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Selbstverletzendes Verhalten und Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Universitätsmedizin.
Date post:05-Apr-2015
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  • Selbstverletzendes Verhalten und Suizidalitt bei Kindern und Jugendlichen Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Universittsmedizin Gttingen
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  • Suizidalitt: Definition Suizidale Gedanken und Affekte (suicidal ideation): Verbale und nicht verbale Anzeichen, die direkt oder indirekt die Beschftigung mit Selbstttungsideen anzeigen, ohne Verknpfung mit konkreten Handlungen. Suizidversuch (suicide attempt): Gezielte und bewusste Handlungen mit der festen Absicht oder der Inkaufnahme, dass Leben zu beenden In den gebruchlichen Diagnoseklassifikationen ICD-10 und DSM-IV ist Suizidalitt ist ein Symptom, keine Diagnose. Das Symptom Suizidalitt allein lsst keine Einschtzung der psychiatrischen Erkrankung zu.
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  • Suizidalitt: Leitsymptome Nachweis von Symptomen des prsuizidalen Syndroms (nach Ringel): -Einengung von Verhalten, Gefhlen und zwischenmenschlichen Kontakten -Wendung von Aggressionen und innerer Anspannung gegen die eigene Person -Todeswnsche, Suizidphantasien und konkrete Suizidplne Verbale Ankndigungen als Appell, Drohung oder Hilfeersuchen Kritisch ist anzumerken, dass bei Kindern und Jugendlichen diese Symptome hufig schwer nachzuweisen sind, weil Schwierigkeiten beim verbalen Ausdruck, der Art der Hilfesuche und den Bewltigungsmglichkeiten bestehen. Bei Kinder- und Jugendlichen finden sich daher hufig scheinbar unvorhersehbare suizidale Handlungen mit stark impulsiven Verhalten, akuten Angst- oder Panikattacken
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  • Suizidalitt: Diagnostik Zur Einschtzung von Suizidalitt ist immer die Erhebung der ausfhrlichen Eigen- und Fremdanamnese notwendig Beschreibung objektiver und subjektiver Belastungsfaktoren (Verlusterlebnisse, Beziehungskrisen, Vernachlssigung, soziale Belastungen u. .) Einschtzung der Gefhrdung und des Wiederholungsrisikos (Schweregrad der Belastungen und der bestehenden psychischen Erkrankung, manifeste Suizidversuche, geringe Problemlsungskompetenz, Impulsivitt) Suizidalitt ist die wichtigste und hufigste Indikation fr die psychiatrische Behandlung und Krisenintervention, die Einschtzung von Suizidalitt ist grundlegend fr die Auswahl des Behandlungssettings
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  • Suizidalitt: Zahlen Suizide gehren zu den hufigsten unnatrlichen Todesursachen im Kindes- und Jugendalter. Mit ca. 20 000 Suizidtoten in Gesamtdeutschland liegt die aktuelle Zahl von 2004 bei immer noch 10 733 Suiziden, davon 242 vor dem 20. Lebensjahr. Unter dem Alter von 12 Jahren sind Suizidversuche und vor allem Suizide sehr selten. Hintergrundbedingungen von Unfllen bei Kindern, die sich ungewollt verletzen oder flschlich etwas Gefhrliches schlucken, sind oft hnlich wie bei suizidalen Handlungen. Suizidversuche sind unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen (im Gegensatz zum hheren Lebensalter) weit hufiger als Suizide und betreffen hufiger Mdchen und Frauen.
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  • Suizidalitt: Risikofaktoren Die typische Koppelung von Suizidalitt mit umschriebenen psychiatrischen Erkrankungen wie im Erwachsenenalter ist vor allem bei Kindern, aber auch Jugendlichen weniger ausgeprgt. Trotzdem zhlen aber vor allem bei den Suiziden psychische Strungen auch im Kindes- und Jugendalter zu den prdisponierenden Faktoren (bei Jugendlichen bis zu 90%). Suizidversuche im Jugendalter knnen das erste Zeichen einer beginnenden und dann in unterschiedlichem Ausma anhaltenden psychischen Strung sein. Neben der Krisenintervention ist deshalb vor allem unter prventiven Gesichtspunkten den beginnenden und vorhandenen psychischen Strungen Beachtung zu schenken, da diese hufig zu den Faktoren gehren, die die lngerfristige Prognose der Suizidalitt bestimmen.
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  • Suizidalitt: Risikofaktoren Chronische familire Kommunikationsstrungen sind unspezifische, aber wichtige Belastungsfaktoren fr erhhte Suizidalitt. Eine besondere Risikogruppe sind die Kinder von depressiven Eltern. Unter jenen finden sich gehuft depressive und suizidale Symptome. Von zunehmender, noch nicht abschtzbarer Bedeutung fr die "Szene" wird das Internet unter dem Stichwort Cybersuicide. Dabei kann Suizidalitt ausagiert und reduziert, aber auch angestachelt und aufrechterhalten werden. Wie bei vielen anderen Strungen ist oft nicht allein das Ausma einer psychosozialen Belastung ausschlaggebend, das zur Suizidalitt fhrt, sondern das Zusammentreffen mit mangelnden individuellen Verarbeitungs- und Problemlsungsfhigkeiten und mit der ungengenden Nutzung familirer Ressourcen.
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  • Suizidalitt: Risikofaktoren Entwicklungsbedingte Risikofaktoren, die bei Kindern- und Jugendlichen besonders zu bercksichtigen sind:.Unfhigkeit, Wesensmerkmale von Leben und Tod eindeutig zu erkennen (vor allem bei kleinen Kindern) Unsicherheit, gefhrliche und ungefhrliche Methoden zuverlssig zu diskriminieren Unsicherheit, Handlungen zu planen und durchzufhren Geringere Kompetenz zu Ich-Reflexion und damit im negativen Fall zu Selbstentwertung Geringerer Schweregrad und krzere Dauer psychischer Strungen
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  • Suizidalitt: Komorbiditt An begleitenden Diagnosen sind zu erwarten: Akute psychosoziale Belastungsreaktionen Posttraumatische Belastungsstrungen Strungen des Sozialverhaltens/ Strung der Impulskontrolle, dissoziales Verhalten in ca. 50% der Flle Nikotin-, Cannabis- und Alkoholkonsum sowie andere Formen des Substanzmissbrauchs, ca. 40-65% der Flle Angststrungen und andere emotionale Strungen Persnlichkeitsstrungen (Borderline-Syndrom, narzisstische Persnlichkeitsstrung) Affektive Strungen, Depressionen in ca. 2/3 der Flle Schizoaffektive und schizophrene StrungenPsychosen
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  • Suizidalitt: Persnlichkeit An Persnlichkeitsmerkmalen sind zu erwarten: Abnorme Irritierbarkeit, Impulsivitt, berempfindlichkeit, geringe Frustrationsintoleranz Exzessive ngstlichkeit gegenber kommenden Ereignissen Chronische depressive Hintergrundstimmung
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  • Selbstverletzendes Verhalten: Definition Unter dem Begriff selbstverletzendes Verhalten werden verschiedene Handlungsweisen zusammengefasst, deren gemeinsames Ziel die Beschdigung des eigenen Krpers ist. Es gibt eine Vielzahl synonymer Bezeichnungen: Selbstdestruktives Verhalten, Selbstbestrafendes Verhalten, Autoaggressives Verhalten, Automutilatio, Masochistisches Verhalten, Selbstverstmmelung Selbstverletzendes und suizidales Verhalten haben gemeinsam, dass sich ein schdigender Impuls gegen den eigenen Krper richtet
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  • Selbstverletzendes Verhalten: Definition Selbstverletzendes Verhalten zielt in der Regel allerdings nicht auf die Beendigung des Lebens, sondern dass die wiederholte Beschdigung des eigenen Krpers das zentrale Phnomen darstellt. Die Wiederholungstendenz gehrt ebenso dazu wie die Verletzung als solche. Bei selbstverletzendem Verhalten handelt sich ebenso nicht um eine Diagnose handelt, sondern um Verhaltensweisen, die in der Regel mit einem komplexen Strungsbild im Rahmen verschiedenster Erkrankungen vergesellschaftet sind
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  • Selbstverletzendes Verhalten: Komorbiditt Bei folgenden kinder- und jugendpsychiatrischen Erkrankungen sind selbstverletzende Verhaltenweisen gehuft anzutreffen: Autistische Strungen Geistige Behinderungen Affektive und schizophrene Psychosen Zwangsstrungen Ticstrungen/Tourette-Syndrom Deprivationssyndrome Strungen des Sozialverhaltens Persnlichkeitsstrungen Essstrungen
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  • Selbstverletzendes Verhalten: Formen Schwere Formen von selbstverletzendem Verhalten / Stereotypien: Abbeien von Fingerkuppen, Zufgung von tiefen Wunden und Verletzungen durch Kopfschlagen, Ins-Gesicht-schlagen, In-die- Augen-bohren, Beien in Hnde, Lippen oder andere Krperpartien Diese schwere Form findet sich gehuft bei autistischen Syndromen, geistiger Behinderung. Hiervon abzugrenzen sind andere Formen der Selbstverletzung: Sich-Schneiden, Ritzen, Brennen, Inhalieren etc. mit eher sporadischem Auftreten bei psychischer Anspannung Dabei handelt es sich um die hufigste Form bei Jugendlichen, vor allem bei Strungen des Sozialverhaltens, instabilen Persnlichkeitsstrungen vom Borderline-Typ, neurotischen Strungen und Essstrungen.
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  • Selbstverletzendes Verhalten: Diagnostik Ausschluss von organischen Erkrankungen, die das selbstverletzende Verhalten bzw. dessen Intensitt beeinflussen. Differentialdiagnostisch abzugrenzen sind stereotype Bewegungen von Zwangsstrungen, extrapyramidalen Bewegungsstrungen und motorischen Automatismen im Rahmen einer psychomotorischen Epilepsie. Ticstrungen, Trichotillomanie und Bewegungsstrungen krperlichen Ursprungs mssen von den stereotypen Bewegungsstrungen abgegrenzt werden. Nach Ausschluss dieser Erkrankungen ist zu eruieren, ob die selbstverletzenden Verhaltensweisen berwiegend dann auftreten, wenn die Kinder besonders beachtet werden wollen, oder ob sie besonders hufig in der Gegenwart bestimmter Personen auftreten (Verhaltensanalyse).
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  • Selbstverletzendes Verhalten: Diagnostik Im Weiteren ist darauf zu achten, ob durch das Auftreten der selbstverletzenden Verhaltensweisen Anforderungen oder andere Ttigkeiten, die den Kindern unangenehm sind, vermieden werden knnen. Darber hinaus wurde in den letzten Jahren der soziale bzw. kommunikative Charakter von selbstverletzenden Verhaltensweisen strker beachtet. Dies bedeutet, dass die Symptomatik auch die Funktion einer Mitteilung haben kann, wie z.B. dass ein Anliegen des Kindes nicht bercksichtigt wurde, wobei dem Kind keine andere Form der Mitteilung an seine Umwelt zur Verfgung steht. Weiterhin bleibt zu prfen, ob die selbstverletzenden Verhaltensweisen die Funktion
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