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Maßnahmenprogramm nach § 117 des niedersächsischen ... · Darüber hinaus ist eine negative...

Date post: 22-Apr-2018
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Author: buingoc
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Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz Maßnahmenprogramm nach § 117 des niedersächsischen Wassergesetzes bzw. Artikel 11 EGWRRL für den niedersächsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 2021 Niedersachsen
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  • Niederschsischer Landesbetrieb fr Wasserwirtschaft, Ksten- und Naturschutz

    Manahmenprogramm nach 117 des niederschsischen Wassergesetzes bzw. Artikel 11 EGWRRL fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 2021

    Niedersachsen

  • Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    Manahmenprogramm nach 117 des niederschsischen Wassergesetzes bzw. Artikel 11 EGWRRL fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 2021

  • Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    Herausgeber: Niederschsischer Landesbetrieb fr Wasserwirtschaft, Ksten- und Naturschutz (NLWKN) - Direktion Am Sportplatz 23 26506 Norden Der vorliegende Bericht wurde erstellt durch: NLWKN Betriebsstelle Meppen Abbildungsnachweise: Titelbild: Vechte bei Emlichheim

    Bildrechte : NLWKN

    Dezember 2015

  • I

    Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    Inhalt

    1. Ziel und Anlass ........................................................................................................... 1

    2. Grundlagen................................................................................................................. 4

    3. Strategien und Manahmen zur Erreichung der Bewirtschaftungsziele ................... 8 3.1 berregionale Bewirtschaftungsziele ........................................................................... 9

    3.1.1 Verbesserung der Gewsserstruktur und Durchgngigkeit ................................. 9 3.1.2 Reduzierung der Nhr- und Schadstoffeintrge .............................................. 14

    3.2 Schutzgebiete ......................................................................................................... 20 3.2.1 Gebiete fr die Entnahme von Wasser fr den menschlichen Gebrauch ............ 20 3.2.2 Gebiete zum Schutz wirtschaftlich bedeutender aquatischer Arten ................... 21 3.2.3 Gebiete die als Erholungs- und Badegewsser ausgewiesen wurden ................ 21 3.2.4 Nhrstoffsensible und empfindliche Gebiete ................................................... 22 3.2.5 Gebiete zum Schutz von Lebensrumen und Arten ......................................... 22

    3.3 Meeresumweltschutz ............................................................................................... 23 3.4 Bercksichtigung der Folgen des Klimawandels ......................................................... 24

    4. Manahmenplanung ................................................................................................ 28 4.1 Systematik der Manahmenplanung nach der WRRL .................................................. 28 4.2 Grundlegende Manahmen ...................................................................................... 28 4.3 Ergnzende Manahmen ......................................................................................... 29 4.4 Auswertung der festgelegten Manahmen ................................................................ 30

    4.4.1 Oberflchengewsser .................................................................................. 31 4.4.2 Grundwasser .............................................................................................. 35 4.4.3 Konzeptionelle Manahmen .......................................................................... 39 4.4.4 EU-Schlsselmanahmen (Key Type of Measure) ........................................... 40

    4.5 Zusatzmanahmen ................................................................................................. 41

    5. Manahmenumsetzung ............................................................................................ 42 5.1 Zustndigkeiten ...................................................................................................... 42 5.2 Finanzierungsinstrumente ........................................................................................ 42 5.3 berwachung und Kontrolle ..................................................................................... 44 5.4 Unsicherheiten ....................................................................................................... 44 5.5 Stand der Umsetzung des Manahmenprogramms 2009 ............................................ 45

    Quellenverzeichnis .......................................................................................................... 48

    Anhangverzeichnis .......................................................................................................... 53

    Anhang A LAWA-BLANO Manahmenkatalog

    Anhang B Grundlegende Manahmen nach Artikel 11 WRRL

    Anhang C Geplante Manahmentypen an Oberflchengewssern und Grundwasserkrpern

    Anhang D Einschtzung mglicher Auswirkungen des Klimawandels

  • II

    Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    Abbildungen und Tabellen

    Abbildungsverzeichnis

    Abb. 1: Oberflchengewsser und Grundwasserkrper im Bearbeitungsgebiet Vechte ................... 7

    Abb. 2: Vorranggewsser fr die Herstellung der Durchgngigkeit ............................................ 11

    Abb. 3: Manahmen zur Verbesserung der Durchgngigkeit der Vechte und Dinkel .................... 12

    Abb. 4: Geplante Errichtung einer Sohlgleite am Dinkelwehr War .............................................. 12

    Abb. 5: Stickstoffkonzentration an der Messstelle Vechte/Laar (Zeitraum 2000 bis 2011) ............ 15

    Abb. 6: Phosphatkonzentration an der Messstelle Vechte/Laar (Zeitraum 2000 bis 2011) ............ 15

    Abb. 7: Manahmen zur Reduzierung der punktuellen Stoffeintrge (OW) ................................. 33

    Abb. 8: Manahmen zur Reduzierung der diffusen Stoffeintrge (OW) ...................................... 33

    Abb. 9: Manahmen zur Verbesserung der linearen Durchgngigkeit (OW) ................................ 34

    Abb. 10: Manahmen zur Verbesserung der Gewsserstruktur (OW) ......................................... 34

    Abb. 11: Manahmen zur Reduzierung der Nhrstoffeintrge (GW) ........................................... 37

    Abb. 12: Manahmen zur Reduzierung der Eintrge von PSM (GW) .......................................... 37

    Abb. 13: Verminderung der Eintrge aus anderen diffusen Quellen (GW) .................................. 38

    Abb. 14: Manahmen zur Reduzierung von Wasserentnahmen (GW) ........................................ 38

    Abb. 15: Sitz der fr die Umsetzung der WRRL zustndigen Behrde ........................................ 43

    Abb. 16: Stand der Umsetzung des Manahmenprogramms ..................................................... 47

    Tabellenverzeichnis

    Tab. 1: Elemente des DPSIR-Ansatzes ...................................................................................... 4

    Tab. 2: Wichtige Wasserbewirtschaftungsfragen im deutschen Teil der FGE Rhein ....................... 8

    Tab. 3: berschreitungen der Umweltqualittsnormen in Oberflchengewssern ........................ 18

    Tab. 4: Manahmen zur Reduzierung der Belastungen an Oberflchenwasserkrpern ................. 31

    Tab. 5: Manahmen zur Reduzierung der Belastungen an Grundwasserkrpern ......................... 36

    Tab. 6: Geplante konzeptionelle Manahmen fr Oberflchengewsser und Grundwasser ........... 39

    Tab. 7: Auswertung der festgelegten Manahmen nach EU-Schlsselmanahmen (KTM) ............ 41

    Tab. 8: Zustndige Behrde fr die Umsetzung der WRRL ........................................................ 42

    Tab. 9: EU-Frdermglichkeiten fr Manahmen zur Umsetzung der WRRL ............................... 42

    Tab. 10: Stand der Umsetzung des WRRL Manahmenprogramms 2009 ................................. 46

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    Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    1. Ziel und Anlass

    Mit dem Inkrafttreten der Europischen Wasserrahmenrichtlinie (Richtlinie 2000/60/EG des Euro-pischen Parlamentes und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung eines Ordnungsrah-mens fr Manahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik; kurz WRRL) am 22.12.2000 wurde eine neue, integrierte Herangehensweise in der Wasserpolitik etabliert. Prinzi-pielles Ziel ist die Erreichung festgelegter Bewirtschaftungsziele fr alle Gewsser bis 2015, wobei in erster Linie kologische, aber auch konomische Aspekte bei wasserwirtschaftlichen Entschei-dungsprozessen bercksichtigt werden.

    Fr jede Flussgebietseinheit (FGE) ist gem 82 WHG (Artikel 11 Abs. 1 WRRL) ein Manah-menprogramm aufzustellen. In diesem Programm werden Manahmen festgelegt, die zum Errei-chen der Bewirtschaftungsziele nach den 27 bis 31, 44 und 47 WHG (Artikel 4 WRRL) erforder-lich sind. Dabei geht es zum einen um die Sicherung bzw. Entwicklung eines guten kologischen und chemischen Zustands der Oberflchengewsser (Fliegewsser, stehende Gewsser sowie bergangs- und Kstengewsser) und zum anderen um den Erhalt und die Entwicklung eines guten mengenmigen und chemischen Zustands fr das Grundwasser. Es ist zudem darauf zu achten, dass der Zustand der Oberflchengewsser und des Grundwassers nicht verschlechtert wird.

    Der gute Zustand der Oberflchengewsser richtet sich in erster Linie nach der Vielfalt der vor-handenen Pflanzen- und Tierarten. Vorausgesetzt werden dabei eine naturnahe Gewsserstruktur und die Einhaltung von chemischen Umweltqualittsnormen (UQN). Die Ziele bei knstlichen und erheblich vernderten Oberflchengewssern, deren besonderen Nutzungsfunktionen bei der Betrachtung im Sinne der WRRL bercksichtigt werden mssen, sind ein gutes kologisches Po-tenzial und ein guter chemischer Zustand. Um einen guten mengenmigen Zustand der Grund-wasserkrper sicherzustellen drfen Wasserentnahmen das nutzbare Grundwasserdargebot lang-fristig nicht berschreiten. Der gute chemische Zustand setzt eine Grundwasserbeschaffenheit voraus, die eine nachhaltige Nutzung fr den menschlichen Gebrauch ermglicht. Es besteht zu-dem die Verpflichtung, signifikant ansteigende Trends bei den Konzentrationen von Schadstoffen umzukehren. Darber hinaus ist eine negative Beeinflussung von grundwasserabhngigen Landkosystemen und Oberflchengewssern zu verhindern. Die zur Erreichung dieser Bewirt-schaftungsziele in die Manahmenprogramme aufzunehmenden Manahmen sind in 82, Abs. 2 bis 6 WHG und im Anhang VI der WRRL (Artikel 11 Abs. 2 bis 5 WRRL) aufgefhrt.

    Die Bewirtschaftungsziele der WRRL sollen durch den Schutz, die Sicherung und die Sanierung der Gewsser bei einer ganzheitlichen Betrachtung in Flussgebietseinheiten, unter Beteiligung der ffentlichkeit und der gleichgerichteten Betrachtung von kologischen, konomischen und sozia-len Aspekten, erreicht werden. Gleichzeitig geht es bei der Umsetzung der WRRL um die Entwick-lung europaweit einheitlicher Standards im Rahmen der Bewirtschaftung der Gewsser. Das nie-derschsische Bearbeitungsgebiet Vechte ist ein Teil der internationalen Flussgebietseinheit Rhein, d. h. Teil eines der grten Stromgebiete Europas. Der Rhein und seine Nebenflsse bil-den ein weit verzweigtes Gewssernetz, welches von den Alpen bis zur Nordsee reicht. Die inter-nationale Koordinierung der bergeordneten strategischen Aufgaben in Zusammenhang mit der Umsetzung der WRRL erfolgt durch das Koordinierungskomitee Rhein. Darin wirken Vertreter der Regierungen der Anliegerstaaten, der Europischen Gemeinschaft und fr die Bundesrepublik auch Vertreter der Bundeslnder mit. Die internationale Koordinierung der Umsetzung der WRRL erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der bereits 1950 gegrndeten Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR), an der auch Liechtenstein und die Schweiz beteiligt sind.

    Fr den zweiten WRRL - Bewirtschaftungszeitraum von 2015 2021 wurde auf Ebene der inter-nationalen Flussgebietseinheit Rhein eine Aktualisierung des Bewirtschaftungsplans vorge-nommen. Die Erarbeitung des Bewirtschaftungsplans wurde von der IKSR koordiniert. Der 2. in-ternational koordinierte Bewirtschaftungsplan fr die internationale FGE Rhein steht auf der IKSR-Homepage bereit (IKSR 2015). Ein internationales Manahmenprogramm ist auf Ebene der inter-nationalen Flussgebietseinheit Rhein nicht vorgesehen, da die Manahmenplanung den jeweiligen Mitgliedstaaten obliegt.

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    Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    Als Konsequenz aus den Erfahrungen bei der Aufstellung der Bewirtschaftungsplne und Ma-nahmenprogramme fr den ersten Bewirtschaftungszyklus und den Ergebnissen der Evaluation der Plne durch die EU-Kommission wurde durch die Bund-Lnder Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) das Arbeitsprogramm Flussgebietsbewirtschaftung initiiert1. Ziel des Arbeitsprogramms ist eine weitgehende Abstimmung und Harmonisierung in als auch zwischen den deutschen Flussge-bieten im Hinblick auf den zweiten WRRL Bewirtschaftungszyklus (2015 2021).

    Zur Verbesserung der Zusammenarbeit haben die in der FGE Rhein liegenden Bundeslnder be-schlossen, die Umsetzung der WRRL fr den deutschen Teil der Flussgebietseinheit Rhein ge-meinschaftlich durchzufhren. Zu diesem Zweck haben sie im Jahr 2012 die Flussgebietsgemein-schaft Rhein (FGG Rhein) gegrndet. Die FGG Rhein lst die seit dem Jahr 1963 bestehende Deutsche Kommission zur Reinhaltung des Rheins (DK-Rhein) und die Arbeitsgemeinschaft der Lnder zur Reinhaltung des Rheins (ARGE Rhein) ab und sieht sich verpflichtet, die ber Jahr-zehnte hinweg erfolgreich geleistete Arbeit dieser Vorgngerorganisationen im Sinne eines inte-grierten Wasserressourcenmanagements weiterzufhren.

    In der FGG Rhein erfolgt die nationale Koordinierung und Abstimmung der mit der Umsetzung der WRRL verbundenen Aufgaben. Dazu zhlt auch die Koordination und Abstimmung der Beitrge der Bundeslnder zu den Manahmenprogrammen und Bewirtschaftungsplnen der Flussge-bietseinheit Rhein. Zur Harmonisierung der Manahmenprogramme der Bundeslnder wurden die wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen und berregionale Umweltziele in den Gremien der FGG Rhein einvernehmlich abgestimmt. Einzelheiten zu den Koordinierungsbemhungen auf nationaler Ebene sind dem Chapeau-Kapitel der Flussgebietsgemeinschaft Rhein zur Koordinierung und Abstimmung der Vorgehensweisen zur Erstellung der Bewirtschaftungsplne und Manahmen-programme nach WRRL zu entnehmen (FGG Rhein 2015).

    Die im deutschen Teil des Rheineinzugsgebiets liegenden Bundeslnder haben sich darauf ver-stndigt jeweils eigene Manahmenprogramme fr die in ihrem Zustndigkeitsbereich liegenden Gebietsanteile der Flussgebietseinheit Rhein aufzustellen. Das vorliegende Dokument ist das Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein. Das Ma-nahmenprogramm knpft an die Manahmenplanungen fr den ersten Bewirtschaftungszeitraum von 2009 2015 an und beschreibt fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit, wel-che Manahmen zur Verbesserung des Gewsserzustandes im Zeitraum 2016 bis 2021 umge-setzt werden sollen.

    Fr die Manahmenprogramme ist gem 14b Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. Anlage 3 Nr. 1.4 des Geset-zes ber die Umweltvertrglichkeitsprfung (UVPG) eine Strategische Umweltprfung (SUP) durchzufhren. Aufgabe der SUP ist es, in Ergnzung zur projektbezogenen Umweltvertrglich-keitsprfung die Umweltauswirkungen des Manahmenprogramms insgesamt zu ermitteln, zu beschreiben und zu bewerten und in die Entscheidungsfindung einzubringen. Entwrfe des nun vorliegenden Manahmenprogramms und des im Rahmen der SUP erstellten Umweltberichts wurden nach den Vorgaben des 85 WHG (Artikel 14 WRRL) bereits zum 22.12.2014 aufgestellt und zur Anhrung der ffentlichkeit verffentlicht. Parallel dazu wurden in Niedersachsen die nachfolgend genannten fr die Flussgebietseinheit Rhein relevanten Anhrungsdokumente in das Beteiligungsverfahren einbezogen:

    Entwurf des niederschsischen Beitrags zu den Bewirtschaftungsplnen 2015 bis 2021 der Flussgebiete Elbe, Weser, Ems und Rhein nach 118 NWG bzw. nach Artikel 13 WRRL

    Entwurf des niederschsischen Beitrags zu den Manahmenprogrammen 2015 bis 2021 der Flussgebiete Elbe, Weser, Ems und Rhein nach 117 NWG bzw. nach Artikel 11 WRRL

    Entwurf des Chapeau-Kapitels der Flussgebietsgemeinschaft Rhein Koordinierung und Ab-stimmung der Vorgehensweisen zur Erstellung der Bewirtschaftungsplne und Manahmen-programme nach Wasserrahmenrichtlinie

    Der Entwurf des 2. international koordinierten Bewirtschaftungsplans fr die internationale Flussgebietseinheit Rhein (Teil A = bergeordneter Teil).

    1 Die Arbeitsmaterialien der LAWA fr die Umsetzung der WRRL in Deutschland sind unter folgendem Link abrufbar:

    www.wasserblick.net/servlet/is/142651

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    Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    Die Anhrungsunterlagen konnten im Internet ber die Internetportale des NLWKN (www.nlwkn.niedersachsen.de), der Flussgebietsgemeinschaft Rhein (www.fgg-rhein.de) und der IKSR (www.iksr.org) aufgerufen werden.

    Die Berichtsentwrfe wurden zudem in der ersten Jahreshlfte 2015 bis zum 22. Juni bei der Di-rektion des NLWKN und der NLWKN Betriebsstelle Meppen ffentlich ausgelegt. Auf die Verf-fentlichung der Berichte und den Beginn des Anhrungsverfahrens wurde ber Pressemitteilungen und ber eine Bekanntmachung im niederschsischen Ministerialblatt (Nds. MBl. Nr. 45/2014 S. 891) hingewiesen. Der ffentlichkeit wurde damit die Mglichkeit eingerumt ber einen Zeitraum von sechs Monaten Stellungnahmen zu den Berichtsentwrfen abzugeben.

    Die beim NLWKN zu dem Entwurf des niederschsischen Beitrags zu den Manahmen-programmen 2015 bis 2021 der Flussgebiete Elbe, Weser, Ems und Rhein und zum Entwurf des Manahmenprogramms fr den niederschsischen Teil der FGE Rhein eingegangen Stellung-nahmen wurden umfassend geprft und bei der berarbeitung der Anhrungsdokumente berck-sichtigt. Soweit notwendig wurden daraufhin textliche Ausfhrungen angepasst und die festgeleg-ten Einzelmanahmen berarbeitet. Im Ergebnis wurden die in den Entwrfen der Manahmen-programme dargestellten Programmmanahmen im Wesentlichen beibehalten, in einigen Fllen um weitere Manahmen ergnzt oder auch bereinigt. Weitere Einzelheiten dazu knnen der ab-schlieenden Fassung des niederschsischen Beitrags zu den Manahmenprogrammen der FGE Elbe, Weser, Ems und Rhein entnommen werden (MU 2015a). Auf der Basis dieser nderungen wurden die im Kapitel 4.4 dieses Manahmenprogramms enthaltenen Tabellen und Karten zur Art und zum Umfang der geplanten Manahmen nochmals berarbeitet.

    Nach 14l Abs. 2 Nr. 2 UVPG ist bei der Verffentlichung der Manahmenprogramme eine zu-sammenfassende Umwelterklrung auszulegen. In der zusammenfassenden Umwelterklrung ist darzulegen, wie Umwelterwgungen in die Manahmenprogramme einbezogen wurden, der Um-weltbericht und die Ergebnisse der Anhrungsverfahren bercksichtigt wurden und aus welchen Grnden die angenommenen Manahmenprogramme nach Abwgung mit den geprften Alterna-tiven gewhlt wurden. Weiterhin ist gem 14l Abs. 2 Nr. 3 UVPG eine Aufstellung der berwa-chungsmanahmen nach 14m UVPG bei Verffentlichung des Manahmenprogramms auszu-legen. Die zusammenfassende Umwelterklrung und die Aufstellung der berwachungsmanah-men, die im Rahmen der SUP fr das Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der FGE Rhein aufgestellt wurden (NLWKN 2015a), werden zusammen mit dem Umweltbericht (NLWLN 2015b) und dem vorliegenden Manahmenprogramm verffentlicht.

    Das vorliegende Manahmenprogramm stellt eine Aktualisierung des Manahmenprogramms fr den ersten Bewirtschaftungszeitraum von 2009 2015 dar. Es beschreibt die Manahmenplanun-gen des Landes Niedersachsen fr den niederschsischen Teil der FGE Rhein. Das Manahmen-programm tritt am 22. Dezember 2015 fr die Dauer von sechs Jahren in Kraft. Es entfaltet keine direkte Wirkung gegenber Dritten, ist aber nach Magabe des Landeswassergesetzes zumindest behrdenverbindlich und damit bei allen Planungen, die die Belange der Wasserwirtschaft betref-fen, zu bercksichtigen. Rumlich bezieht sich das Manahmenprogramm auf den in Niedersach-sen gelegenen Teil der internationalen FGE Rhein. Der Bewirtschaftungsplan und die Manah-menprogramme fr die FGE Rhein werden im Jahr 2021 fr den dritten Bewirtschaftungszeitraum bis 2027 erneut aktualisiert. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen fr die Wasserkrper, bei denen die Ziele der WRRL nicht bis 2015 bzw. 2021 erreicht werden konnten, dies auch spter ggf. bis 2027 nachzuholen.

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    Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    2. Grundlagen Die im niederschsischen Beitrag zu den Bewirtschaftungsplnen 2015 bis 2021 der Flussgebiete Elbe, Weser, Ems und Rhein dargestellten berwachungsergebnisse und Zustandsbewertungen zeigen, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch kein Oberflchengewsser und nur wenige Grundwas-serkrper im niederschsischen Teil der FGE Rhein die Bewirtschaftungsziele erreicht haben (MU 2015b). Die Belastungsanalyse, die nach der Oberflchengewsserverordnung (OGewV 2011) und der Grundwasserverordnung (GrwV 2010) im Jahr 2013 als Bestandteil der Bestandsaufnah-me durchgefhrt wurde, hat eine ganze Reihe von Ursachen dafr ermittelt.

    Im Ergebnis zeigt sich, dass die Zielsetzung der WRRL eine groe Herausforderung darstellt und mit der Umsetzung der Manahmenprogramme 2009 ein Prozess gestartet wurde, der kontinuier-lich bis 2027 und ggf. darber hinaus laufen wird. Der vorliegende Manahmenprogramm 2015 bis 2021 ist die Fortschreibung des bereits 2009 fr den niederschsischen Teil der Flussgebietsein-heit Rhein aufgestellten Manahmenprogramms. Das Manahmenprogramm ist im Wortsinne als Programm zu verstehen. Es hat nicht die Detailschrfe einer konkreten Ausfhrungsplanung und ersetzt nicht die fr den Einzelfall erforderlichen Verwaltungsverfahren und -entscheidungen. Das Manahmenprogramm stellt insoweit eine fachliche Rahmenplanung dar, die alle sechs Jahre berprft wird. Bei der Umsetzung ist nicht nur die Wasserwirtschaftsverwaltung gefragt, sondern auch andere Politikbereiche und Akteure sind an dem Prozess zu beteiligen.

    Grundstzlich ist fr eine zielgerichtete Manahmenplanung zur Verbesserung des Gewsserzu-stands sicherzustellen, dass bei der Auswahl der Manahmen die Ursachen fr Defizite im Ge-wsser bekannt sind und die Manahmen bestmglich auf Behebung dieser Defizite ausgerichtet werden. Der gesamten WRRL-Bewirtschaftungsplanung liegt als Leitlinie der sogenannte DPSIR-Ansatz zugrunde. Die Abkrzung DPSIR steht fr: Drivers Pressures State Impact Responses, also fr die Betrachtung umweltrelevanter Aktivitten, daraus resultierenden Belas-tungen, dem korrespondierenden Zustand des Gewssers bzw. den Auswirkungen der Belastung im Gewsser und der passenden Reaktion (= Manahme). Das CIS-Guidance Dokument Nr. 3 Analysis of Pressures and Impacts (Europische Kommission 2003) enthlt zur DPSIR-Methode in der Belastungs- und Auswirkungsanalyse folgende erluternde Tabelle.

    Tab. 1: Elemente des DPSIR-Ansatzes

    Begriff Definition

    D Driving force / Umwelt-relevante Aktivitt eine menschliche Aktivitt, die mglicherweise eine Auswir-kung auf die Umwelt hat (z. B. Landwirtschaft, Industrie)

    P Pressure / Belastung der direkte Effekt einer menschlichen umweltrelevanten Akti-vitt (z. B. ein Effekt, der zu einer Abflussvernderung oder einer Vernderung der Wasserqualitt fhrt)

    S State / Zustand die Beschaffenheit eines Wasserkrpers als Ergebnis sowohl natrlicher als auch menschlicher Faktoren (z. B. physikali-sche, chemische und biologische Eigenschaften)

    I Impact/Auswirkung die Auswirkung einer Belastung auf die Umwelt (z. B. Fisch-sterben, Vernderung des kosystems)

    R Response/Reaktion

    die Manahmen, die zur Verbesserung des Zustands eines Wasserkrpers ergriffen werden (z. B. Einschrnkung der Entnahmen, Begrenzung der Einleitung aus Punktquellen, Umsetzung einer guten fachlichen Praxis in der Landwirt-schaft)

    Dieser systemanalytische Ansatz zur Behandlung von Umweltproblemen beginnt mit sozialen, wirtschaftlichen und sonstigen Ursachen (Antriebskrften), die im Zusammenhang mit der Nutzung der Ressourcen stehen und Druck auf die Umwelt ausben. Die daraus entstehenden Belastun-gen verndern die Beschaffenheit der Umwelt. Das hat Auswirkungen zur Folge, z. B. fr die

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    Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    menschliche Gesundheit oder die kosysteme. Die mglichen Reaktionen darauf sind Manah-men zur Entlastung oder Anpassung, die prinzipiell bei allen Gliedern der Kausalkette ansetzen knnen.

    Fr die Oberflchengewsser und das Grundwasser beschreibt der niederschsische Beitrag fr den Bewirtschaftungsplan der FGE Rhein die allgemeinen Randbedingungen (Kapitel 1) sowie Nutzungen und Belastungen (Kapitel 2), stellt den aktuellen Zustand dar (Kapitel 4) und prognosti-ziert, wie wahrscheinlich es ist, dass die Ziele der WRRL bis 2021 erreicht werden (Kapitel 3). Die in den Kapiteln 1 bis 4 dargestellten Ergebnisse und Bewertungen bilden die Grundlage fr die Manahmenplanung. Fr Wasserkrper, die laut Risikoanalyse die Bewirtschaftungsziele der WRRL bis 2021 voraussichtlich nicht erreichen, sind geeignete Manahmen vorzusehen bzw. die Inanspruchnahme von Ausnahmen nach 29 und 30 WHG (Artikel 4 und 5 WRRL) zu prfen. Unter Bercksichtigung der Elemente des DPSIR-Ansatzes werden im Rahmen der WRRL-Manahmenplanung bezogen auf die Wasserkrper genau die Manahmentypen ausgewhlt, die geeignet sind, im Hinblick auf die vorhandenen Belastungen und den festgestellten Gewsserzu-stand eine Verbesserung zu erzielen.

    Bereits bei der Festlegung der Ziele sowie anschlieend bei der Manahmenplanung werden Zie-le aus anderen europischen Richtlinien wie Natura 2000 (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie 92/43/EWG und Vogelschutzrichtlinie 79/409/EWG), der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL 2008/56/EG) und der Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie (HWRM-RL 2007/60/EG) mit be-rcksichtigt. Darber hinaus sind aktuelle Erkenntnisse zum Einfluss des Klimawandels in die Be-wirtschaftungsplanung eingeflossen. Ziel der Manahmenplanung ist es, die jeweilige Belastung so zu vermindern, dass die Bewirtschaftungsziele bis 2021, sptestens bis 2027 erreicht werden knnen. In Niedersachsen wurden bereits bei der Erarbeitung des Manahmenprogramms mg-lichst alle Manahmentrger, Behrden und Interessengruppen eingebunden, die im Rahmen der spteren Umsetzung Verantwortung tragen. Der Beteiligungsprozess erfolgte schwerpunktmig in regionalen Beteiligungsgremien den sog. Gebietskooperationen, aber auch auf weiteren Ebe-nen und wird im Kapitel 9 des niederschsischen Beitrags zum Bewirtschaftungsplan fr die FGE Rhein beschrieben.

    Die nach 82 WHG (Artikel 11 der WRRL) aufzustellenden Manahmenprogramme beinhalten grundlegende und ergnzende Manahmen. Grundlegende Manahmen nach Anhang VI WRRL (Teil A) beinhalten rechtliche Regelungen zur Erfllung gemeinschaftlicher Wasserschutz-vorschriften, die teilweise unabhngig von den Anforderungen der WRRL bereits seit Jahrzehnten im deutschen Recht verankert sind und dazu beitragen, dass in Deutschland ein hohes Niveau bezglich der Gewssergte und des Wasserdargebots erreicht wird. Ergnzende Manahmen nach Anhang VI WRRL (Teil B) sind Manahmen, die ber die bisher geltenden grundlegenden Anforderungen hinausgehen, deren Umsetzung aber erforderlich ist, um die Bewirtschaftungsziele zu erreichen. Eine scharfe Trennung zwischen grundlegenden und ergnzenden Manahmen ist im Einzelfall nicht immer mglich. Die Unterscheidung spielt allerdings fr die praktische Umset-zung der notwendigen Manahmen nur eine nachgeordnete Rolle. Das Manahmenprogramm ist so konzipiert, dass die Summe der geplanten grundlegenden und ergnzenden Manahmen zur Zielerreichung fhren.

    Zur harmonisierten Planung und Darstellung der Manahmenprogramme 2015 hat die (LAWA) gemeinsam mit dem Bund/Lnder Ausschuss Nord- und Ostsee (BLANO) einen deutschlandweit einheitlichen Manahmenkatalog erstellt. Der im Jahr 2015 fortgeschriebene LAWA-BLANO Ma-nahmenkatalog bildet in Deutschland die gemeinsame Grundlage fr die Erstellung der Manah-menprogramme und das anschlieende elektronische Reporting an die EU-Kommission. Bei der Fortschreibung des Manahmenkatalogs wurden die bereits abschlieend mit der EU-Kommission abgestimmten Vorgaben fr das Reporting zu den Bewirtschaftungsplnen 2015 bercksichtigt. Fr das vorliegende Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der FGE Rhein ist die im Anhang A dargestellte Fassung des Manahmenkataloges magebend (LAWA 2015a). Der von der LAWA und dem BLANO erarbeitete standardisierte Manahmenkatalog, listet in tabellarischer Form 102 Manahmen fr die WRRL auf. Der Manahmenkatalog beinhaltet fr die WRRL-Einzelmanahmen jeweils eine Zuordnung zu den signifikanten Belastungen (nach WRRL Anhang II), spezifische Bezeichnungen aus denen das Handlungsziel ersichtlich wird, Erluterungstexte mit einer konkreten Manahmenbeschreibung und weitere Zuordnungen. Alle

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    Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    im vorliegenden Manahmenprogramm festgelegten Manahmentypen werden diesem standardisierten LAWA-BLANO Manahmenkatalog entnommen.

    Im Manahmenkatalog wurde grundstzlich unterschieden nach technischen und konzeptionel-len Manahmen. Die technischen Manahmen umfassen Manahmentypen, deren Umsetzung einen unmittelbar positiven Einfluss auf den Zustand der Oberflchengewsser und das Grund-wasser bewirkt bzw. zum Erhalt des erreichten Gewsserzustands beitrgt. Hierunter fallen alle baulichen Manahmen, aber auch Manahmen wie etwa die Anpassung der Gewsserunterhal-tung oder die Anlage von Gewsserrandstreifen. Demgegenber beschreiben konzeptionelle Manahmen keine unmittelbar wirksamen Aktivitten zur Verbesserung des Gewsserzustands, sondern dazu notwendige vorbereitende Ttigkeiten. So muss bei unbekannter Ursache zunchst die konzeptionelle Manahme "Ursachenanalyse" vorgeschaltet werden. Dabei gilt der Grundsatz, dass im Falle der jetzt geplanten konzeptionellen Manahmen, bereits potenziell notwendige Um-setzungsmanahmen vorgesehen und bei Bedarf noch innerhalb des laufenden Bewirtschaf-tungszyklus umgesetzt werden. Zu den konzeptionellen Manahmen zhlen auch Beratungsma-nahmen, die ein an den Gewsserschutz strker angepasstes Handeln zum Ziel haben, oder auch Forschungsvorhaben sowie Informations- und Fortbildungsveranstaltungen.

    Im Vergleich zum LAWA-Manahmenkatalog, der zur Aufstellung der Manahmenprogramme im ersten Bewirtschaftungszeitraum herangezogen worden ist, beinhaltet die aktuelle Version des LAWA-BLANO Manahmenkatalogs drei neue WRRL-Manahmentypen (Manahmen-Nr.: 100, 101 und 102) sowie zwei zustzliche strategisch-konzeptionelle Manahmentypen (Manahmen-Nr.: 509 und 510). Weiterhin wurden Manahmen zur HWRM-RL (Manahmen-Nr.: 301 329) und zur MSRL (Manahmen-Nr.: 401 431) mit in den Manahmenkatalog aufgenommen. Um neue Schnittstellen zu vermeiden und den inhrenten Zusammenhang abzubilden, wurden die strategisch-konzeptionellen Manahmen in einer Manahmengruppe (501 510) zusammengefhrt. In zwei zustzlichen Spalten wird beschrieben, ob die Umsetzung der WRRL-Manahmen die Zielsetzungen der HWRM-RL bzw. MSRL untersttzt (Bezeichnung M1), einen mglichen Zielkonflikt bei der jeweils anderen Richtlinie hervorrufen kann (Bezeichnung M2) oder nicht relevant ist fr die jeweils andere Richtlinie (Bezeichnung M3).

    Der Manahmenkatalog wurde zudem um die von der EU-Kommission fr die elektronische Berichterstattung zum Bewirtschaftungsplan 2015 festgelegten Datenanforderungen erweitert. Diese beinhalten u. a. eine differenzierte Zuordnung der Belastungen zu den Manahmentypen und eine darauf basierende Festlegung von sogenannten Schlsselmanahmen (EU Key Types of Measures; KTM). Einzelheiten dazu sind im Kapitel 10 des WFD Reporting Guidance 2016 beschrieben (EU-Kommission, 2015). Das Konzept der Schlsselmanahmen wurde erstmalig fr den Zwischenbericht 2012 entwickelt, um die Berichterstattung zu vereinfachen. Dazu wurden fr die WRRL-Manahmenprogramme zunchst 16 (derzeit 25) Schlsselmanahmen zur Minderung der signifikanten Belastungen festgelegt, denen die in den Datenmeldungen der Mitgliedsstaaten enthaltenen Einzelmanahmen zuzuordnen sind. Damit wird eine europaweit vergleichbare Darstellung der Manahmenprogramme ermglicht. Neben den verbindlich eingefhrten 25 Schlsselmanahmen knnen in Ausnahmefllen weitere Schlsselmanahmen durch die Mitgliedstaaten definiert werden. Fr Deutschland wird eine ergnzende Schlsselmanahme (KTM Nr. 40) gemeldet, um auch die Manahmen abbilden zu knnen, die keiner der von der EU vorgegebenen KTM zuzuordnen sind (Manahmen-Nr.: 96, 99 und 505). Die Tabelle 2 im Anhang A gibt eine bersicht ber die Schlsselmanahmen. Wie fr die sonstigen Programm-manahmen gilt auch hier, dass aus dem Gesamtkatalog der Schlsselmanahmen nur diejenigen in das Manahmenprogramm aufgenommen werden, die fr den niederschsischen Teil der FGE Rhein relevant sind.

    Nach den Reportinganforderungen der EU-Kommission soll der Manahmenkatalog zudem um grundlegende Manahmen ergnzt werden. Der vorliegende LAWA-BLANO Manahmenkatalog beinhaltet die bereits 2008 getroffene Zuordnung zu den ergnzenden Manahmen nach Anhang VI (Teil B) WRRL. Neu ist die Zuordnung der einzelnen Manahmen zu grundlegenden Manahmen nach Anhang VI (Teil A) WRRL. Aufgrund der derzeitigen Vorgaben fr die elektronische Berichterstattung wird die Unterscheidung zwischen grundlegenden und ergnzenden Manahmen zunchst auf die Kommunalabwasserrichtlinie (91/271/EWG), die Nitratrichtlinie (91/676/EWG) und die Richtlinie ber Industrieemissionen (2010/75/EU) beschrnkt. Eine Manahme des Manahmenkatalogs ist immer dann grundlegend, wenn sie

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    zur Erfllung europischer Vorschriften (Artikel 11 Abs. 3 a WRRL) im Rahmen der gesetzlichen Verpflichtungen umgesetzt wird. Eine Manahme im Geltungsbereich dieser rechtlichen Vorgaben ist dann eine ergnzende Manahme, wenn sie als Einzelmanahme zur konkreten Bewltigung einer Belastung an benannten Oberflchenwasser- oder Grundwasserkrpern durchgefhrt wird.

    Das Manahmenprogramm beschrnkt sich grundstzlich auf die Gewsser, die in die Berichter-stattung gegenber der EU-Kommission eingehen, d. h. auf alle Fliegewsser mit einem Ein-zugsgebiet von mehr als 10 km, auf Seen mit einer Flche grer 0,5 km, auf die bergangs- und Kstengewsser und auf die Grundwasserkrper. Unabhngig davon werden erforderliche Manahmen an kleineren Gewssern nach Magabe des WHG und des Landeswassergesetzes durchgefhrt. Die erforderlichen Manahmen werden auf Ebene der typbezogenen und hydrolo-gisch abgegrenzten Wasserkrper geplant und festgelegt. In Abbildung 1 sind die im Bearbei-tungsgebiet Vechte liegenden Oberflchengewsser und die abgegrenzten Grundwasserkrper dargestellt.

    Abb. 1: Oberflchengewsser und Grundwasserkrper im Bearbeitungsgebiet Vechte

    Die Nutzung des LAWA-Manahmenkatalogs gewhrleistet eine lnderbergreifend einheitliche Darstellung und Auswertung der von den zustndigen Behrden festgelegten Manahmen. Bei der konkreten Auswahl dieser Manahmen wird gewhrleistet, dass die resultierenden Manahmenkombinationen fr einen Wasserkrper die kosteneffizienteste ist, d. h. eine mglichst hohe Wirksamkeit bei mglichst geringen Kosten erreicht wird.

    Das vorliegende Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der FGE Rhein beinhaltet eine Auflistung der rechtlichen Regelungen des Bundes und des Landes Niedersachsen mit denen die im Artikel 11 Abs. 3 a) WRRL genannten EG-Richtlinien umgesetzt werden (siehe Anhang B).

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    Die darber hinaus vorgesehenen ergnzenden Manahmen, die zustzlich zu den grundlegen-den Manahmen umgesetzt werden sollen um den Zustand der Gewsser zu verbessern, werden im Kapitel 4 beschrieben und im Anhang C tabellarisch fr die einzelnen Wasserkrper zusam-mengestellt. Dabei wurden wie auch im ersten Bewirtschaftungszyklus alle Programmmanahmen aufgenommen, die nach derzeitigem Erkenntnisstand fr die Erreichung der Bewirtschaftungsziele notwendig sind.

    3. Strategien und Manahmen zur Erreichung der Bewirtschaftungsziele

    Die Umweltziele nach Artikel 4 WRRL wurden als Bewirtschaftungsziele in das WHG und die Lan-deswassergesetze bernommen ( 27 bis 31, 44 und 47 WHG). Demnach sind die Gewsser grundstzlich so zu schtzen und zu entwickeln, dass sich ein guter Zustand einstellt und keine Verschlechterung eintritt.

    Ein wichtiger Schritt zu einer zielgerichteten flussgebietsweiten Bewirtschaftungsplanung ist die Ermittlung der fr das Einzugsgebiet wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen. Eine Grundlage hierfr bildet die im Jahr 2009 durchgefhrte Bewertung des Gewsserzustands und die im Jahr 2013 durchgefhrte Aktualisierung der Bestandsaufnahme. Danach besteht innerhalb der Fluss-gebietseinheit Rhein noch erheblicher Handlungsbedarf. Dazu tragen die hohe Bevlkerungsdich-te und die intensiven Nutzungen in weiten Teilen des Flussgebietes bei. Die aktuellen Ergebnisse der Zustandsbewertungen, die fr die Fortschreibung der Bewirtschaftungsplne vorgenommen wurden, besttigen diese Einschtzung (IKSR 2015, MU 2015b).

    Um den Zustand der Gewsser zu verbessern, wurden im ersten Bewirtschaftungsplan Manah-men festgelegt, die erforderlich sind, um die Ziele der WRRL zu erreichen. Seither wird an der konsequenten Umsetzung der Manahmenprogramme gearbeitet. Es hat sich jedoch gezeigt, dass der gute Gewsserzustand nicht fr alle Gewsser bis 2015 erreicht werden konnte und mindestens ein weiterer Bewirtschaftungszyklus (2015 - 2021) fr die Erreichung der ambitionier-ten Ziele der WRRL notwendig sein wird. Unter den wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen werden die im Einzugsgebiet ermittelten vorrangigen Handlungsfelder von berregionaler Bedeu-tung verstanden. Da trotz zahlreicher durchgefhrter Verbesserungsmanahmen in keinem der identifizierten Handlungsfelder flchendeckende Verbesserungen erzielt werden konnten, sind die wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen auch im nchsten Zyklus unverndert gltig.

    Fr den zweiten Bewirtschaftungszeitraum von 2015 2021 haben die Bundeslnder im Rahmen der nationalen Koordinierung fr den deutschen Teil des Rheineinzugsgebietes bereinstimmend die in der nachfolgenden Tabelle 2 dargestellten Handlungsbereiche als wichtige Wasser-bewirtschaftungsfragen identifiziert.

    Tab. 2: Wichtige Wasserbewirtschaftungsfragen im deutschen Teil der FGE Rhein

    Wichtige Wasserbewirtschaftungsfragen im deutschen Teil der Flussgebietseinheit Rhein

    1. Gewsserstruktur, Durchgngigkeit und Wasserhaushalt der Oberflchengewsser

    2. Nhrstoff- und Schadstoffeintrge aus Punktquellen und diffusen Quellen in Oberflchenge-wsser und das Grundwasser

    3. Andere anthropogene Auswirkungen auf Oberflchengewsser und das Grundwasser

    Die bergeordneten wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen fokussieren auf die langfristigen Aufgaben der Bewirtschaftungsplanung innerhalb der Flussgebietseinheit Rhein. Im Rahmen der Bewirtschaftungsplanung sollen die bergeordneten Ziele unter Bercksichtigung der gegebenen Rahmenbedingungen in den jeweiligen Bearbeitungsgebieten auf die nchst untere Ebene ber-fhrt und spezifiziert werden.

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    3.1 berregionale Bewirtschaftungsziele Die auf der nationalen Ebene der Flussgebietseinheit Rhein festgestellten wichtigen Wasserbe-wirtschaftungsfragen haben weitgehend auch im niederschsischen Bearbeitungsgebiet Vechte eine Relevanz. Bezglich der Gewichtung der Bewirtschaftungsfragen ergibt sich eine hohe Priori-ttensetzung bei den beiden erstgenannten Themenpunkten und den regional bedeutenden Was-sernutzungen, zu denen insbesondere die Landentwsserung und der Hochwasserschutz zhlen. Andere im deutschen Teil des Rheingebietes auf die Gewsser einwirkende anthropogene Belas-tungen (z. B. Auswirkungen der Schifffahrt, die Wasserkraftnutzung zur Energiegewinnung, berg-baubedingte Beeintrchtigungen, etc.), spielen im Bearbeitungsgebiet Vechte hingegen nur eine sehr untergeordnete bzw. keine Rolle. Auch die auf Gesamtrheinebene relevanten Belastungen aus industriellen und kommunalen Punktquellen haben im lndlich geprgten Bearbeitungsgebiet Vechte keine vorrangige Bedeutung. Diese Einschtzung ergibt sich auch dadurch, dass die Rei-nigungsleistungen der Klranlagen in den vergangenen Jahren erheblich verbessert wurden, und bereits heute alle mageblichen Richtlinien eingehalten werden.

    Im Bearbeitungsgebiet Vechte stellen Defizite der Gewsserstruktur, einschlielich der mangeln-den biologischen Durchgngigkeit und diffuse stoffliche Belastungen der Fliegewsser und des Grundwassers die zentralen Belastungsschwerpunkte dar. Insbesondere tragen die mit dem Aus-bau der Gewsser verbundenen nachteiligen Auswirkungen auf die Gewsserstruktur dazu bei, dass die Gewsser hinsichtlich der biologischen Qualittskomponenten (Wasserpflanzen, Fische, Kleinlebewesen) nicht den guten kologischen Zustand erreichen. Die Ermittlung der wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen fr das Bearbeitungsgebiet Vechte erfolgte im Wesentlichen auf der Basis der signifikanten Gewsserbelastungen, die im Rahmen der Aktualisierung der Be-standsaufnahme im Jahr 2013 und ber die fortlaufenden Monitoringerhebungen festgestellt wur-den.

    Die Gewsserbelastungen und deren Auswirkungen auf den Zustand der Fliegewsser und das Grundwasser wurden zudem in einem intensiven Dialog mit den lokalen Wassernutzern, Interes-senvertretungen und kommunalen Dienststellen in der Gebietskooperation Vechte errtert. Die in diesem Beteiligungsgremium gemeinsam identifizierten Belastungsschwerpunkte zeigen Hand-lungsbereiche fr die konkrete Manahmenplanung auf. Die Ableitung und konkrete Planung ziel-fhrender Manahmen erfolgt u.a. in Unterarbeitsgruppen der Gebietskooperation Vechte, die bereits im Jahr 2008 eingerichtet wurden. In diesen Gremien werden auf regionaler Ebene beste-hende Anforderungen, vorliegende Planungen, Ortskenntnisse und konstruktive Ideen zur konkre-ten Manahmenplanung zusammengetragen und diskutiert. Alle aus Sicht der Gewsserentwick-lung, aber auch aus Sicht der Kommunen und Interessengruppen relevanten Aspekte sollen in den Planungsprozess aufgenommen werden. Ziel ist es vor Ort ein gemeinsames Verstndnis ber die zuknftigen Wasserbewirtschaftungsfragen zu erreichen.

    Die auf der regionalen Ebene durchgefhrten Manahmenplanungen fr den niederschsischen Teil der FGE Rhein greifen die bergeordneten Bewirtschaftungsziele auf und priorisieren die vor-rangigen Handlungsschwerpunkte. Die konkreten Zielsetzungen und die grundstzliche Ausrich-tung der Manahmenplanung wurden in grenzberschreitenden Abstimmungen mit den zustndi-gen Wasserbehrden in Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden abgestimmt.

    3.1.1 Verbesserung der Gewsserstruktur und Durchgngigkeit Die Fliegewsser im Bearbeitungsgebiet Vechte sind flchendeckend durch eine Vielzahl von morphologischen Vernderungen geprgt. In den vergangenen Jahrzehnten erfolgte der Ausbau der Gewsser vorrangig unter dem Gesichtspunkt, die Nutzungsansprche des Menschen zu si-chern und zu verbessern. Ein Groteil der Kultivierungsmanahmen, die zu einer grundlegenden Vernderung der Wasserverhltnisse gefhrt haben geht auf die Emslanderschlieung (Be-schluss des Deutschen Bundestages zur Erschlieung der dlnderein des Emslandes vom 05.05.1950) zurck. Neben dem Schutz vor Hochwasser dienten die Ausbaumanahmen insbe-sondere der Landentwsserung. Damit wurden die Voraussetzungen fr eine landwirtschaftliche Flchennutzung deutlich verbessert. Zudem wurden viele Gewsser neu angelegt. Der Anteil der vom Menschen geschaffenen, knstlichen Gewsser liegt bei ca. 35 %. Das Ausma der erhebli-

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    chen Vernderungen der Gewsserstruktur, also die Beschaffenheit des Flussbetts, der Ufer und der angrenzenden Aue, zeigt sich daran, dass nach der Bestandsaufnahme ca. 50 % der gesam-ten Gewsserstrecken als sehr stark vernderte bzw. vollstndig vernderte Gewsserabschnitte eingestuft wurden. Krzere naturnahe Gewsserabschnitte finden sich nur noch vereinzelt im Be-reich der Oberlufe einzelner Gewsser. Dazu zhlen z. B. der Hopfenbach, der Nordbecks Gra-ben, die Rietbecke und die Rammelbecke.

    Im Zuge des Gewsserausbaus wurden die Fliegewsser hufig in ihrem Lauf verkrzt, begra-digt und als Regelprofile ausgebildet. Daneben tragen die Abtrennung von Altarmen, die Verringe-rung von natrlichen berschwemmungsflchen durch Eindeichungen und die durch Steinscht-tungen festgelegten Uferbereiche dazu bei, dass die natrlichen hydrologischen und morphologi-schen Prozesse am und im Gewsser dauerhaft unterbunden werden. Dazu kommt eine oftmals ungengende Anbindung der Gewsser an die Aue, ausgelst durch die intensive Nutzung der angrenzenden Flchen und die oftmals direkt an die Ufer heran reichende Bewirtschaftung. Als weitere strukturelle Defizite sind fehlende Gehlzsume, mangelhafte Ausbildung von Struktur bildenden Kleinhabitaten wie z. B. Totholz, die Tiefenerosion und fehlende Gewsserrandstreifen zu nennen. Zudem werden viele Gewsser zur Aufrechterhaltung der Entwsserung hufig inten-siv unterhalten.

    Das mit den Begradigungen und Laufverkrzungen der Fliegewsser verbundene grere Gefl-le fhrt hufig zu einer Vertiefung der Gewssersohlen und niedrigeren Wasserstnden. Um die-sen Auswirkungen entgegenzuwirken, sind Querbauwerke zur Regulierung des Abflusses ange-legt worden. Dadurch geht die natrliche Varianz von Strmungsgeschwindigkeit, Gewsserbreite und Wassertiefe an vielen Gewssern weitgehend verloren oder wird stark eingeschrnkt. Durch Stauhaltungen wird der natrliche Sedimenthaushalt der Fliegewsser nachhaltig gestrt und der Geschiebetransport unterbrochen. Die Querbauwerke fhren durch Rckstau zu einer Ver-schlammung des natrlichen Sohlsubstrates, wodurch die Substratvielfalt, vor allem aber wertvolle Kiesbnke verloren gehen knnen. In Verbindung mit hohen Nhrstoffgehalten und den geringen Fliegeschwindigkeiten kommt es in den stauregulierten Gewsserabschnitten hufig zu vermehr-ten Pflanzenwachstum und Algenblten und in deren Folge zu Sauerstoff zehrenden Prozessen (vgl. Kapitel 3.1.2).

    Die Querbauwerke unterbrechen die lineare Durchgngigkeit der Fliegewsser und beeintrchti-gen das Wanderverhalten der Fische und wassergebundenen wirbellosen Kleinlebewesen. So behindern Querbauwerke die sogenannten Langdistanzwanderfische, die zu ihren Laichpltzen lange Wanderungen stromauf- oder stromabwrts ins Meer durchfhren mssen (z. B. Lachs, Flussneunauge und Aal). Aber auch innerhalb der einzelnen Fliegewsserabschnitte gibt es eine Vielzahl von Fischarten, die ber mittlere Distanzen Wanderbewegungen im Flusssystem durch-fhren, um z. B. geeignete Laichgrnde, Nahrungsgrnde oder Winterlager aufzusuchen (z. B. Quappe, Barbe).

    Die Fischfauna ist von diesen durch den Menschen verursachten Eingriffen besonders betroffen, weil sie neben der intakten Durchgngigkeit im Lngsverlauf des Flusses auch eine naturnahe Gewsserstruktur als Grundlage fr eine nachhaltige Entwicklung bentigt. Aber auch wasser-gebundene Kleinlebewesen (Makrozoobenthos), die keine Gewsser aufwrtsgerichteten Kom-pensationsflge durchfhren knnen, werden an ihrer Verbreitung und Vermehrung durch unpas-sierbare Querbauwerke gehindert oder zumindest eingeschrnkt. In den vielfach stark ausgebau-ten und intensiv unterhaltenen Gewssern findet die Fischfauna hufig keine geeigneten Uferzo-nen, die als Laichpltze und Aufwuchshabitate (Kinderstuben) dienen knnen. Daher ist neben der Wiederherstellung der Durchgngigkeit auch die Entwicklung vielfltiger Gewsserstrukturen an der Vechte und der Dinkel als Hauptwanderrouten der Fische und in deren bedeutenden Ne-bengewssern wichtig.

    Um einen effizienten Einsatz der Mittel sicherzustellen, wurden im Bearbeitungsgebiet Vechte bereits im ersten Bewirtschaftungszeitraum Prioritten zur vorrangigen Umsetzung von Manah-men gesetzt. Manahmen zur Verbesserung der Durchgngigkeit sollen sich zunchst auf die Hauptwanderkorridore (berregionale Wanderrouten) und Gewsser mit einer guten strukturellen Ausstattung (Laich- und Aufwuchsgewsser) konzentrieren. Die im Bearbeitungsgebiet Vechte vorkommenden Wanderrouten und wichtigen Laich- und Aufwuchsgewsser sind in Abbildung 2 dargestellt.

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    Abb. 2: Vorranggewsser fr die Herstellung der Durchgngigkeit

    Fr den Erhalt bzw. die Entwicklung der Zielartenbestnde ist die Durchgngigkeit dieser Gews-sersysteme zwingende Voraussetzung. Im Zusammenhang mit der Wiederherstellung der kologi-schen Durchgngigkeit wurden im ersten Bewirtschaftungszeitraum bereits mehrere Manahmen zur Herstellung / Optimierung der Durchgngigkeit durchgefhrt.

    Der NLWKN hat, teilweise in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Grafschaft Bentheim, in den vergangenen Jahren bereits viele Manahmen umgesetzt, um die Durchgngigkeit zu verbessern. Am Hauptgewsser Vechte wurde nach Inkrafttreten der WRRL, dem Fluss vom Unterlauf (Gren-ze zu den Niederlanden) zum Oberlauf (Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen) folgend, bis heute an 14 von insgesamt 16 Querbauwerksstandorten die kologische Durchgngigkeit verbessert.

    Dazu wurden Querbauwerke zurckgebaut bzw. durch Fischaufstiegsanlagen, Umgehungsgerinne oder den Umbau in Sohlgleiten die Durchgngigkeit fr die aquatische Fauna deutlich verbessert. Auch in Nordrhein-Westfalen und in den Niederlanden wird an verschiedenen Projekten gearbei-tet, um die kologische Durchgngigkeit der Vechte zu verbessern. Einen berblick ber die im niederschsischen Teil der FGE Rhein an den berregionalen Wanderrouten bereits umgesetzten Manahmen veranschaulicht die Abbildung 3.

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    Abb. 3: Manahmen zur Verbesserung der Durchgngigkeit der Vechte und Dinkel

    Fr die weitere zielgerichtete Verbesserung der aquatischen Durchgngigkeit laufen derzeit weite-re konkrete Manahmenplanungen an den bislang nicht passierbaren Querbauwerken in den Hauptwanderrouten Vechte und Dinkel. Diese betreffen eine Sohlschwelle in Samern, die bis zum Jahr 2021 in eine naturnahe Sohlgleite umgebaut werden soll. Darber hinaus sind Manahmen im Stadtgebiet von Nordhorn geplant. Hier teilt sich die Vechte in den sog. lmhlenarm (stauge-regelt durch das lmhlenwehr) und den Kornmhlenarm. Eine Umgestaltung des Kornmhlen-wehres zur Herstellung der Durchgngigkeit ist wegen der bestehenden innerstdtischen Bebau-ungen nur schwer zu realisieren und derzeit nicht geplant, so dass lediglich der lmhlenarm als durchgngig bezeichnet werden kann. Derzeit laufen Untersuchungen, um ber den Einbau von Strmungslenkern im Unterlauf der Bauwerke die Lockstrmung fr Fische in den lmhlenarm zu verbessern.

    Auch an der Dinkel wurde bereits mit dem Bau des Umgehungsgerinnes am Wehr in Neuenhaus eine deutliche Verbesserung der Durchgngigkeit erreicht. Fr das somit an der Dinkel verblei-bende letzte Wanderhindernis am Wehr War laufen derzeit konkrete Manahmenplanungen, um im zweiten Bewirtschaftungszeitraum die Durchgngigkeit zu verbessern (siehe Abbildung 4).

    Abb. 4: Geplante Errichtung einer Sohlgleite am Dinkelwehr War (Quelle: Landkreis Grafschaft Bentheim)

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    Auch an anderen kleineren Gewssern sind vom Vechteverband (ULV 114), zum Teil in Koopera-tion mit dem Landkreis Grafschaft Bentheim und den Fischereiverbnden, bereits viele Manah-men zur Verbesserung der Durchgngigkeit durchgefhrt worden. Diese Strategie wird im nun folgenden zweiten Bewirtschaftungszeitraum sukzessive weiterverfolgt.

    Dennoch prgen die mit dem Gewsserausbau der vergangenen Jahrzehnte verbundenen nach-teiligen Vernderungen der Gewsserstruktur das Bild der Fliegewsser im gesamten Bearbei-tungsgebiet und sind auch an den Hauptgewssern Vechte und Dinkel unbersehbar. Die oben beschriebenen, bereits umgesetzten bzw. geplanten Manahmen zur Wiederherstellung der Durchgngigkeit an Vechte und Dinkel stellen jedoch eine wesentliche Voraussetzung fr die Wie-deransiedlung und nachhaltige Entwicklung verschiedener Fischarten und Kleinlebewesen dar. In einem weiteren Schritt sind geeignete Manahmen zur Verbesserung der Gewsserstruktur und zur besseren Vernetzung des gesamten Gewssersystems zu planen und umzusetzen. Dieser Planungsprozess muss auf der lokalen Ebene durch die intensive Beteiligung der Wassernutzer und weiterer interessierter Stellen in der Gebietskooperation untersttzt werden. Dabei gilt es, das Hauptaugenmerk vorrangig auf die kologisch wirksamen Manahmen zu richten, die unter Be-rcksichtigung der bestehenden Nutzungsansprche innerhalb des zweiten Bewirtschaftungszyk-lus mit hoher Wahrscheinlichkeit auch tatschlich umgesetzt werden knnen.

    Auch im zweiten Bewirtschaftungszyklus liegt der Schwerpunkt der geplanten Manahmen und Konzeptionen im Bereich der gewsserstrukturellen Manahmen. Viele Manahmen zur Reduzie-rung der Belastungen durch Abflussregulierungen und morphologische Vernderungen wurden bereits im ersten Manahmenprogramm fr das Bearbeitungsgebiet Vechte aufgenommen. Einige Manahmen konnten bereits abgeschlossen werden. Fehlende Flchenverfgbarkeit, Nutzungs-konflikte, mangelnde Manahmenakzeptanz, zeitaufwndige Verwaltungsverfahren sowie unzu-reichende finanzielle und personelle Ressourcen haben jedoch hufig zu Verzgerungen bei der Umsetzung von Manahmen gefhrt. Diese Herausforderungen gilt es im zweiten Bewirtschaf-tungszyklus anzunehmen und den angelaufenen Prozess der Umsetzung gewssermorphologi-scher Manahmen zielgerichtet fortzufhren. Dazu leisten die im Rahmen des manahmenbeglei-tenden Monitorings gewonnenen Erkenntnisse zur kologischen Wirksamkeit von Gewsserstruk-turmanahmen und die bereits umgesetzten konzeptionellen Manahmen, wie beispielsweise die Erstellung eines Manahmenkonzepts fr die Vechte und Dinkel (NLWKN 2013b) einen wichtigen Beitrag. Ein weiteres wichtiges Handlungsfeld zur Verbesserung des morphologischen Zustands der Oberflchenwasserkrper ist die verstrkte Ausrichtung der Gewsserunterhaltung auf kolo-gische Belange. Einzelheiten zu den im zweiten Bewirtschaftungszyklus geplanten ergnzenden Manahmen zur Verbesserung der Gewsserstruktur und der Durchgngigkeit sind im Kapitel 4.4 beschrieben.

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    3.1.2 Reduzierung der Nhr- und Schadstoffeintrge

    Neben der Verminderung der hydromorphologischen Belastungen stellt die Reduzierung der Nhr- und Schadstoffeintrge in die Oberflchengewsser und das Grundwasser ebenfalls eine ma-gebliche Bewirtschaftungsfrage dar. Diffuse Nhrstoffbelastungen aus der Flche wurden dabei als wichtigster Aspekt identifiziert. Die Dominanz der diffusen Nhrstoffeintrge in die Gewsser erklrt sich dadurch, dass etwa 80 % der Flche des Bearbeitungsgebietes Vechte intensiv land-wirtschaftlich genutzt werden. Aufgrund der geringen Besiedlungsdichte und der vergleichsweise wenigen industriellen Direkteinleitungen haben punktuelle Eintrge eine niedrige quantitative Be-deutung. Seit 1991 hat die Umsetzung der Kommunalabwasser-Richtlinie (RL 91/271/EWG) zu einer deutlichen Verbesserung der kommunalen und industriellen Abwasserreinigung gefhrt. Die Belastungen der Oberflchengewsser mit Nhr- und Schadstoffen aus Punktquellen sind auf-grund der technischen Verbesserungen der Reinigungsleistungen der Klranlagen in den letzten Jahrzehnten deutlich zurckgegangen. Der Groteil der Nhrstoffe gelangt heute diffus von land-wirtschaftlich genutzten Flchen in die Oberflchengewsser, whrend punktuelle Eintrge aus Klranlagen heute nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

    Die Nhrstoffeintrge in die Gewsser wurden bereits im ersten Bewirtschaftungszyklus als wich-tige Bewirtschaftungsfrage identifiziert und eine Strategie zur Verminderung einschlielich der dafr notwendigen Manahmen entwickelt. Die fr die Fliegewsser relevanten Pflanzennhr-stoffe sind Phosphor und Stickstoff. Diffuse Phosphoreintrge erfolgen hauptschlich ber Erosion und Abschwemmung von ackerbaulich genutzten Flchen direkt in die Fliegewsser, wohinge-gen Stickstoff berwiegend ber zustrmendes Grundwasser in die Fliegewsser gelangt. Durch die Nhrstoffeintrge (vorrangig von Phosphor) kommt es in den natrlicherweise nhrstoffarmen Fliegewssern zu mehr oder weniger ausgeprgten Eutrophierungseffekten, verbunden u. a. mit bermigem Pflanzenwuchs, starker Trbung, Verschlammung und Sauerstoffmangel.

    Dies betrifft insbesondere die vielen, ber Staustufen regulierten Gewsserabschnitte und die knstlichen Kanle, die zumeist extrem niedrige Fliegeschwindigkeiten aufweisen. Damit ver-bundene Vernderungen der Zusammensetzung der typischen Gewsserflora und -fauna fhren im Ergebnis hufig zu verarmten und anspruchslosen Lebensgemeinschaften. Typische Fliege-wsserbewohner sind in derartigen Gewssern nur mit wenigen Arten und sehr geringen Individu-enzahlen vertreten. Die durch die erhhten Nhrstoffeintrge hervorgerufenen erheblichen St-rungen der natrlichen Bioznose knnen dazu fhren, dass der von der WRRL angestrebte gute kologische Zustand bzw. das gute kologische Potenzial bei vielen Fliegewssern verfehlt wird. Die hohen Nhrstofffrachten in den Fliegewssern bewirken insbesondere auch eine Eutrophie-rung des Ijsselmeeres und der bergangs- und Kstengewsser der Nordsee.

    Zur Fortschreibung der Bewirtschaftungsplne und Manahmenprogramme in Deutschland wurde daher ein Konzept erarbeitet, welches den Reduzierungsbedarf fr Stickstoff an dem Zielwert der landseitigen Eintrge am bergabepunkt limnisch-maritim festmacht. Fr alle in Deutschland in die Nordsee mndenden Flsse wurde ein Zielwert fr die bergabepunkte von 2,8 mg/l Gesamt-stickstoff festgelegt, um mittel- bis langfristig die Bewirtschaftungsziele fr die Kstengewsser zu erreichen (BLMP 2011). Die angestrebten meereskologischen Zielwerte knnen nur durch Ma-nahmen, die das gesamte Flusseinzugsgebiet einbeziehen (insbesondere die Binnengewsser einschlielich ihrer Einzugsgebiete), erreicht werden. In diesem Zusammenhang hat die LAWA eine Empfehlung zur bertragung meereskologischer Reduzierungsziele auf das Binnenland erarbeitet. Bei der bertragung des o. g. Zielwertes von 2,8 mg/l Gesamtstickstoff auf das Binnen-land wurden die im Gewssersystem ablaufenden Prozesse (Stoffumsetzung, Rckhalt- und Ver-lustprozesse) sowie die gewsserinterne Nhrstoffretention bercksichtigt.

    Fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein ergibt sich danach auch fr die Bin-nengewsser ein Zielwert der Konzentration an Gesamtstickstoff von 2,8 mg/l (LAWA 2014a). Daher sind zielfhrende Manahmen insbesondere im Binnenland umzusetzen. Um die Entwick-lung der Nhrstoffbelastung der Gewsser in den letzten Jahren aufzuzeigen, sind in den Abbil-dungen 5 und 6 die Stickstoff- und Phosphorkonzentrationen (Gesamt-N, Gesamt-P) an der Messstelle Vechte Laar dargestellt. Diese befindet sich im Bereich der Staatsgrenze zu den Nie-derlanden.

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    Abb. 5: Stickstoffkonzentration an der Messstelle Vechte/Laar (Zeitraum 2000 bis 2011)

    Die Ergebnisse zeigen, dass die im Hinblick auf den Schutz der Kstengewsser vorgeschlagene mittlere jhrliche Zielkonzentration von 2,8 mg/l Gesamt-Stickstoff an der Messstelle im dargestell-ten Zeitraum dauerhaft berschritten wird, wobei kein signifikanter sinkender oder steigender Trend feststellbar ist. Whrend in den Kstengewssern das Algenwachstum vor allem durch die Stickstoffeintrge bestimmt wird, sind in den Fliegewssern und Seen des Binnenlandes in erster Linie die verfgbaren Phosphorgehalte ausschlaggebend fr das Algenwachstum.

    Abb. 6: Phosphatkonzentration an der Messstelle Vechte/Laar (Zeitraum 2000 bis 2011)

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    31.1

    2.20

    01

    1.1.

    2003

    1.1.

    2004

    1.1.

    2005

    1.1.

    2006

    1.1.

    2007

    2.1.

    2008

    1.1.

    2009

    2.1.

    2010

    2.1.

    2011

    2.1.

    2012

    [Ges

    amt-P

    mg/

    l]

    Ganglinie Gesamt-P an der Messstelle Vechte / LaarZeitraum: 2000 bis 2011

    Einzelwert

    Jahresmittelwert

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    Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    Fr Gesamtphosphor (TP) erfolgt die Beurteilung der Fliegewssergte anhand eines Orientie-rungswertes des Rahmenkonzepts Monitoring (Rakon) der LAWA (LAWA 2015b). Die Orientie-rungswerte sind nicht einheitlich sondern differenzieren fr die verschiedenen Fliegewsserty-pen. Fr organisch geprgte Fliegewsser und Fliegewsser der Niederungen betrgt der Wert z. B. 0,15 mg TP/l. Der fr den Gewssertyp der Vechte (Sand- und lehmgeprgter Tieflandfluss) empfohlene Orientierungswert betrgt 0,10 mg TP/l. Die in Abbildung 5 dargestellten Jahresmit-telwerte der Gesamt-Phosphat-Konzentration berschreiten diesen Wert im Zeitraum von 2000 bis 2012 dauerhaft. Trotz der bisherigen Reduzierungsbemhungen ist wie beim Parameter Stickstoff auch bei den Jahresmittelwerten der Phosphatkonzentration kein abnehmender Trend erkennbar. Auch andere Fliegewsser im Bearbeitungsgebiet Vechte weisen deutlich berhhte Gehalte an Nhstoffen auf wie die Auswertung der Daten des Gewsserberwachungssystem Niedersachsen (GN) im Rahmen der Defizitanalyse zeigen (NLWKN 2014). Im Zeitraum 2008 bis 2011 erreich-ten in Niedersachsen bezogen auf Gesamtstickstoff 20 %, auf Gesamtphosphor nur etwa 29 % der Messstellen in Flssen und Bchen die Zielwerte (BLMP-Zielwert bzw. Rakon-Orientierungswert). Danach ist in Niedersachsen die Belastungssituation der Fliegewsser ins-gesamt als unbefriedigend einzustufen, wobei die Belastungsschwerpunkte insbesondere in den Einzugsgebieten von Ems und Vechte liegen.

    Die Nhrstoffbelastung der Oberflchengewsser ist teilweise auch auf die schlechte Qualitt des Grundwassers zurckzufhren, welches ber den Zwischenabfluss und den Grundwasserzustrom in die Fliegewsser gelangt. Durch vorhandene landwirtschaftliche Drainagen wird dieser Pro-zess noch beschleunigt und verstrkt. Die WRRL formuliert fr Grundwasser das nachhaltige Ziel, die Grundwasservorkommen in guter Qualitt und Menge zu erhalten und Verunreinigungen ent-gegenzuwirken. Nach der vorgenommenen aktuellen Zustandsbewertung verfehlen 56 % der Grundwasserkrper im Bearbeitungsgebiet Vechte den guten chemischen Zustand (vgl. Kapitel 4 im BWP fr die FGE Rhein). Ausschlaggebend dafr sind ermittelte berschreitungen des Grenz-wertes von 50 mg/l beim Parameter Nitrat.

    Um einen flchenwirksamen Effekt herbeizufhren, ist der Umfang der bisher durchgefhrten Manahmen noch zu gering. Daher sind unterschiedliche, auf die jeweiligen Belastungen ausge-richtete Manahmen erforderlich, die sich aus Kosteneffizienzgrnden auf die Schwerpunkte der Nhrstoffeintrge konzentrieren mssen. Rumliche Belastungsschwerpunkte und die Bedeutung unterschiedlicher Belastungspfade fr die Nhrstoffemissionen in die Gewsser wurden im Rah-men des Forschungsprojektes AGRUM Niedersachsen in den niederschsischen Anteilen der Flusseinzugsgebiete von Elbe, Weser, Ems und Rhein anhand von EDV-Modellen untersucht (NLWKN 2015d). Der Fokus lag dabei auf dem Eintrag der Nhrstoffe Stickstoff und Phosphor aus diffusen landwirtschaftlichen Quellen in das Grundwasser und die Oberflchengewsser. Die Mo-dellierungen erlauben Aussagen zum Minderungserfordernis, das landwirtschaftliche sowie andere Quellen leisten mssen, um die Ziele der WRRL zu erreichen. Daraus lassen sich die erforderli-chen Anforderungen an die Umsetzung von Manahmen sowie der damit verbundene zu erwar-tende Kostenrahmen ableiten.

    Unter Annahme verschiedener und vernderlicher Randbedingungen des Agrarsektors knnen Auswirkungen von Bewirtschaftungsweisen (einschlielich der Umsetzungsgrade von Agrarum-weltmanahmen) auf die Nhrstoffeintrge quantifiziert und prognostiziert werden. Die Ergebnisse geben flchendifferenzierte Informationen ber Nhrstoffbilanzberschsse, -eintrge, -frachten und -konzentrationen. Ausgehend von zuvor festgelegten Bewirtschaftungsszenarien lassen sich Manahmenkonstellationen hinsichtlich Wirkung und Kosten miteinander vergleichen. Im AGRUM Niedersachsen Projekt werden u. a. die zu erwartenden Nhrstoffflsse fr das Jahr 2021 auf Basis der abschtzbaren Preisentwicklungen landwirtschaftlicher Erzeugnisse und agrarpolitischer Regelungen prognostiziert. Ein wesentlicher Punkt ist dabei, inwieweit die grundlegenden Ma-nahmen zum Erreichen der Ziele der WRRL beitragen werden und wie hoch der Bedarf an ergn-zenden Manahmen ist. Unter den grundlegenden Manahmen kommt den bundesrechtlichen Regelungen zur Umsetzung der Nitratrichtlinie (RL 91/676/EWG zum Schutz der Gewsser vor Verunreinigung durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen) eine besondere Bedeutung zu, die ber die Dngeverordnung in nationales Recht umgesetzt wird. Da diese Rechtsvorschrift des Bundes derzeit novelliert wird und somit unklar ist, wie die Dngeverordnung zuknftig ausgestal-tet und umgesetzt wird, ist die Quantifizierung der Wirkung dieser grundlegenden Manahme mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.

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    Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    Die bisher erzielten Projektergebnisse zeigen sehr deutlich, dass die Nhrstoffeintrge in das Grundwasser und die Oberflchengewsser sich bis zum Jahr 2021 zwar verringern, dennoch weiterhin ein erheblicher Minderungsbedarf besteht. Ein weiteres wichtiges Ergebnis besteht in der Erkenntnis, dass unter Beibehaltung der derzeit gltigen Regelungen die grundlegenden Ma-nahmen allein nicht ausreichen werden, um bis zum Jahr 2021 die Bewirtschaftungsziele der WRRL zu erreichen.

    Um die Nhrstoffeintrge in die Gewsser zu verringern, wurden in Niedersachsen im ersten Be-wirtschaftungszyklus umfangreiche Beratungsprogramme fr die Landwirtschaft in fachlich abge-grenzten WRRL-Zielgebietskulissen durchgefhrt. Das landwirtschaftliche Beratungsangebot um-fasst die Durchfhrung von Informationsveranstaltungen, Gruppenberatungen und einzelbetriebli-che Beratungsgesprchen, die zum Ziel haben die Nhrstoffeffizienz der Betriebe (z. B. ber eine gesamtbetriebliche Dngeplanung) zu verbessern und das Bewusstsein der Landwirte fr den Gewsserschutz zu strken. Zur Untersttzung der Beratung wurden in mehreren Regionen mit unterschiedlichen landwirtschaftlichen Produktionsschwerpunkten Modellbetriebe eingerichtet, ber die neue Verfahren zur gewsserschonenden Landbewirtschaftung versuchsweise erprobt und demonstriert werden sollen. Von diesen Modellbetrieben soll eine akzeptanzfrdernde Wir-kung fr grundwasserschonende Bewirtschaftungsweisen in der Region ausgehen. Ergnzend dazu werden in den ausgewiesenen Zielkulissen finanzielle Anreizprogramme zur freiwilligen Um-setzung von Agrarumweltmanahmen und weitere Manahmen zur Reduzierung der Nhr- und Pflanzenschutzmitteleintrge angeboten. Dazu zhlen beispielsweise der Anbau von Zwischen-frchten, die Frderung des kologischen Landbaus und der Verzicht auf Bodenbearbeitung nach ausgewhlten Kulturen.

    Neben diesen Manahmen in den ausgewiesenen WRRL Zielkulissen werden in den Trinkwas-sergewinnungsgebieten mit wasserwirtschaftlichen Kooperationen weitere spezifische Wasser-schutzmanahmen durchgefhrt, da fr die Wasserkrper, aus denen Trinkwasser gewonnen wird, ein besonderer Schutzbedarf besteht. In diesen Kooperationsgebieten werden in groem Umfang ergnzende Manahmen mit dem Ziel des Trinkwasserschutzes auf der Grundlage frei-williger Kooperationsvereinbarungen zwischen Wasserversorgern und der Landwirtschaft umge-setzt. Die Trinkwasserschutzkooperationen wurden bereits vor 20 bis 25 Jahren fr alle Wasser-gewinnungsgebiete im Bearbeitungsgebiet Vechte eingerichtet und haben sich bewhrt.

    Aufgrund der Langwierigkeit der Wirkung von Gegenmanahmen und der hohen regionalen Be-deutung der Landwirtschaft als Produktionszweig wird sich der chemische Zustand des Grund-wassers und die Nhrstoffbelastung der Fliegewsser im Bereich des Bearbeitungsgebietes Vechte nur mittel- bis langfristig verbessern lassen. Der derzeitige Wandel in der Agrarstruktur stellt dabei eine besondere Herausforderung dar. Die Errichtung von Biogasanlagen in Verbindung mit dem Anbau von Mais als nachwachsendem Rohstoff fhrt zu einer Flchenkonkurrenz, wodurch Manahmen zur Reduzierung der Nhrstoffbelastungen an Anreiz verlieren. Wichtig ist deshalb die weitere Sensibilisierung der Landwirtschaft fr das Thema Wasserschutz z. B. schon in der Ausbildung zum Landwirt.

    Die Reduzierung der diffusen Nhrstoffbelastungen kann nur durch die Kombination von grund-legenden und ergnzenden Manahmen in dem erforderlichen Gesamtumfang erreicht werden. Fr den zweiten Bewirtschaftungszeitraum ist daher im niederschsischen Teil der Flussgebiets-einheit Rhein eine zweigleisige Reduzierungsstrategie vorgesehen, die einerseits auf die konse-quente Umsetzung der grundlegenden Manahmen und anderseits auf die Umsetzung weiterer ergnzender Manahmen setzt. Die grundlegenden Manahmen beinhalten bundesrechtliche und lnderspezifische Gesetze und Verordnungen zur Umsetzung der gemeinschaftlichen Rechtsvor-

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    Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    schriften. Auf die besondere Bedeutung der Dngeverordnung wurde bereits hingewiesen. Im Rahmen der derzeitigen Novellierung der Dngeverordnung sollte aus wasserwirtschaftlicher Sicht zwingend eine Konkretisierung erfolgen, die zu einer bedarfsgerechten und nhrstoffeffizienten Dngepraxis in der Landwirtschaft fhrt. Im stark landwirtschaftlich geprgten Bearbeitungsgebiet Vechte knnte das erheblich zur Verringerung der Stoffeintrge aus diffusen Quellen beitragen. Daneben sind flankierende ergnzende Gewsserschutzmanahmen, die bereits im ersten Be-wirtschaftungszyklus begonnen wurden, weiter zu entwickeln und auszudehnen.

    Die Zahl der Schadstoffe, die von der chemischen Industrie fr die unterschiedlichsten Zwecke hergestellt werden oder die in Verbindung mit menschlichen Aktivitten entstehen, ist gro. Es gibt natrliche und synthetische, anorganische und organische Schadstoffe. Entsprechend vielfltig ist auch das Vorkommen in der aquatischen Umwelt, da die Schadstoffe ber den Eintrag aus Ab-wssern oder die Luft in die Gewsser gelangen knnen. Besonders gefhrliche Schadstoffe wer-den in der WRRL als sogenannte prioritre Stoffe definiert fr die ber eine Umweltqualitts-norm-Richtlinie (2008/105/EG)1 europaweit einzuhaltende UQN fr Oberflchengewsser festge-legt wurden. Die UQN beschreiben maximale Stoffkonzentrationen, die in der Wasserphase, in Sedimenten oder Biota nicht berschritten werden drfen. Fr das Grundwasser wurden entspre-chende Qualittsanforderungen an die chemische Beschaffenheit ber die Grundwasserrichtlinie (2006/118/EG) eingefhrt. Die Einhaltung der in den ergnzenden Tochterrichtlinien festgelegten Stoffkonzentrationen ist ausschlaggebend fr die Erreichung des guten chemischen Zustandes im Grundwasser und den Oberflchengewssern.

    Auch fr die Beurteilung des kologischen Zustandes der Oberflchengewsser werden neben den biologischen Qualittskomponenten (z. B. Fische), untersttzend chemische Qualittskompo-nenten herangezogen. Die WRRL gibt eine Reihe von Stoffen und Stoffgruppen vor, die dabei zu bercksichtigen sind. Jedoch ist es Aufgabe der Staaten, konkrete Stofflisten fr ihre Flussgebiete zu erstellen und geeignete Zielwerte festzulegen. In Deutschland wurden UQN fr viele relevante Schadstoffe in der Verordnung zum Schutz der Oberflchengewsser (Anlage 5 der Oberflchen-gewsserverordnung OGewV), rechtsverbindlich festgelegt. Die Schadstoffe, fr die in den Ober-flchengewssern des Bearbeitungsgebietes Vechte berschreitungen der Qualittsanforderun-gen festgestellt wurden, sind in Tabelle 3 aufgelistet.

    Tab. 3: berschreitungen der Umweltqualittsnormen in Oberflchengewssern (Monitoringuntersuchungen im Bearbeitungsgebiet Vechte im Zeitraum der Jahre 2009 bis 2012)

    Parameter Stoffgruppe / -klasse berschreitung an Messstelle

    Tributylzinn Zinnorganische Verbindung Vechte-Laar

    Silber Schwermetall Vechte-Samern, Dinkel-Neuenhaus

    Arsen Halbmetall Lee-Scheerhorn

    Schadstoffe knnen in Oberflchengewssern bereits in Spurenkonzentrationen toxische Wirkun-gen auf Tiere und Pflanzen haben und mittelbar ber verschiedene Nutzungspfade wie Trinkwas-sergewinnung, Fischverzehr und landwirtschaftliche Nutzung die menschliche Gesundheit beein-trchtigen. Aktuell verfehlen aufgrund von Schadstoffbelastungen nahezu alle Oberflchengews-ser in der FGE Rhein die Ziele der WRRL (siehe Kapitel 4 des BWP der FGE Rhein). Schadstoff-belastungen fhren ebenfalls in einem Grundwasserkrper des Bearbeitungsgebietes Vechte zur Einstufung in den schlechten chemischen Zustand. In dem Grundwasserkrper (Niederung der Vechte rechts) wurden neben berschreitungen der UQN fr Nitrat ebenfalls berhhte Gehalte bei Pflanzenschutzmittelrckstnden festgestellt. Nach einer aktuellen Auswertung des NLWKN zur Grundwasserbelastung mit Pflanzenschutzmitteln und nicht relevanten Metaboliten wurden Befunde oberhalb der Bestimmungsgrenze nahezu flchendeckend in Niedersachsen festgestellt (NLWKN 2015c). Fr die nicht relevanten Metaboliten, die weder eine definierte pestizide Restak-tivitt, noch ein pflanzenschutzrechtlich relevantes humantoxisches oder kotoxisches Potenzial

    1 Die Umweltqualittsnormen-Richtlinie wurde inzwischen durch die Richtlinie 2013/39/EU fortgeschrieben

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    Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    besitzen gelten nicht die Grenz- und Schwellenwerte wie fr Wirkstoffe, sondern sog. gesundheit-liche Orientierungswerte (UBA 2015).

    Auf der Grundlage des fr den Zeitraum von 2008 2013 ausgewerteten Datenbestandes wurden im Bearbeitungsgebiet Vechte z. B. die Wirkstoffe Oxadixyl, Metalaxyl und Bentazon in Konzentra-tionen grer 0,1 g/l (UQN fr Einzelwirkstoffe) gefunden. Andere Wirkstoffe wie Diuron und Mecoprop konnten in Konzentrationen unterhalb der UQN nachgewiesen werden. Einige dieser Wirkstoffe sind bereits seit mehreren Jahren nicht mehr zugelassen.

    Neben der Einfhrung von grundlegenden Manahmen zur Reduzierung der Schadstoff-belastungen in Form von Gesetzen, Verordnungen oder anderen Regelwerken findet eine Emissi-onsberwachung von Industriechemikalien, Schwermetallen und weiteren Schadstoffgruppen statt. Insbesondere bei berschreitungen der Grenzwerte durch punktuelle Einleitungen mssen ganz gezielt Verringerungs- und Vermeidungsmanahmen (z. B. Kreislauffhrung, verbesserte Behandlung) an der Quelle berprft werden. Um Auswirkungen auf die Gewsser zu vermeiden, oder zumindest zu vermindern, muss bei der Abwasserbehandlung die beste verfgbare Technik angewendet werden.

    Bei berschreitungen durch diffuse Belastungen (z. B. durch bestimmte Pflanzenschutzmittel) mssen die Manahmen der guten landwirtschaftlichen Praxis konsequent umgesetzt werden, die ggf. durch wasserwirtschaftliche Manahmen (Uferrandstreifen) untersttzt werden mssen. Die vorsorgliche Beratung und Information der Anwender ist zu intensivieren. Dies gilt vor allem bei berschreitungen der Qualittsnorm fr nicht (mehr) zugelassene Pflanzenschutzmittel, da hier bereits mit dem Handels- und Anwendungsverbot die weitestgehende Manahme ergriffen wurde.

    Darber hinaus wirken sich auch Manahmen aus der Siedlungs- und Abwasserwirtschaft, z. B. weitergehende Abwasserbehandlung bei groen kommunalen Klranlagen (Membranfiltration, Aktivkohlezugabe), verbesserte Abwasserbehandlung bei relevanten Industriebranchen sowie Regenwasserbewirtschaftung urbaner Flchen (Entsiegelung, Behandlung und Versickerung von Niederschlagswasser) positiv auf die Reduzierung vieler Schadstoffe aus. Atmosphrische Depo-sition bzw. Luftemissionen in den Bereichen Verkehr, industrielle Anlagen und Hausbrand sind zu mindern.

    Die Reduzierung der stofflichen Belastungen der Oberflchengewsser und des Grundwassers erfordern erhebliche Anstrengungen. Mglicherweise ist ein Teil der Ziele nach der WRRL vor dem Hintergrund der aktuellen diffusen Nhr- und Schadstoffeintrge letztendlich nur mit einer berarbeitung der rechtlichen Rahmenbedingungen in den Mitgliedstaaten und auf europischer Ebene zu erreichen. Im Bereich der diffusen Nhrstoffeintrge aus der Landwirtschaft betrifft das sowohl ordnungsrechtliche Vorgaben als auch die zuknftige Ausrichtung der Agrarpolitik, ein-schlielich der Entscheidung ber die zuknftige Verteilung der Agrarsubventionen. Dieses grund-legende Problem besteht auch im Bereich der Reduzierung der Schadstoffbelastungen der Ge-wsser. Einige sogenannte ubiquitre Schadstoffe sind in der vom Menschen genutzten Umwelt allgegenwrtig und gelangen deshalb unweigerlich auch in die Gewsser. So entstehen zum Bei-spiel die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) als Nebenprodukt bei der Ver-brennung organischer Materialien (z. B. Kohle, Heizl, Kraftstoff, Holz) und werden dann diffus in die Gewsser eingetragen. Deshalb reichen wasserwirtschaftliche Manahmen allein oft nicht aus, um eine sprbare Verringerung der Belastungen in der Flche zu erreichen. Auch hier sind auf bergeordneter europischer Ebene entsprechende Reduzierungsmanahmen zu initiieren.

    Weitere Informationen zu den im Bearbeitungsgebiet Vechte geplanten Manahmen zur Reduzie-rung der punktuellen und diffusen Nhr- und Schadstoffeintrge sind im Kapitel 4.4 aufgefhrt.

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    Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    3.2 Schutzgebiete Prinzipiell gelten die in Artikel 4 Abs. 1 Buchstaben a) und b) der WRRL festgelegten grund-legenden Bewirtschaftungsziele auch fr Gebiete, fr die gem den spezifischen gemeinschaftli-chen Rechtsvorschriften zum Schutz der Oberflchengewsser und des Grundwassers oder zur Erhaltung von unmittelbar wasserabhngigen Lebensrumen und -arten ein besonderer Schutz-bedarf besteht.

    Die nach Artikel 6 WRRL fr die FGE Rhein erstellten Verzeichnisse der Schutzgebiete enthalten alle nach Artikel 7 Abs. 1 WRRL ermittelten Wasserkrper und alle unter Anhang IV WRRL fallen-den Schutzgebiete. Das betrifft somit im Einzelnen die nachfolgend genannten Schutzgebiete:

    Gebiete, die gem Artikel 7 WRRL fr die Entnahme von Wasser fr den menschlichen Ge-brauch ausgewiesen wurden,

    Gebiete, die zum Schutz wirtschaftlich bedeutender aquatischer Arten ausgewiesen wurden,

    Gewsser, die als Erholungsgewsser ausgewiesen wurden, einschlielich der Gebiete, die im Rahmen der Richtlinie 76/160/EWG als Badegewsser ausgewiesen wurden,

    Nhrstoffsensible Gebiete, einschlielich der Gebiete, die im Rahmen der Richtlinie 91/676/EWG als gefhrdete Gebiete ausgewiesen wurden, sowie Gebiete, die im Rahmen der Richtlinie 91/271/EWG als empfindliche Gebiete ausgewiesen wurden,

    Gebiete die fr den Schutz von Lebensrumen oder Arten ausgewiesen wurden, sofern die Erhaltung oder Verbesserung des Wasserzustandes ein wichtiger Faktor fr diesen Schutz ist, einschlielich der Natura 2000-Standorte, die im Rahmen der Richtlinie 92/43/EWG und der Richtlinie 79/409/EWG ausgewiesen wurden.

    Nach Artikel 4 Abs. 1 Buchst. c) WRRL sind in diesen Schutzgebieten die oben genannten grund-legenden Bewirtschaftungsziele der WRRL zu erfllen, soweit die gemeinschaftlichen Rechtsvor-schriften, auf deren Grundlage die einzelnen Schutzgebiete ausgewiesen wurden, keine anderwei-tigen Bestimmungen enthalten. Die schutzgebietsspezifischen Rechtsvorschriften sind daher bei der Manahmenplanung nach WRRL unbedingt zu bercksichtigen.

    Im Rahmen der Erarbeitung des Bewirtschaftungsplanes 2015 wurden die Verzeichnisse der Schutzgebiete fortgeschrieben und die entsprechenden Kartendarstellungen aktualisiert. Die Ver-zeichnisse sind ein obligatorischer Bestandteil des vorliegenden fr die FGE Rhein erarbeiteten Bewirtschaftungsplans (siehe Kapitel 3 und Kartenanhang zum BWP der FGE Rhein). Der Bewirt-schaftungsplan fr die FGE Rhein enthlt zudem weitere Informationen zur berwachung und zum Zustand der Schutzgebiete und zu den Bewirtschaftungszielen nach 29 Nr. 4 WHG (Artikel 4 Abs. 1 Buchst. c) WRRL) auf die im Kapitel 5.3 des Bewirtschaftungsplans eingegangen wird. Im Folgenden wird dargestellt, welche besonderen Manahmen fr die verschiedenen Schutzge-bietsarten vorgesehen sind.

    3.2.1 Gebiete fr die Entnahme von Wasser fr den menschlichen Gebrauch

    Die Bereitstellung von Wasser fr den menschlichen Gebrauch (Trinkwasser) erfolgt im nieder-schsischen Teil der FGE Rhein ausschlielich durch die Entnahme von Grundwasser. Eine Kar-tendarstellung mit den zur Trinkwasserversorgung genutzten Grundwasserkrpern befindet sich im Kartenanhang (Karte 9) des internationalen Bewirtschaftungsplans fr die FGE Rhein.

    Oberflchenwasserkrper und Grundwasserkrper, die der Trinkwasserentnahme dienen, mssen nicht nur die grundstzlichen Ziele der WRRL gem Artikel 4 Abs. 1 Buchstaben a) und b) erfl-len, sondern nach Artikel 7 WRRL darber hinaus unter Bercksichtigung der angewandten Aufbereitungsverfahren den Anforderungen der Richtlinie 98/83/EG ber die Qualitt von Was-ser fr den menschlichen Gebrauch (Trinkwasserrichtlinie) entsprechen. In Deutschland werden diese Anforderungen durch die Trinkwasserverordnung (Verordnung ber die Qualitt von Wasser fr den menschlichen Gebrauch - TrinkwV 2001) umgesetzt.

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    Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    Die zur Erreichung des guten Zustandes der Oberflchen- und Grundwasserkrper nach WRRL zu ergreifenden Manahmen sind grundstzlich mit dem Schutzziel des Schutzgebietes kompati-bel. Um ber die Anforderungen nach Artikel 4 Abs. 1 Buchstaben a) und b) der WRRL hinaus auch die Anforderungen des Artikels 7 der WRRL zu erfllen, wurden und werden im niedersch-sischen Teil der FGE Rhein zur Sicherstellung der ffentlichen Trinkwasserversorgung auf der Basis des 91 NWG die Einzugsbereiche bestehender oder zuknftiger Wassergewinnungsanla-gen als Wasserschutzgebiete festgelegt. Damit werden die fr die Trinkwassergewinnung wichti-gen Gebiete besonders geschtzt. Innerhalb der Wasserschutzgebiete knnen nach Magabe von 92 NWG zum Schutz der Trinkwasserressourcen bestimmte Handlungen, Nutzungen oder Ma-nahmen verboten oder nur beschrnkt zugelassen werden. Bewirtschaftungsauflagen fr die landwirtschaftliche Flchennutzung in Trinkwassergewinnungsgebieten basieren in Niedersachsen u.a. auf den Bestimmungen der Verordnung ber Schutzbestimmungen in Wasserschutzgebieten (SchuVO) vom 09. November 2009.

    In vielen Wassergewinnungsgebieten mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung im Einzugsgebiet sind zudem Kooperationen zwischen den Wasserversorgungsunternehmen und der Landwirt-schaft aktiv, um beispielsweise die Belastung des Grundwassers durch Nitrat oder Pflanzen-schutzmittel zu reduzieren bzw. zu vermeiden. In den Wasserschutzgebieten mit Kooperationen erfolgt einerseits eine gezielte, auf den Gewsserschutz ausgerichtete, landwirtschaftliche Was-serschutzberatung. Das Beratungsangebot wird zudem durch flankierende Frdermanahmen untersttzt, mit denen eine grundwasserschonende Flchenbewirtschaftung honoriert wird.

    3.2.2 Gebiete zum Schutz wirtschaftlich bedeutender aquatischer Arten

    Die Ziele zum Schutz der Fisch- und Muschelgewsser beziehen sich ausschlielich auf die Was-serqualitt und beschrnken sich auf wenige Parameter. Da die WRRL sich wesentlich differen-zierter mit der Wasserqualitt auseinandersetzt, wurden die Richtlinie 2006/44/EG ber die Quali-ttsanforderungen an Fischgewsser und die Richtlinie 2006/113/EG ber die Qualittsanforde-rungen an Muschelgewsser im Jahr 2013 aufgehoben. Die Fischgewsser sind zu einem ber-wiegenden Teil ber die Identifizierung der berregionalen Fischwanderrouten in der Manah-menplanung an den Fliegewssern bercksichtigt worden.

    3.2.3 Gebiete die als Erholungs- und Badegewsser ausgewiesen wurden

    Zum Schutz der Erholungssuchenden vor Infektionen und gefhrlichen Stoffen hat die EU bereits im Jahr 1975 die Badegewsserrichtlinie (RL 76/160/EWG) erlassen, die 2006 durch die Richtlinie 2006/7/EG ber die Qualitt der Badegewsser und deren Bewirtschaftung ersetzt wurde. Die Richtlinie ist im niederschsischen Teil der FGE Rhein durch die Verordnung ber die Qualitt und die Bewirtschaftung der Badegewsser vom 10. April 2008 (Badegewsser Verordnung - Bade-gewVO) in Landesrecht umgesetzt worden. An die Qualitt von Badegewssern sind danach spe-zielle Anforderungen vor allem aus hygienischer Sicht gestellt.

    Im niederschsischen Teil der FGE Rhein wird die Qualitt von drei Binnenseen, die als Badege-wsser ausgewiesen wurden durch das Gesundheitsamt Grafschaft Bentheim regelmig kontrol-liert. Die berwachungsbehrden entnehmen dazu an den gemeldeten Badestellen Wasserpro-ben und lassen diese auf mikrobiologische Kenngren untersuchen, um insbesondere die bakte-rielle Belastung der Gewsser zu bewerten. Darber hinaus werden Ortsbesichtigungen der Ba-destellen durchgefhrt, um die hygienische Gesamtsituation des Badegewssers abzuschtzen. Wenn eine erhhte Konzentration von gesundheitlich relevanten Keimen vorliegt, wird zum Schutz der Badegste ein zeitweiliges Badeverbot erlassen. Das Badeverbot wird erst wieder aufgeho-ben, wenn eine ausreichende Wasserqualitt erreicht ist.

    Die Bewertung der Badegewsser gem der Badegewsserrichtlinie in den Stufen ausge-zeichnete, gute, ausreichende und mangelhafte Qualitt wird jeweils nach dem Ende der Badesai-son durchgefhrt und der Europischen Kommission jhrlich berichtet werden. Nach der aktuellen

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    Manahmenprogramm fr den niederschsischen Teil der Flussgebietseinheit Rhein Bewirtschaftungszeitraum 2015 bis 2021

    Einstufung im Jahr 2015 weisen die drei Badeseen im Bearbeitungsgebiet Vechte eine ausge-zeichnete Qualitt auf. Da die Zustandsbeschreibung der Badegewsser gem der Richtlinie ber eigenstndige Berichte an die Europische Kommission erfolgt, knnen detaillierte Angaben hier entfallen.

    Eine Karte sowie eine tabellarische Auflistung der im niederschsischen Teil der FGE Rhein als Erholungs- und Badegewsser ausgewiesenen Gebiete kann ber den Badegewsser-Atlas Nie-dersachsen auf der Homepage des Niederschsischen Landesgesundheitsamtes aufgerufen werden1.

    3.2.4 Nhrstoffsensible und empfindliche Gebiete Gem EG-Richtlinie 91/676/EWG zum Schutz der Gewsser vor Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen (Nitratrichtlinie) ist die Bundesrepublik Deutschland flchendeckend als nhrstoffsensibel ausgewiesen. Die Nitratrichtlinie wurde mit der Dngeverordnung (in der Fassung vom 10.01.2006) in nationales Recht umgesetzt. Die Dngeverordnung befindet sich aktuell in der No-vellierung. Mehr als die Hlfte der Grundwasserkrper im niederschsischen Teil der FGE Rhein verfehlen wegen berhhter Nitratgehalte derzeit den guten chemischen Zustand. Vor diesem Hintergrund wurden bereits im ersten Bewirtschaftungszeitraum weitere Manahmen ergriffen um die Nitrateintrge in die Gewsser zu reduzieren. So wurden per Erlass weitergehende Anforde-rungen festgelegt, die eine Wirtschaftsdngerausbringung im Herbst nur zulassen, wenn auch ein Nhrstoffbedarf der angebauten Kulturpflanzen besteht. Darber hinaus hat Niedersachsen die bundesweit geltende Verbringungsverordnung erweitert indem eine Meldepflicht fr Wirtschaf


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