die- sem Bereich in Höhe von 2,1 Mio. EUR aufgestockt. Aus den zweckgebundenen Rücklagen im PB 2–5 wurden insgesamt 78 Tsd. EUR in Anspruch genommen. Die Gesamtsumme der Rücklage für die Produktbereiche 2–5 beträgt nunmehr 8 Mio. EUR. Aus dem Überschuss der Immobilien An- und Verkäufe in 2019 konnte die Rücklage für den Immobilien- fonds um 3,6 Mio. EUR erhöht werden. Für die Teerwege-
sanierung wurden 930 Tsd. EUR aus Rücklagen entnommen und dem Sonderposten zugeführt. Aus den Projektrückla- gen im PB 1 mit einem Volumen von 1 Mio. EUR wurden 750 Tsd. EUR in Anspruch genommen für den Bau von Be- triebsstätten der NLF. Die Summe aller Rücklagen hat sich im Berichtsjahr von 44,8 Mio. EUR auf 18,8 Mio. EUR ver- mindert.
Investitionen Das Investitionsvolumen (ohne Anlagen im Bau) der Nieder- sächsischen Landesforsten lag im Geschäftsjahr 2020 bei rund 9,6 Mio. EUR und damit etwas unter dem Vorjahres- niveau. (2019: 11,5 Mio. EUR). Einen Investitionsschwer- punkt bildete die Neubeschaffung von Fahrzeugen (Pkw/ Busse) und Arbeitsmaschinen (3,7 Mio. EUR). Insgesamt wurden 71 Fahrzeuge Pkw/Busse beschafft (Vorjahr 31 Fahrzeuge). Die im Jahr 2019 zur Erhaltung der Liquidität der NLF aufgeschobenen Ersatzbeschaffungen von ab- geschriebenen Holzerntemaschinen wurden im Jahr 2020 umgesetzt. Insgesamt wurden vier Arbeitsmaschinen be- schafft (2 Harvester und 2 Forwarder).
Liquidität Liquide Mittel zur Deckung aller kurzfristigen Verbindlich- keiten, wie Rückstellungen, Verbindlichkeiten und passive Rechnungsabgrenzungsposten waren vorhanden. Die
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Zahlungsfähigkeit der NLF im Geschäftsjahr war jederzeit gegeben. Die Liquidität der Niedersächsischen Landesforsten sank jedoch im Laufe des Geschäftsjahres erheblich. Der negative Cashflow von 17,9 Mio. EUR konnte aufgrund des Defizits aus dem Forstbetrieb in 2020 nicht ausgeglichen werden. Der hohe Liquiditätsabfluss resultiert aus der laufen- den Geschäftstätigkeit und liegt insbesondere an der Absatzproblematik des Sturm- und Käferholzes im Nadelholz bei gleichzeitig hohen Holzerntekosten aufgrund der Kalamitätsbedingungen. Das Guthaben bei Kreditinstituten lag Ende des Geschäftsjahres bei 12,8 Mio. EUR.
Vermögenslage Die Bilanzsumme der NLF ist im abgelaufenen Geschäftsjahr um rd. 23,7 Mio. EUR gesunken. Die Bilanz weist einen Jahresfehlbetrag in Höhe von 23,7 Mio. EUR aus (2019: 27,3 Mio. EUR).
Änderungen der wesentlichen Bilanzposten im Jahresvergleich (Tsd. EUR) 2020 Änderung 2019
Aktiva
Umlaufvermögen Vorräte 10.251 –4.741 14.991
Forderungen 17.579 –345 17.924
Rechnungsabgrenzungsposten 1.611 –58 1.669
Bilanzsumme 1.024.000 –23.695 1.047.695
satzungsmäßige Rücklage 0 –30.000 30.000
zweckgeb. Rücklage Teerwegenetz 3.710 –930 4.640
zweckgeb. Rücklage PB 2–5 8.020 2.027 5.993
zweckgeb. Rücklage Immobilienfonds 5.737 3.589 2.148
zweckgeb. Rücklage Altlasten 1.000 0 1.000
Projektrücklagen PB 1 296 –750 1.046
Gewinnvortrag/Verlustvortrag –3.068 –3.068 0
Jahresübers./-fehlbetrag –23.698 3.675 –27.373
Rückstellungen 9.633 –257 9.890
Verbindlichkeiten 9.507 –2.186 11.693
Rechnungsabgrenzungsposten 26.128 3.201 22.927
Bilanzsumme 1.024.000 –23.695 1.047.695
Abbildung 3
Vermögensentwicklung Das Vermögen der Landesforsten hat sich gegenüber dem Vorjahr negativ entwickelt. Hauptursache ist der gesunkene Bestand der Guthaben bei Kreditinstituten, diese sind um rd. 17,9 Mio. EUR (2019: 14,1 Mio. EUR) auf 12,8 Mio. EUR gesun- ken. Die Forderungen liegen mit 17,6 Mio. EUR auf dem Durchschnittsniveau der Vorjahre. Das Anlagevermögen sank um 681 Tsd. EUR auf 981,8 Mio. EUR.
Der hohe Käferausgangsbestand insbesondere im Harz lässt auch für das Geschäftsjahr 2021 (wie schon in den Jahren 2018 bis 2020) eine Fortsetzung der Kalamitäten erwarten (mit weiteren Vorratsverlusten bei der Fichte). Zu dem ausge- wiesenen Jahresverlust der NLF müssen deshalb Einbußen an stillen Reserven und die Begründung stiller Lasten in höhe- rem Umfang hinzugerechnet werden, als es die Bilanz ausdrückt. Die Vorratsverluste sind nicht reversibel und müssen jahrzehntelang wiederaufgebaut werden.
Rückstellungen Die Summe aller gebildeten Rückstellungen ist im abgelaufenen Geschäftsjahr um 256 Tsd. EUR auf 9,6 Mio. EUR gesun- ken. Die Niedersächsischen Landesforsten bilden keine Pensionsrückstellungen für ihre Beamten. Stattdessen werden jährlich 30 % der gezahlten Beamtenbezüge zusätzlich an das Land Niedersachsen abgeführt. Im Gegenzug tritt das Land für die Versorgung der Pensionäre ein.
Entwicklung der Rückstellungen der Landesforsten im GJ 2020
Stand 01.01.2020
31.12.2020
Steuerrückstellungen
Sonstige Rückstellungen
b) Abschluss- und Prüfungskosten 225.263,00 225.263,00 0,00 240.535,00 240.535,00
c) ungewisse Verbindlichkeiten 167.000,00 91.146,73 75.853,27 105.000,00 105.000,00
d) Besondere Aufwendungen 3.181.941,00 0,00 34.800,00 163.502,00 3.310.643,00
9.889.586,13 6.192.856,52 110.712,61 6.046.688,00 9.632.705,00
Abbildung 4
NLF Services GmbH Das Geschäftsergebnis 2020 beträgt vor Steuern 1,6 Mio. EUR und liegt 23 % über dem Ergebnis des Vorjah- res. Die Umsatzrentabilität vor Steuern bleibt bei erfreu- lichen 33 %. Auch der Gewinn nach Steuern erhöht sich um 23 % auf 1,1 Mio. EUR. Er wird nach Beschluss des Auf- sichtsrats vollständig an die NLF abgeführt.
BETEILIGUNGEN
Stiftung Zukunft Wald (Landesforsten-Stiftung) Am 1. April 2009 haben die Landesforsten eine Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet. Zweck der Stiftung ist die Förderung des waldbezogenen Natur- und Artenschutzes im niedersächsischen Landeswald und der waldbezogenen Umweltbildung in Niedersachsen sowie die Beschaffung von Mitteln hierfür, um eine nachhaltige Entwicklung und einen nachhaltigen Umgang mit Natur und Wald sowie die Bedeutung des Waldes für die Gesellschaft zu bewirken oder zu vermitteln. Leuchtturm unter den geförderten oder selbst durchgeführten Projekten si

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