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J. H. Schwicker

Date post:10-Apr-2016
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J. H. Schwicker, Die Vereinigung der serbischen Metropolien von Belgrad und Carlowitz im Jahre 1731. Nach archivalischen Quellen
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  • Archivtr

    sterreichische Geschichte.

    Herausgegeben

    zur Pflege vaterlndischer Geschichte autgestellten Commission

    tot

    kaiserlichen Akademie der Wissenschaften.

    Zweiundsechzigster Band.Erste Hlfte.

    Wien, 1880. "HlIn Commission bei Carl Gerold' Sohn

    Her der k. Akademie der

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    SorinSticky Notep. 379

  • Inhalt des zweiundseehzigsten Bandes.

    Erste Hlfte.

    Seite

    Der Krieg von 1278 und die Schlacht bei DUrnkrut. Eine kritischeUntersuchung von Arnold Busson 1

    Beitrge zur Geschichte des Erzbisthums Salzburg. II. Ueber ein Formel-

    buch aus der Zeit des Erzbischofs Friedrich III. (13151338.)Von Dr. Franz Martin Mayer 147

    Zwei Schilderungen des Wiener Hofes im XVIII. Jahrhundert. Heraus-

    gegeben von Eduard Wertheimer 190Nord- Albaniens uud der Herzegowina Unterwerfung- Anerbieten an

    Oesterreich. (1737-1739.) Nach officiellen Acten der kVk. Archive

    verfasst von Johann Langer 239

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    sterreichische Geschichte.

    Herausgegeben

    zur Pflege vaterlndischer Geschichte aufgestellte

    kaiserlichen Akademie der \S\hw h*1\* u.

    Zweiundsechzigiter huu4

    In Comminnun bei '"r t$4*u r. >m k.

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  • Druck ron Adolf Holthausen in Wim,k k. Hof. und UnW.r.Ut. Buchdruck

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  • Inhalt des zweiundsechzigsten Bandes.

    Brill

    Der Krieg Ton 1278 und die Schlacht bei Drnkrut. Eine kritische

    Untersuchung von Arnold Busson 1Beitrge zur Geschichte des Erzbisthums Salzburg. II. Ueber ein Formel-

    buch aus der Zeit des Erzbischofs Friedrich III. (1315-1338.)

    Von Dr. Frauz Martin Mayer 147Zwei Schilderungen des Wiener Hofes im XVIII. Jahrhundert. Heraus-

    gegeben von Ednard Wertheimer 199Nord- Albaniens und der Herzegowina Unterwerfungs - Anerbieten an

    Oesterreich. (1737 1739 ) Nach officiellen Acten der k. k. Archiveverfasst von Johann Langer 239

    Die Vereinigung der serbischen Metropolien von Belgrad und Carlowitz

    im Jahre 1731. Nach archivalischen Quellen dargestellt von

    Prof. Dr. J. H. Schwicker 305Chronik des Minoriten-Guardians des St. Jacobs-Klosters in Olmtitz, .

    P. Paulinus Zaczkovic, ber die Schwedenherrschaft in Olmtitz

    von 1642 bis 1650. Herausgegeben von Dr. B. Dudik 0. S. B. 451

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    SorinRectangle

  • DIE VEREINIGUNGDEtt

    SERBISCHEN METROPOLIEN

    VON BELGRAD UND CARLOWITZ

    IM JAHRE 1731.

    NACH ARCIUVALISCHEN QUELLEN DARGESTELLT

    vox

    PROF. DK J. H. SCHWICKER.

    Arcbir. Bd. LX1L II. Hallte. 20

  • Der Friedenssehluss von Passarowitz (Posarevac), deram 21. Juli 1718 nach siebzigtgigen Unterhandlungen unter-zeichnet wurde, machte dem fnfunddreissigjhrigen Kriegs-zustande zwischen Oesterreich und der Pforte ein Ende. Kswar im Grunde, trotz einzelner Missgeschicke, ein fortgesetzterTriumph der kaiserlichen Waffen, die im Verlaufe dieser viert-halb Jahrzehnte den Halbmond von den Mauern Wiens ab-gewiesen und dessen Herrschaft bis jenseits der serbischenMurawa und des AltHusses zurckgeworfen hatten. Mit diesem.Siegeslufe des sterreichischen Aars ist aufs Innigste der

    Kuhin jenes grossen Helden verbunden, der im Volksliede alsPrinz Eugenius der edle Ritter' gefeiert wird, in der Ge-schichte aber als Feldherr und Staatsmann einen unvergnglichenNamen sich erworben hat. Ihm ist auch die Wiedereroberungder sdlichen Landestheile der Monarchie zu danken, er hatdas unsterbliche Verdienst, daselbst die mehr als anderthalb-hundertjhrige trkische Knechtschaft dauernd gebrochen undjene Gebiete dem rechtmssigen Herrscher und der europi-schen Civilisation wieder gewonnen zu haben.

    Durch den glorreichen Feldzug der Jahre 1716 bis 1718erwarb Prinz Eugen aber auch einen erheblichen Landstrichjenseits der Donau und Save dem Erzhause Oesterreich. Dieneuen Grenzen, welche im Sinne der Artikel I bis IV desPassarowitzer Friedensschlusses zwischen der Trkei und Oester-reich gezogen wurden, liefen lngs des Altflusses bis zu dessenMndung in die Donau, dann entlang dieses Stromes bis zumTimok; sodann diesen aufwrts bis auf eine Strecke von zehnMeilen (Stunden). Von hier aus wendete sich die neue Grenz-linie auf dem Kamm des Gebirges westwrts auf die kleine

    20*

    A

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    oder serbische Morawa zu, diese bildete dann weiterhin die

    Grenze bis oberhalb Tschatschak, von wo sie abermals demGebirgszuge des Medvednik folgend die Drina erreichte.Jenseits der Drina bis zur Unna, also in Bosnien, wurdeebenfalls ein Landstreifen und zwar in der Breite einer Ritt-stunde Oesterreich einverleibt.

    Diese neuen Grenzen waren eine weit bessere Gebiets-

    abrundung als die Grenzlinie des Carlowitzer Friedens (1699);sie hatten nicht blos den Vortheil deutlicher Abscheidung durchsieben Flsse, sondern sie bildeten auch eine gute Vertheidigungs-

    linie, sicherten das Thal der Donau und Save auf beiden Seitenund verschafften Oesterreich mit dem Besitze von Belgrad denSchlssel fr das Donaugebiet bis Ofen einer- und bis zumeisernen Thore andererseits. Nicht minder bedeutsam war dasneuerworbene transdanubische Gebiet fr die knftige StellungOesterreichs gegenber der Trkei und den christlichen Vlkerndaselbst, die seit dem Erbleichen des Halbmondes stets deut-lichere Zeichen ihres Strebens nach Abschttelung des Trken-joches gaben. Wie ein wohlgesicherter Keil in diese Vlker-schaften hineingeschoben, musste deren Zukunft im wesentlichenvon Oesterreichs Haltung und Einfluss abhngen; das um somehr als innerhalb der habsburgischen Erblnder bereits zahl-reiche Stammes- und Glaubensgenossen jener Christen lebtenund die sterreichische Politik seit geraumer Zeit dem ge-sunden Gedanken gefolgt war, durch wohlwollende Frderungund Untersttzung der nationalen und kirchlichen Interessendieser Volksstmme deren Zuneigung und Anhnglichkeit frsich zu gewinnen.

    Auch in diesem letzten Trkenkriege hatten insbesonderedie Serben in den Reihen der kaiserlichen Armee mit Hin-gebung und Tapferkeit gefochton. Die Freude dieses Volkeswar darum auch besonders gross, als nun durch den Passaro-witzer Frieden88chluss der betrchtlichere Theil von Donau-

    Serbien unter sterreichische Herrschaft gelangte.Die angemessene Einrichtung und Verwaltung des neu

    erworbenen Landes bildete den Gegenstand eingehender Vor-schlge des Prinzen Eugen an den Kaiser und den Hofkriegs-rath, unter dem als oberster militrischer Behrde das Gebietvorlufig stehen sollte. Zum Oberstcommandirenden und Chefder Militr- und Civilverwaltung des Knigreiches Serbien,

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    denn diesen Titel erhielt das Gebiet zwischen Tiinok undDrina, wurde der Feldmarschall Prinz Alexander von Wrt-temberg ernannt. Das Land selbst sollte als selbstndigeProvinz regiert, keineswegs aber dem Knigreiche Ungarnzugetheilt werden. Die ungarische Hofkanzlei hatte noch vorAbschluss des Friedens den (allerdings berechtigten) Ansprucherhoben, dass man auch ihr auf die ,Orientalia' einigen Einflussgestatten mge. Allein dieses Ansuchen fand sowohl in denKreisen der brigen Hofstellen wie auch bei dem Kaiser selbstkeine gnstige Aufnahme. Letzterer erklrte in einer Conferenz,das Gesuch sei ,wcder thunlich noch gegrndet*. Der Hofkriegs-rath aber usserte sich in einem Schreiben vom 10. Juli 1718an den Prinzen Eugen dahin, dass nach ,geendigtem Friedens-werk darvon (sc. vom Auflsen der ungarischen Hofkanzlei)formblicher zu reden und der dardurch von ernennter Hungari-scher Hofkanzlei suchende Eingang zu einer dem a. h. kaiserl.Dienst nachtheiligen Erweiterung in primo limine ein fr allemalabzusondern wre*. 1

    Diese Anschauung ber die politische und administrativeStellung der ,neoacquistischen ; Lnder war mit den hierauf bezg-lichen Ansichten des Prinzen Eugen ganz bereinstimmend. Schonin einem Schreiben an den Hofkriegsrath vom 21. Juni 1717hatte er nmlich die Ansicht ausgesprochen, das TemesvrerBanat wre weder jetzt noch spter mit Ungarn zu vereinigen.Es solle ungefhr so wie Siebenbrgen als abgesonderte Pro-vinz regiert werden und als solche unmittelbar unter dem Kaiserstehen. 2 Nach demselben Principe wurde nun auch das Knig-reich Serbien eingerichtet: dasselbe erstreckte sich, wie gesagt,nur ber das Gebiet vom Timok bis zur Drina, da die ,kleineWalachei 4 als besondere Dependenz dem siebenbrgischenGeneralcommando zugewiesen ward, der bosnische Landstreifenzwischen der Drina und Unna aber mit den anliegenden Militr-grenzdistricten vereinigt wurde.

    Nebst der militrisch -politischen Einrichtung Serbiens,deren nhere Schilderung ausserhalb des Rahmens unserer Auf-gabe fllt, wendeten die leitenden Kreise ihre Aufmerksamkeitgleich vom Beginne an der Regelung der kirchlichen Ver-

    1 Vgl. das Concept dieses Briefes im k. k. Kriegsministerialarchiv zu Wien.J Vgl. Arneth, Prini Eugen d. II, p. 446.

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    hltnisse in hervorragender Weise zu. Man folgte dabei derrichtigen Erkenntniss, dass in jenen Landern eine dauerndeOrganisation der Verwaltung und eine Beruhigung der Ge-mther nicht leicht thunlich sei, wenn die eigenthmlichennational -kirchlichen Zustnde ausser Acht gelassen werden.Bei dem ungewhnlichen Einflsse, dessen sich der Clerus,namentlich die Bischfe bei den Anhngern der griechisch-orientalischeu Kirche erfreuten, war fr die neue Regierungdie Gewinnung dieser Geistlichkeit ein erstes Gebot politi-scher Klugheit.

    Noch vor dem Abschlsse des Passarowitzer Friedensschrieb deshalb der Hofkriegsrath in seinem obcitirten Rescriptean den Prinzen Eugen, dass man dem Belgrader Erzbisehofe,Moses Petrovich, als Metropoliten ritus graeci in Serviae regnoprovisorio modo 4 die Confirmation ausfertigen und denselben ,derformblichen Einfhrung halber 4 auf die Haupteinrichtung desLandes vertrsten werde. 1

    Moses Petrovich war bereits unter der Trkenherrschaftzum Erzbischofe gewhlt worden. Derselbe legte sich alssolcher den Titel eines ,Erzbischofs und Metropoliten ritusgraeci der Illyrischen oder Raizischen Nation* (,graeci rituslllyricae seu Rascianae gentis Archi-Episcopus et Metropolita'

    )

    bei. Ob derselbe mit dem kaiserlichen Heere schon vor derEroberung der Festung Belgrad Verbindungen angeknpft,gleich dem serbischen Bischfe von Temesvdr, der whrendder Belagerung dieser Stadt und Festung dem Prinzen Eugengute Dienste geleistet, das lsst sich nicht genau bestimmen.Doch scheint solches aus dem Texte des Contiririationsdiplomshervorzugehen, welches lobend der Treue und des Eifers ge-denkt, womit Petrovich bei ,verschiedenen Gelegenheiten* derkaiserlichen Sache gedient habe. 1

    Als dann durch den Frieden von Passarowitz die ster-reichische Herrschaft ber Serbien rechtskrftig gewordenAvar, begab sich der Erzbisehof Petrovich nach Wien, um da-selbst bei Hofe die Besttigung in seiner Wrde und die Zu-sicherung aller Rechte und Freiheiten zu erlangen, welcherseine Glaubensbrder und Nationsgenossen in den brigen

    1 Hofkriegsrath an den Prinzen Eugen, 10. Juli 17 18. Kriegsarchiv.3 Coufirmationsdiplom im k. k. Kriogsarchiv.

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    Gebieten Oesterreichs theilhaftig waren. Sein Ansuchen warvon einem vollen Erfolge gekrnt; denn die Regierung er-kannte mit richtigem Blick, dass sie nur auf solche Weise indem neuerworbenen Lande, dessen Bevlkerung zum ber-wiegendsten Theil aus Bekennern der griechisch-orientalischenKirche bestand, festen Boden gewinnen knne.

    Darum wurde ber Antrag des k. k. Hofkriegsrathesunter dem 10. September 1718 das a. h. Confirmationsdiplomfr den Erzbisehof und Metropoliten Moses Petrovich ausgefertigt.In demselben wird durch die a. h. kaiserliche Gewalt nichtnur die frhere, in blicher Weise stattgefundene Wahl desErzbischofs besttigt und derselbe in dieser Wrde als ,Erz-bischof und Metropolit Graeci ritus des illyrischen oder raizischenYr

    olkes' anerkannt; sondern der Kaiser gewhrt demselben und,seiner getreuen und lieben illyrischen Nation' zugleich alle,Gewohnheiten, Rechte, Statute, Privilegien, Freiheiten undPrrogativen', deren sich die Griechisch-Orientalischen in denbrigen kaiserlichen Erblndern zu erfreuen hatten. Der Erz-bischof und die Bischfe haben dafr dem Kaiser und demsterreichischen Erzhause den Eid der Treue zu leisten. 1

    Um den letzteren Act recht feierlich und wirksam zumachen, befahl der Hofkriegsrath dem zeitlichen Comraandirendenin Belgrad, dem General Grafen Odwyer, dass er in der Eigen-schaft eines kaiserlichen Commissrs und unter Assistenz desLandesauditors Hochmut die Eidesleistung des Erzbischofs inder serbischen Kirche und ,in Gegenwart einiger Deputirtender rzischen Nation' abnehmen und den neubesttigten Pr-laten ,als illyrischen Erzbischofen und Metropoliten dem Volkebekannt machen solle': das hierber abgefasstc Protocoll unddie besondere Relation des kaiserlichen Commissrs hatte denfeierlichen Act hhern Orts zur Kenntniss zu bringen. Dabeiist bemerkenswerth jene Weisung, wornach der Commandantden Metropoliten allerdings ,in Allem nach Billigkeit zu manu-teniren', aber auch dafr zu sorgen hatte, dass der Erzbischof

    1 Confirmationsdiplom in der Heilage I; die Eidesformel sub II. WennCsaplovic (Slavouien und zum Theil Croatien) t. Theil p. 67 schreibt,Moses Petrovich ei ,schon im Jahre 1718 fr Serbien und da untereSyrmium 4 dem Carlowitzer Metropoliten Viucenz Popovich substituirtworden, o int das ein vlliger Irrthum, den brigens auch Picot ineinem Buche ,Les Serbe de Hongrie 4 (Prague, 1875) p. 426 wiederholt

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    und die ,gesambte Nation die Bestall- oder Einsetzung (desMetropoliten und eventuell anderer Bischfe) als eine kaiser-liche Gnad und Sr. kaiserl. Majestt allein competirenden (sie)Jurisdictions- Gewalt erkennen*. Ferners war darauf zu sehen,damit ,der Metropolit auf keine Weis die Beherrschung berdas ganze rzische Volk sich zueignen, sondern allein berden Clerum sui ritus in puris spiritualibus et ecclesiasticis ge-bieten

    ,

    jedoch auch darinnen nicht befuegt sein solle , dieGeistliche von hherer Wrde, als da seind die Bischfe,von seiner Autoritt zu besttigen, allermassen deren Con-firmation Se. Majestt sich lediglich reserviret haben wollenund dahero vor der Election der bliche Consens jederzeitanzusuchen, sodann aber die ernennte (sc. ernennende, best-tigende) Confirmation Selbsten allhier bei Hof jedesmalen aller-unterthnigst zu imploriren sein wirdet'. 1

    Die uneingeschrnkte Ausdehnung aller Vorrechte undFreiheiten der serbischen Nation graeci ritus in den brigenErbknigreichen und Lndern auf die Bekenner dieses Ritusin dem neuerworbenen Serbien einerseits; dann aber anderer-seits die in obiger Instruction an den General Odwyer ent-haltenen Reservata und Restringirungen schufen in der Auf-fassung und Behandlung der transdanubischeu Serben vonBeginn an einen widerspruchsvollen Zustand, der mehr alseinen Keim der Verwickelung in sich barg und die Quellezahlreicher unerquicklicher Contiicte ward. Denn schon dieDeclaration, dass die Anerkennung des Wahlrechtes und dieConfirmation des Gewhlten nur als ein Act kaiserlicher Gnadezu betrachten sei, weil derselbe eigentlich der a. h. Herrscher-gewalt competire schon diese Erklrung negirte im wesent-lichen jenen Punkt des Leopoldinisehen Privilegiums vom21. August 1090, welcher ausdrcklich bestimmt, es sei denKaizen auch ferner gestattet, ,unter sich einen Erzbischof vonraizischer Geburt und Sprache einzusetzen, welchen dergeistliche uud weltliche Stand unter sieh whle 4 .

    '

    Instruction fr Odwyer ddo. 23. October 1718 im k. k. Kriegsarchiv.,Liceatque vobis, inter vos, x prupria Facultate, ex Natione etLingua Kasciana eonstituere Archi-Episeopum, quem Status Ecclesiasti-COi t Saecularis inter se eliget*. Vgl. Czoeru-ig, Ethnographie d. stMon. Bd. III. 2. p. 71.

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    Und wie bei diesem Wahlrechte so ist auch bei An-erkennung der erzbischflichen Jurisdictionsrechte des serbi-schen Metropoliten, respective Patriarchen in Griechenland,Rascien, Bulgarien, Dalmatien, Bosnien, Jenopolien und in derHerzegowina, wie nicht minder in Ungarn und Croatien, inMsien und Illyrien, wo die Raizen gegenwrtig sich befinden,nur jener Vorbehalt gemacht, dass die Serben in Treue undGehorsam gegen den Kaiser verharren. Im Uebrigen abergesteht das erste Leopoldinum dem Metropoliten zu, dass erber smmtliche griechisch-orientalische Kirchen in den obigenLndern verfge, dass er daselbst Bischfe consecriren, Mnchebestellen, Kirchen, wo es nothwendig ist, aus eigener Machterbauen lassen, in Stdten und Drfern raizische Priester ein-setzen knne, mit Einem Worte: wie bisher, so sei er auchfernerhin der Vorsteher der Kirche des griechischen Ritus undder ganzen Gemeinde dieses Bekenntnisses. 1

    Noch bedeutsamer sind die Verleihungen und Anerken-nungen im zweiten Leopoldinum vom 20. August 1691, worinnicht nur die frheren Vorrechte und Freiheiten erneuert, son-dern dieselben noch dadurch vermehrt werden, dass der Kaiserdie Vergnstigung zugesteht, im Falle ein Bekenner des griechi-schen Ritus ohne natrliche Erben und Testament sterbensollte, so falle seine gesammtc Habe dem Erzbischofe und derKirche zu; dasselbe gelte auch von den Verlassenschaften derBischfe und des Erzbischofes. Endlich sollen alle Serbenvon ihrem Erzbischofe, als ihrem kirchlichen Oberhaupte,sowohl in geistlichen, als in weltlichen Dingen abhngen."2

    Diese Leopoldinischen Privilegien wurden nun allerdingszu ihrer Zeit nicht diesseitigen Unterthanen ertheilt, sondernflchtigen Emigranten, die nach vorbergehendem Aufenthaltein ihre ursprngliche, verlassene Heimat zurckkehren sollten.Aber seitdem nach dem Carlowitzer Frieden (1699) eine Rck-

    Ibidem.1,Insaper annuiinua et iu o, quod ai ex ipaia graeci ritua ainc consola-tione proliuin et consauguiueoruin, nlic iuis decederet, extune talia omnisnubstantia in Arcbi-Episiopum et Ecelesiani, non accus si Archi-Epiacopuaet Episcopus quiapiam muriatur, talia etiam omuis subatantia in Archi-episcopatum devolvatur; denique ut oiunoa ab Arebi-Episcopo tanquamcapitc hiio ecclesiaatico tarn in Spiritualibus quam Sact-ularibus depen-deant, clementisaimt* volutnus et jubemua'. L. c. p. 312, u. 1.

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    kehr dieser serbischen Auswanderer nicht mehr mglich undderen dauernde Niederlassung auf dem Gebiete des Kaisersnothwendig geworden war: da nahmen diese gewhrten Vor-rechte und Freiheiten einen Charakter an, der ein geordnetesVerwaltungswesen und ein friedliches Zusammenleben der pri-vilegirten Serben mit den brigen Bewohnern des Landes aufdie Dauer vielfach erschwerte und dadurch die Ursache zuzahlreichen Klagen und Misshelligkeiten, ja zu offenen Auf-stnden wurde. 1

    Es war offenbar kein empfehlenswerther Vorgang, wennman nach solchen Erfahrungen in Ungarn und Croatien dieserbischen Privilegien abermals in ihrer vollen Ausdehnungauch fr die neuerworbenen Gebiete besttigte; dieser Vor-gang wurde berdies dadurch noch verschlimmert, dass man,wie erwhnt, das offene Zugestndniss insgeheim wieder theil-weise zurcknahm oder doch wesentlich einzuschrnken ver-suchte. Die Folgen dieser Unentschiedenheit blieben auchnicht aus.

    Bei der Besitznahme von Serbien fand die sterreichischeRegierung daselbst zwei serbische ,Metropoliten< vor, nmlichden Erzbischof zu Belgrad und den Bischof zu Waljewo. 2Die Fhrung des Metropolitantitels war bei den griechischenBischfen ziemlich allgemein, sie bedeutete auch keineswegseine kirchliche Superioritt, musste jedoch nach erfolgter Ein-richtung der sterreichischen Verwaltung von dem Bischfe zuWaljewo abgelegt werden, wie das auch bei den serbischen Bi-schfen auf ungarisch-croatischem Gebiete der Fall war. DieBischfe in Serbien standen unter einander in keinem hier-archischen Verhltnisse; beide Bischfe gehrten zu dem national-serbischen Patriarchate von Ipek; doch hatten sie auch Bezie-

    hungen mit dem Oekumenikos im Phanar zu Constantinopel; berdie Natur und den Charakter dieser Beziehungen lsst sich jedochnichts Bestimmtes erkennen. Wahrscheinlich bestanden sie we-sentlich in der Leistung gewisser Abgaben, in deren Einsamm-

    ' Ich habe diese Verhltnisse eingehend zu errtern versucht in meiuera

    kr/.lich erschienenen Ruche: .Politische Geschichte der Serben in Ungarn*.

    Nach archivnlischen Quellen. (Budapest, L. Aigner.) p. 19 ff.1 Der dritte griechisch-orientalische Hiscbof in den .neoacquistisehen 4 Ln-

    dern jenseits der Dohm fand sich in Kinmik (Ribnik) in der kleinenWalachei vor. Vgl. den ,Excurs' im .Anhangt '.

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    lung die Trken den Phanarioten stets gerne Assistenz leisteten,weilja ein guter Theil dieser Einknfte aus dem Phanar wieder anden Sultan oder an die ,Hohe Pforte' abgeliefert werden rausste.

    Wie Kaiser Karl in seinem Confirmationspatente vom10. September 1718 fr den Erzbischof Moses Petrovieh richtigbemerkte, bestand die Mehrzahl der Bewohner Serbiens ausBekennern des griechisch-orientalischen Ritus. Die Bevlkerungvon Oesterreich-Serbien hatte freilich unter dem schwerenDrucke der langdauernden Trkenherrschaft und in Folge desletzten Krieges an der Zahl bedeutend abgenommen, so dasseine im Jahre 1721 vorgenommene Zhlung den Bevlkerungs-status des Knigreiches Serbien (mit Ausnahme der Landes-hauptstadt Belgrad) auf nicht vllig 30.000 Seelen bestimmte. 1

    Fr diese Seelenzahl waren nun zwei Bischfe vllig aus-reichend. Die nchste Aufgabe der Regierung bestand darin,die hierarchischen Verhltnisse zu regeln.

    Ohne deB Verhltnisses zum nationalen Patriarchate vonIpek und der Dependenz der serbischen Bischfe von dem-selben zu gedenken, besttigte das obcitirte kaiserliche Con-hrmationspatent vom 10. September 1718 den Belgrader Me-tropolit-Erzbischof zum alleinigen kirchlichen Oberhaupte dergriechisch -orientalischen Bekenner im Knigreiche Serbien.Und wie der Kaiser und seine Regierung den Erzbischof indieser Eigenschaft anerkennen, so hat ihn auch die gesammtegriechische Geistlichkeit und das illyrische oder raizische Volkals den rechtmssigen Metropoliten oder Erzbischof zu be-trachten und ihm in kirchlichen Dingen unterthnig undgehorsam zu sein. Durch die weitere Besttigung und Aus-dehnung der Leopoldinischen Privilegien wurde dann auch dieSubordination der brigen griechisch- orientalischen Bischfeauf dem Gebiete des Knigreiches Serbien unter die erz-bischfliche Jurisdictionsgewalt des Metropoliten von Belgradausgesprochen. Das besagte Confirmationspatent con-stituirt also eine neue autocephale serbische Metro-polie, deren factische Unabhngigkeit vom serbisch-nationalenPatriarchate zu Ipek damit vom Kaiser erklrt und aner-kannt ward.

    ' Vgl. eine statistische Tabelle vom 14 December 1721 im k. k. Kriegn-Archiv.

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    Aber diese Bestallung des Belgrader Erzbischofes zumHaupte einer selbstndigen Metropolie hatte noch weitere Be-deutung. Innerhalb der habsburgischen Lnder, speciell aufdem Gebiete der ungarischen Krone, gab es nmlich schon seitdem Jahre 1690 eine serbische Metropolie, die nach verschie-denen Wanderungen schliesslich ihren Sitz in Carlowitz auf-geschlagen hatte. Durch jene Confirmation des BelgraderMetropoliten wurde nun unter sterreichischer Herrschaft einezweite autocephale griechisch -orientalische Kirche gebildet.Die Erzbischfe von Carlowitz und Belgrad wurden auf solcheWeise neben einander gestellt, das serbische Volk der ster-reichischen Monarchie in kirchlicher Beziehung in zwei Metro-polien getrennt. Diese Trennung entsprach jedoch weder dengeschichtlichen und rechtlichen Verhltnissen noch befriedigtesie die Wnsche und Hoffnungen der Serben; aber auch dasStaatsinteresse fand dabei keinen eigentlichen Vortheil. DasStreben nach Beseitigung dieses zwiespltigen Zustandes machtesich deshalb auf Seite der Serben gar bald bemerkbar.

    Zunchst ging freilich die Abscheidung und Organisirungder Belgrader Metropolie ihren weiteren Gang. Der Passaro-witzer Friedensschluss hatte dem Kaiser auch das TemesvarerBanat in seiner vollen Ausdehnung gesichert. Die militrisch-administrative Einrichtung und Verwaltung des Landes war berAnrathen des Prinzen Eugen dem Grafen Florimond ClaudiusMercy, General der Cavallerie, anvertraut worden, unter dessenLeitung die Provinz auch einen rasch aufblhenden Zustandgewann. 1 Die Bevlkerung des Gebietes bestand nach derEroberung zum berwiegendsten Theile aus Serben und Ru-mnen (Walachen), jene hatten den westlichen und sdlichen,diese den stlichen und nrdlichen Theil inne; doch war diesePopulation beraus sprlich; Sumpf, Wald und Heidegrundnahmen im Banate den grssten Raum ein. Die serbisch-rumnische Bevlkerung befand sich auf sehr niedriger Cultur-stufe; die Trkenherrschaft hatte auch die socialen und mora-lischen Bande gelst. Krieg, Abenteuer, Jagd, Hirtenleben,Raub und Diebstahl fllten hauptschlich die Thtigkeit dieserBewohner aus. Es bedurfte aller Strenge und Sorgfalt, um die

    ' Vgl. Arn eth, ,Prinz Eugen von Savoyen', II, p. 408 ff. 8c Ii wicker,Geschichte des Tcmcser Bannt*' (1H01), p. 310 ff.

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    verwahrloste Bewohnerschaft zu einem annhernd menschen-wrdigen Dasein zu bringen.

    Graf Mercy hatte von Anbeginn sein Augenmerk einer-seits auf die Vermehrung der dnnen Bevlkerung durch Herbei-ziehung fremder Colonisten gerichtet, andererseits war er bemht,durch die Herstellung von Verwaltungsinstitutionen dem halb-wilden Zustande allmhlig ein Ende zu bereiten. Dazu ge-hrte nun auch die Regelung der kirchlichen Verhltnisse. Beider Wiedereroberung des Landes gab es im ganzen Banatenur noch eine katholische Pfarrei (zu Orawitza, 1703 errichtet);die rmisch-katholische Dicese Csanad, zu welcher das Gebietin geistlicher Beziehung zhlte, war bis vor wenigen Jahrenein blosser Titel gewesen und hob sich erst jetzt wieder ausihren Trmmern (1722). Seit dem 5. Mrz 1724, an welchemTage der katholische Bischof Graf Ladislaus Nadasdy in Te-me8vr seinen feierlichen Einzug gehalten, residiren die Csa-nader Bischfe andauernd in dieser Stadt. 1

    Von nicht minderer Wichtigkeit fr die culturellen In-teressen dieses Landes war dann die Organisirung des griechisch-orientalischen Kirchenwesens im Banate. Hier gab es zur Zeitder Wiedereroberung zwei griechisch - orientalische Bischfe,deren einer seinen Sitz in Temesvar, der andere in Karan-sebes hatte. Serben und Walachen gehrten ausschliesslichdieser Kirche an, und so war es begreiflich, dass die Landes-regierung der Regelung dieser Kirchenverhltnisse eine beson-dere Aufmerksamkeit schenken musste. Bis zum Jahre 1720unterstanden die griechisch-orientalischen Bischfe im Banatedem Erzbischofe von Carlowitz, dessen oberhirtliche Jurisdic-tion sich ja nach den Leopoldinischen Privilegien ber alleBekenner dieses Ritus in Ungarn und Croatien erstreckensollte. Jetzt, nach der gesicherten Besitznahme des Banats,machte sich in dieser Beziehung bei den leitenden Kreisen eineandere Anschauung geltend.

    Wie das Knigreich Serbien als besonderes Verwaltungs-gebiet betrachtet wurde, so hatte man auch das Banat nachdiesem Principe eingerichtet, und da in den serbischen Privi-legien dieses Banat nicht nominell unter jenen Lndern ange-fhrt ist, in denen der Carlowitzer Metropolit die kirchliche

    1 Schwicker, 1. c. p. 325.

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    Oberleitung besitzen sollte, und man die unbestreitbare staats-rechtliche Zugehrigkeit des Banats zu Ungarn an massgebenderStelle dermalen auch nicht beachten wollte, so war es nurconsequent, wenn man dieses jneoacquistische* Gebiet ebenfallsder geistlichen Jurisdiction des Erzbischofs von Carlowitzentzog.

    Eine neue selbstndige Metropolie zu errichten fandman sich nun allerdings nicht veranlasst ; wohl aber entschlossman sich, das Temeser Banat in kirchlicher Hinsichtmit der serbischen Metropolie von Belgrad zu ver-einigen. In dem hierauf bezglichen a. h. jExtensionspatente*vom 16. November 1720 wird zur Begrndung dieser Ausdeh-nung der erzbischflichen Jurisdiction des Belgrader Metro-politen nicht blos die persnliche Tchtigkeit und Verlsslich-keit des damaligen Erzbischofs Moses Petrovich hervorgehoben,sondern auch betont, dass das Temeser Banat mit dem Erb-knigreiche Serbien angrenze und von diesem nur allein durchden Donaustrom geschieden sei. Die beiden banatischen Bi-schfe Griechischen Ritus' werden dem genannten Erzbischofe alsihrem Metropoliten unterstellt, und es hat dieser seine .juris-dictionem Ecclesiasticam sui ritus neben des erstgedachten Knig-reiches Serbien ebenfalls auf den (sie) Temesvarer Banat' aus-zudehnen, gleichwie ,auch dem Metropoliten zu Carlowitz seineJurisdiction in Spiritualibus in verschiedenen Lndern ver-liehen sei'.' Unter Einem werden die serbischen Privi-legialrechte und Freiheiten auch auf die griechisch-orientalischen Bewohner des Banats erstreckt, dochhinzugefgt, dass der Belgrader Metropolit auch im Banate,atif keine Weis die Beherrschung ber das ganze rzischeVolk sich zueignen oder sich in die Temporalien mischen,sondern allein ber den Clerum sui ritus in puris Spiritualibuset Ecclesiasticis gebieten solle*. Es wird ihm deshalb auchhier wie in Serbien die Bestellung der Bischfe aus eigenerAutoritt verwehrt und die banatische Landesadministration an-gewiesen, ,im Uebrigen All und Jedes auf die Art, gleich esin dem Knigreiche Serbien eingefhret', auch im Temeser

    1 Vgl. da Extensionspatent in der Heilapre III, dann das Intimataschreibendes k. k. Hofkriegsrnthes an die banatis' ] l0 Landesadministration vom

    15. Jnner 1721 im k. k. Kriegsarchiv.

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  • 319

    Banate zu beobachten. Von einer neuen Eidesleistung des Me-tropoliten knne jedoch abgesehen werden. Das ,exercitiumsuae jurisdictionis Ecclesiasticae sei dem Metropoliten alldaohngekrukter zu gestatten, anbei aber auch zu invigiliren,damit etwan von diesem zum Nachtheil der katholischen Religionnichts unternommen werde'. 1

    Auf diese Weise wurden innerhalb der kaiserlichen Lnderdie zwei griechisch-orientalischen Metropolien der ,illyrischenoder rzischen Nation* errichtet, die von einander ganzunabhngig sein sollten. Dem Carlowitzer Metropoliten ver-blieben die Suffraganbischofe von cs, Arad, Ofen, Slavonien,Kostainitza und Karlstadt; dem Belgrader Metropoliten wurdenzugewiesen die Bischfe von Temesvar, Werschetz-Karansebes,Waljewo und liimnik; jene Metropolie wurde ofrieiell auch die.slavonische', diese die ,neo-acquistische< genannt. Erstere er-

    streckte sich ber Ungarn, Croatien und die ungarisch-croa-tischen Grenzgebiete; letztere umfasste Serbien, das TemeserBanat und die kleine Walachei.

    Dieses Princip der Theilung der kirchlichen Obergewaltwirkte bei der Regierung geraume Zeit als ausschlaggebenderFactor fort. Ein ganz anderes Streben erfllte aber die Serben;ihnen war diese Zweitheilung ihrer Kirche und damit auch desVolkes selbst unertrglich, und sie Hessen kein Mittel unver-sucht, um diesen Dualismus zu beseitigen. Der BelgraderErzbischof Moses Petrovich hatte hierbei die leitende Handmit im Spiele. Dieser Metropolit bekundete berhaupt einenweitreichenden Blick, wie auch aus seinen Beziehungen zu demBeherrscher Russlands hervorgeht.

    Seitdem nmlich der Czar Peter I. von Russland seinepolitische Thtigkeit dem Oriente zugewendet und insbeson-dere mit den christlichen Vlkern in der Trkei Verbindungenangeknpft hatte, lenkten auch die Serben ihre Hoffnungen

    Hofkriegsrath an die banatische Landesadministration (s. o.). Unter dem-selben Datum (15. JSnner 1721) verstndigt der Hofkriegsrath auch dencommandirenden General von Serbien, Prinz Alexander von Wrttemberg,ber die erfolgte Ausdehnung der erzbisehttfliehen Jurisdiction des Bel-grader Metropoliten mit dem Bedeuten, dass erwhnter Hr. Metropolit,so viel das bedeute Temeswarer Banat betrifft, nicht auf die serwische,sondern die daselbstige (banatische) kaiserliche Administration das be-hrige Aufsehen zu tragen habe*. Kriegsarchiv.

  • 320

    mehr und mehr dem mchtigen glauben*- und stammverwandtenReiche des Nordens zu. Kussland bildete brigens schon vorPeter dem Grossen fr einzelne Sdslaven den gewaltigen An-ziehungspunkt, und es ist gewiss bezeichnend, wenn bereitsum das Jahr 1G7 die Theorie des Panslavismus, d. i. die Ver-einigung aller Slaven unter russischer Fhrung, von einemSerben in Russland verkndigt wurde. 1 Die intimeren Berh-rungen zwischen dem Czaren und den sdslavischen Vlkernentwickelten sich insbesondere seit dem Abschlsse des Car-lowitzer Friedens (1699), bei dem auch russische Bevollmch-tigte anwesend waren. Schon im Jahre 1701 erhielt der rus-sische Agent Peter Tolstoi den Auftrag, den Zustand der Vlkerauf der Balkanhalbinsel insgeheim zu erforschen, und die Trkenbesorgten schon damals, dass Russland die christlichen Unter-thanen des Sultans zum Aufstand reizen werde. 2 Einen leb-haften Antheil an seinen Glaubens- und Nationsgenossen inUngarn nimmt dann der Czar whrend der Rdk6czy'schen Un-ruhen. Die Serben daselbst, zwischen die Aufstndischen unddie Regierung gestellt, von beiden umworben und bedroht,richten ihre Blicke auf Russland. Am 25. November 1704hatte der Serbe Boschitsch ein Gesprch mit dem russischenMinister Golowin, worin er erzhlte, ,die Serben htten schonfrher einen Agenten an den Czaren abgeschickt, seien aberohne Antwort geblieben. Nun sei er (Boschitsch) von denselbengesandt worden mit der Bitte, der Czar wolle die in Ungarnunter sterreichischem Scepter lebenden Serben zu seinen Un-terthanen machen. Allerdings fordere man sie auf, mit denrebellischen Ungarn gemeinsame Sache zu machen gegenOesterreich, aber sie htten erfahren, dass diese Insurgentenvon den Franzosen und Schweden untersttzt wrden, und dawollten sie mit jenen nichts zu thun haben; mit den anderenunter trkischer und venetianischer Herrschaft lebenden Serbenaber stimmten sie vollkommen berein, und Alle htten nureine Hoffnung, und zwar die auf den Czaren. Helfe der Czarnicht, so wrden Alle umkommen.* *

    Vgl. ber diesen Serben Jurij Krischanitsch und dessen SchriftenA. Brckner, , Peter d. Grosse* p. 32, 218 ff.

    ' Ibidem p. 449.3 Ibidem p. 456457. Bezglich Rakoezy's Verhltniss zu den Serben vgl.Schwicker, ,Pol. Gesch. d. Serben in Ungarn 4 p. 42 ff.

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  • 321

    Diese Stimmung eines Theiles der Serben war in Wiennicht unbekannt und insbesondere Prinz Eugen war voll Miss-trauen in die Treue und Bestndigkeit dieses Volkes; er gibtden untergebenen Commandirenden wiederholt den Rath, die.Raizen* zwar behutsam zu behandeln, um sie auf ,gelinde undglimpfliehe Weise in standhafter Devotion und in des Publiciweitern Diensten beizubehalten'; allein er ermahnt auch zu

    ernster Wachsamkeit und Strenge, sobald sie nachdenklicheReden' halten, oder gar zu den Aufstndischen neigen sollten.

    Denn auch dessen werden die Serben in einzelnen Berichtendes Hofkriegsrathes bei dem Kaiser angeklagt. 1 Es betrachtetedeshalb der Wiener Hof die Beziehungen des Czaren Peter zuden Serben in Ungarn mit begreiflichem Misstrauen. Der Czarhatte im Jahre 1707 seine guten Dienste gegen die ungarischenAufstndischen angeboten; sie wurden jedoch nicht angenommenund zwar, wie der Gesandte Peters in Wien, Baron Urbich, seinemHerrn schrieb, aus dem Grunde, weil man die Besorgniss hegte,der Czar werde mit den griechisch-orientalischen Serben in Un-garn gemeinsame Sache inachen. Diese Letzteren hinwiederumschickten im Jahre 1710 einen Abgesandten, Bogdan Popowitsch,nach Moskau mit einem Schreiben und der Bitte, Peter wollesich doch der unter fremdem Joche seufzenden Serben annehmen.Wie gerne der Czar zu dieser Befreierrolle bereit gewesen, dasbezeugt seine Kriegsproclamation gegen die Trkei vom 6. Jnner1711, wo im Eingange auf das Joch hingewiesen wird, unterwelchem Griechen, Walachen, Bulgaren und Serben seufzen. 2

    Ist hier auch in erster Reihe das trkische Joch gemeint, sodarf nach dem Vorausgeschickten nicht ausser Acht gelassenwerden, dass der Czar auch fr die ,Schmerzenschreie' der sla-vischen Stmme in Oesterreich kein taubes Ohr hatte.

    Wenn auch der russisch-trkische Krieg des Jahres 1711fr den Czaren unglcklich endigte, so blieb doch bei denBalkanchristen die Nachwirkung jener russischen Theilnahmefr die Befreiung derselben und hrte seitdem nicht wiederauf, um so weniger, als die geruschlose aber ununterbrocheneThtigkeit russischer Emissre die Hoffnungen auf den Czaren

    1 Vgl. du jngst erschienene Werk: ,Szentklasay, Hundert Jahre aus derneuem Geschichte Sdungarns* (in ung. 8prache) Bd. I, p. 113116.

    1 Brckner L c. p. 459.Akt. Bd. LI1L II. Hilft. 21

  • 322

    stets von Neuem zu beleben und zu verbreiten suchte. 1 Dazukam noch die regere Verbindung Russlands mit diesen Vl-kern durch den Umstand, dass zahlreiche Moldauer, Walachen,Bulgaren, Serben und Montenegriner in russische Dienste traten.Endlich unterhielten die griechisch*orientalischen Erzbischfeund Bischfe einen schriftlichen Verkehr mit dem Czaren, oderes gingen und kamen Geistliche und Mnche hin und her.

    Dieser Einfluss Russlands erfllte auch den BelgraderErzbischof und Metropoliten Moses Petrovich, so dass derselbenach dem fr Russland beraus gnstigen Nystadter Friedens-schlsse (30. August 1721) in Moskau erschien, um den Czaren,den er einen neuen Ptolemus nannte, zu beglckwnschenund ihn zu bitten, Peter mge durch Absendung von Lehrernund Bchern in die slavischen Gebiete ein Apostel dieserVlker werden. Der Czar willfahrte der Bitte des BelgraderErzbischofs, er sandte geistliche Bcher fr 20 Kirchen, 400Fibeln, 100 Grammatiken und zwei Lehrer, welche er be-soldete. 2

    Diese Reise des Erzbischofs nach Moskau und seine fort-gesetzten Beziehungen mit Russland waren in den sterreichi-schen Regierungskrisen nicht unbekannt geblieben. Metro-polit Petrovich scheint aber aus Russland noch andere Ideenmitgebracht zu haben. Man beobachtet bald nach seinerRckkehr eine lebhafte Agitation unter den Serben der beidenMetropolien; auf dem serbischen Nationalcongresse des Jahres1722 kam diese Bewegung zum Durchbruche. Auf unter-schiedliche Beschwerden des Carlowitzer Erzbischofs, welchederselbe im Namen der Nation durch seinen Vicar VincenzJoannovich im Juni 1722 in Wien unterbreiten Hess, erfolgteunter dem 4. Juli d. J. eine Reihe a. h. Resolutionen zur Be-hebung dieser Beschwerden. Unter Einem gestattet dasselbea. h. Rescript die Abhaltung des schon im vorigen Jahre be-willigten Nationscongresses ,in Religionssachen* mit dem Be-deuten, dass der Erzbischof hievon vorerst dem slavonischenObercommando und der dortigen Cameralinspection die ,Erin-derung' machen solle, auch dieser Congress nur im Beisein

    Vgl. KalUy, ,Die Orientpolitik Rusland8*. Deutsch von Prof. 8chwicker,Budapest 1879, p. G8 ff.

    2 Brckner, L c. p. 471.

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  • 323

    von Deputirten ,ex parte Militari et Camerali' abgehaltenwerden drfe. Auf diesem Congresse habe die Nation die-jenige Casus, worinnen sie in corpore und insonderheit circareligiosa beschwert zu sein glaubet, specifice anzudeuten', damitsodann die ,Sachen untersuchet und pro re nata die billich-mssige Remedirung frgethuet werden knne*. Am Schlssefgt das kaiserliche Rescript 1 zur Ermahnung des Metropolitenbei, dass die weltlichen Angelegenheiten der Militrgrenze nicht,in die Activitt eines zeitlichen Metropoliten gehren, welchernur forderist das Religionswesen zu respiciren habe 4 . Es istdas die erste Zurechtweisung des Metropoliten, der im Sinnedes zweiten Leopoldinums sich als das Haupt der serbischenKation in kirchlichen und weltlichen Dingen betrachtete.

    Der Congress wurde am 18. September 1722 in der,Peterwardeiner Raizen-Schanz', d. i. im heutigen Neusatz, er-ffnet. An demselben nahmen von Seite der Militrbehrdeder Obrist Baron Rudolphin, von Seite der Cameralinspectionder Landauditor, Ambrosius Fretschner als Commissre Theil.Bei diesem Congresse kam es zu einer Scission zwischen denNationsdeputirten aus der Militrgrenze am unteren Savestrome

    und den brigen Mitgliedern des Congresses; die Ersterenprotestirten nmlich gegen die Gravamina in politischen undmilitrischen Diogen und wollten an den vorgelegten Postulaten,ausser in Spiritualibus, nicht den geringsten Antheil haben.Darber wurde namentlich ein Theil des Clerus so entrstet,dass man den Fhrer der Gegenpartei, den Obercapitn NikolaRaskovich, ffentlich einen Spion schalt, so dass dieser dieCongresssitzung verliess und trotz der geleisteten Abbitte seineBeschwerde beim Generalcommando in Essek vorbrachte. 2

    Auch sonst machte sich ein scharfer Antagonismus zwischenden Grenzern an der Save und ihren Standes- und Nations-genossen an der Donau, Theiss und Maros in dieser Congress-versammlung geltend, worber der commandirende General,Freiherr von Petrasch, vor dem Hofkriegsrathe Klage fhrte.

    1 Concept im k. k. Kriegsarchiv.2 Vgl. den Originalbericht des commandirenden Generalen Freiherrn vonPetrasch,. dto. Essek, am 28. September 1722, im k. k. Kriegsarchiv. DerCongress vom Jahre 1722 in der , Peterwardeiner Raizen-Schanz' war

    bisher gnzlich unbekannt21*

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  • 324

    Derselbe sucht aber die Weigerung dieser Grenzer zur Tragungder ihnen auferlegten Contributionen namentlich in dem Um-stnde, dass sie ,durch die Collecta des Metropoliten allzu hartaggraviret seien'. Aber auch die anderen Bischfe brden ihrenGlubigen zu schwere Lasten auf. So habe sich der PakratzerBischof unterstanden, ,in der Grniz am Ober-Saustrom' vonjedem Haus 12 fl. zu fordern. 1

    Aber die grsste Aufregung bei dem Congresse hatte ihrenUrsprung von anderer Seite her. Wir werden auf diese Quelledurch den Umstand gefhrt, dass der Belgrader Festungscom-mandant Oberst Corrado dem dortigen Metropoliten MosesPetrovich die Reise nach Peterwardein zu der ,allda veran-lassten Versamblung des sclavonischen und dahin vereinbartenrzisehen Cleri und Nation' untersagt hatte und dafr vom Hof-kriegsrathe belobt wurde mit der ausdrcklichen Weisung, essei ,pro prineipio zu nehmen, dass sothane (serbische) Nationohne von Hof aus darzue erlangender Erlaubnus keine der-gleichen Zusammenknften halten drfe, und obschon in prae-senti casu der berhrte Congress zu Peterwardein fr den Me-tropoliten zu Carlowitz aus bewilliget worden, so ist doch diesesihme (dem) servischen Herrn Metropoliten umb so weniger zue-gekommen, als Ihro Kaiserl. Majestt absolute

  • 325

    Freilich trat diese Intention der Regierung in directen Wider-spruch mit den Aspirationen des Belgrader Erzbischofs undmit den Wnschen und Begehren des serbischen Volkes selbst.

    Erzbischof Moses Petrovich entwickelte nmlich .seit Jahrund Tag', d. i. seit seiner Rckkehr aus Russland, eine rh-rige Thtigkeit, um die Vereinigung der beiden griechisch-orientalischen Erzdicesen unter irgend einer Form zu bewerk-stelligen. Der damalige Carlowitzer Metropolit, Vincenz Popo-vich, war ein altersschwacher Mann

    ;

    1 Petrovich stellte nun ,beialler Gelegenheit* dem Volke die ,Untauglichkeit' dieses Me-tropoliten ,ganz subtil' vor mit dem Beifgen, dass er (Petro-vich) ,ihre Privilegia besser mauuteniren werde 4 . Durch solcheVorstellungen hatte er allmhlig das Volk ,aufgebracht'. Erz-bischof Petrovich hielt sich seines Sieges nach dieser Richtungfr gewiss und in dieser .gnzlichen Hoffnung' pachtete erauch die in der Nhe der ,Peterwardeiner Raizen-Schanz' gele-gene Herrschaft Futtak mit dem Versprechen, dieselbe fr dasErzbisthum ankaufen zu wollen, falls seine Absichten einen.guten Ausschlag' nehmen wrden. 2

    Diese Agitationen des Belgrader Erzbischofs, die ohneZweifel noch mchtig untersttzt wurden durch jene Geschenke,welche Petrovich von seiner Moskauer Reise mitgebracht hatte,wodurch seine eigene Autoritt nicht wenig erhht worden war, diese Agitationen fielen auf fruchtbaren Boden. Dennobschon durch das Verbot der Reise zum Congresse demBelgrader Metropoliten die unmittelbare Einwirkung daselbstverwehrt worden, so hatte er doch bei dieser Versammlungaeine eifrigen Agenten. Als solche werden uns genannt derPeterwardeiner Obercapitan, Sava Nikolich, und der erzbischf-liche Vicar, Vincenz Joannovich, der im Grunde die gesamrateMetropolie leitete, ,weilen der Metropolit wegen seiner Schwach-heit so viel als nichts mehr geachtet wurde'. 3

    Der altersschwache und krnkliche Carlowitzer Metropolitwar seinerseits allerdings nicht im Stande, diesen rhrigen

    *

    1 Die Sage erzhlt, derselbe sei ,stumm 4 geworden. Vgl. CsaplovicsL c. p. 67.

    J Vgl. das Berichtschreiben des Preiherrn von Petrasch, dto. Essek am2. October 1722 an den Hofkriegsrath im k. k. Kriegsarchiv.

    1 Berichtechreiben des Freiherrn von Petraach vom 28. September 1722.

  • 326

    Agitationen Einhalt zu thun und musste es geschehen lassen,ja willigte sogar ein, dass, wie die beiden Congresscommissreberichten, bei ,Vollendung der Congregation, da man bereitsauseinander zuegehen sich angelassen, die versamblete Nationproponirte, wie dass sich dieselbe einstimmig entschlossen,dero jetzigem Herrn Metropoliten, Vicentio Popovich, wegendessen langwierigen Unpsslichkeit und tglich abnehmendenKrften einen coadjutorem beizustellen und hierzue den der-maligen Metropoliten zu Belgrad, HErrn Moses Petrovich, zuerwhlen*. Die Commissre fgen dann in richtiger Vermuthunghinzu, dass die Versammelten sich mit dem Letzteren ,hierin-falls schon vorhin unterredet haben mssen'. 1

    Es war ein wohlvorbereiteter Coup, der hier zu Tagetrat, der aber trotzdem die beabsichtigte Wirkung verfehlte.Der commandirende General in Slavonien, Freiherr von Petrasch,war nicht der Mann, dem eine solche gelungene Intrigue im-poniren konnte. Er schrieb sofort an den Congresscommissr,Oberst Baron Rudolphin, damit dieser dem Carlowitzer Metro-politen ,mit gutem Glimpf bedeuten solle, dass er dem neu-erwhlten Coadjutori, bevor hierber als in einer neuen Sachedie allergndigste Resolution nicht eingelanget, von darumbenkeine Activitt einrumen solle, weilen der Hofkriegsrath dieVereinigung des Erzbistumbs von Servien mit dem von Scla-vonien schon ehemal nicht gestattet habe'. Auch an denCarlowitzer Metropoliten wie auch an den zum Coadjutordesselben erwhlten Belgrader Erzbischof ergiengen hnlicheWeisungen.

    Der Letztere erschien auch persnlich bei Petrasch, umsich als Coadjutor der ,slavonischen Metropolie' zu prsen-tiren. Bei dieser Gelegenheit gab ihm der General den Rath,sich bis zum Einlangen der a. h. Approbation seiner Wahlaller Activitt zu enthalten, was der Erzbischof auch zu thunversprach. 2

    Dieses Versprechen hielt ihn jedoch nicht ab, inzwischenauch andere Mittel zur Erreichung seines Zieles zu versuchen.Am dritten Tage nach seinem Besuche bei dem Freiherrn

    1 Bericht der beiden Congresscommissre ddo. Peterwardein vom 22. Sep-

    tember 1722 im k. k. Kriegsarchiv.1 Vgl. Petrasch' erichtschreiben vom 28. September 1722.

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  • 327

    v. Petrasch Hess er diesem durch einen Freund ein ,namhaftesPrsent 4 anbieten, falls derselbe sieh ,seiner (des Erzbischofs)auf das Beste annehmen und ihn an den Hofkriegsrath recom-mandiren wolle*. Petrasch wies diese Zumuthung entschiedenab, forschte jedoch nunmehr genauer nach dem Treiben desBelgrader Metropoliten und erfuhr dabei nicht allein dessenAgitationen gegen den Carlowitzer Metropoliten zur Vereini-gung der beiden Metropolien, sondern erhielt auch davon Kunde,dass ,dieser Mann (ber das), was in Moskau passiret, sehr ge-naue Nachrichten habe 4 ; nebstdem hatte Petrasch aus seinerletzten Unterredung mit dem Erzbischof Petrovich dessenKorrespondenz mit dem Metropoliten von Constantinopel nichtundeutlich abnehmen knnen 4 . 1

    Man erkennt daraus die fortgesetzten Verbindungen einer-seits der griechisch-orientalischen Bischfe in Oesterreich und derTrkei mit dem Czaren, andererseits aber auch die angeknpftenund unterhaltenen Beziehungen der christlichen Balkanvlkerzu einander. Die Thtigkeit der russischen Emissre trug ihrereichen Frchte. Gerade diese beiden Umstnde machten aberden Wiener Hof in Bezug auf die Aspirationen des BelgraderMetropoliten und seiner Parteignger besonders vorsichtig.Whrend nmlich in Angelegenheit der yom letzten serbischenCongresse berreichten Postulata die weiteren Entscheidungendes Kaisers in Aussicht gestellt wurden, erklrte hinsichtlichder erfolgten Coadjutorswahl ein Rescript des Hofkriegsrathesan den Congresscommissr, Oberst Baron Rudolphin, unterdem 5. December 1722 folgendes: ,Die von der gesambtenNation einhellig intendiren sollende Beistellung eines Coadju-toris sei als eine in die jura regia cum summo prae-judicio einlaufende Sache ohne positiven Hofbefelchkeiner Dingen, und zwar in der Person des BelgraderMetropoliten Petrovich am mindesten zu gestatten 4 . 2

    Auf solche Weise war dieser Versuch des ErzbischofsPetrovich zur Vereinigung der beiden Metropolien misslungen;aber Petrovich wre nicht jener ,kluge Mann 4 gewesen, alswelchen ihn General Petrasch gerhmt, wenn er nach demersten fehlgeschlagenen Anlaufe seinen Plan auch schon auf-

    1 Petrasch an den Hofkriegsrath ddo. 2. October 1722. Kriegsarchiv.3 Concept im k. k. Kriegsarchiv.

  • 328

    gegeben htte. Da war keineswegs der Fall; er und seineParteigenossen, die allmhlig das gesammte serbische Volkin beiden Metropolien beherrschten, hielten fest an dem vor-gesteckten Ziele; nur im Vorgehen und in der Wahl ihrerMittel trafen sie geschickte Vernderungen. Der Erzbischofnherte sich dem Wiener Hofe, er gab mindestens usserlichdie Verbindungen mit Russland und Constantinopel auf undwusste dadurch die Gunst der Regierungskreise derart zu ge-winnen, dass ihm der Kaiser bereits unter dem 1. April 1724gestattete, im Temesvarer Banate als dessen Erzbischof anstattder Zehent-Collecta und der brigen erzbischofliehen Ein-knfte ein quivalent in Geld zu nehmen. Und zwar erlaubtedas betreffende a. h. Decret zur Deckung der ,vermehrten (

    Unkosten des Erzbischofs, dass dieser von jedem raizischenOberrichter (Ober-Knesen) zwei, von jedem Unterrichter (Unter-Knesen) aber einen Dukaten jhrlich einhebe. 1

    Der Tod des Czaren Peter I. (am 27. Jnner 1725) machtevorlufig allen Aspirationen der sdslavischen Vlker ein Ende;der Belgrader Metropolit fand es deshalb um so gerathener,

    seine wiedergewonnene Stellung bei Hofe mglichst zu befestigen.Das war allerdings keine leichte Aufgabe. Ausser dem Miss-trauen, welches man in Wien gegen den Moskaupilger hegte,ergaben sich auch bezglich der Leitung und Verwaltung derserbischen Metropolie von Belgrad allerlei Differenzen zwischen

    dem Erzbischof und der Regierung.Moses Petrovich hatte wie alle griechisch-orientalischen

    Erzbischfe und Bischfe nicht ohne Erfolg unter dem Ein-flsse des griechischen Phanariotenthums gestanden. In dieser

    Schule lernten sie die fiscalische Ausbeute ihrer Glubigen

    grndlich kennen und sie scheuten sich nicht, von dieserLehre den weitesten Gebrauch zu machen. In seinem Berichteber die verbesserte Einrichtung der kaiserlichen Administration

    in Serbien, welche der Prinz Alexander von Wrttemberg alsPrses der dortigen Landesregierung unter dem 14. December 1721an den Hofkriegsrath erstattete, spricht derselbe in seiner

    fnfzehnten Proposition von den ,ohnglaublichen Extorsionen*

    des dortigen Metropoliten und dessen Popen, indem diese ,subulmine exeommunicationis

    ,

    Nichtbrechung des Brots, Ver-

    ' Vgl. die Beilage IV.

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  • 329

    Schiebung der Todtenbegrbnisse, bis sie nicht vllige Erbenseien* oder auf sonstige Weise ,auch von dem Aermsten1620 fl. erhalten und ausserdem ,durch alle Gradus Stolaeunter allerhand Praetext bald zur Erbauung der armen Kirchen,bald zur Aushaltung ihrer bei hohen Orten habenden Bestellten,bald zu nthiger Reisenbestreitung, Particularausgaben ihres

    Metropoliten den Unterthan belegen*, so dass der Clerus vonden Glubigen ebenso viel Einknfte bezieht als deren Landes-contributionen ausmachen.

    In der Berathung ber diesen Bericht des Prinzen, welchein der ,neoacquistischen Subcommission' zu Wien am 30. De-cember 1721 stattfand, wurde vorgeschlagen, es wre vor Allemzu untersuchen, worin das Successionsrecht des Metropoliten zu

    den Verlassen8chaften der ohne Leibeserben verstorbenen Serben

    bestehe, inzwischen aber dem Metropoliten die Ausschreibungvon beliebigen Contributionen zu verbieten und die Stolar-gebhren ,auf ein Gewisses zu determiniren'. Der Metropolitsei anzuweisen, dass er eine Conscription der in Serbien befind-lichen Popen vorlege und was denselben als fixe Besoldung zureichen wre. Im brigen habe derselbe nicht ,ultra Ecclesia-sticum zu schreiten, noch auch mit dem fulmine excommunica-tionis ohne Vorwissen des Hofs oder der daruntigen kaiserlichenAdministration frzugehen'. 1

    Der k. k. Hofkriegsrath und die k. k. Hofkammer unter-zogen das Protocoll der neoacquistischen Subdelegation vom30. December 1721 einer eingehenden Berathung und erstattetenunter dem 16. Mai 1722 einen gemeinschaftlichen Vortrag anden Kaiser, worin sie die obigen Antrge und Vorschlgeder Subdelegation vollinhaltlich annehmen und deren a. h.Gutheissung erbitten. Darauf resolvirte Kaiser Karl VI. am24. Juni d. J. eigenhndig: ,placet Vndt darauf fest zu halten(,)auch die excommunicacionen nicht zu weyth gehen zu lassen'. 1

    Allein der Erzbischof Moses Petrovich kehrte sich wenigan diese Befehle; er vertrat mit Entschiedenheit jene Rechteund Freiheiten, welche die Leopoldinischen Privilegien undderen sptere Confirmationen dem Metropoliten in so grossemAusmasse verliehen hatten. Es gab in Folge dessen mit der

    Dm Protocoll der Subdelegation im k. k. Kriegsarchiv.5 Vgl. den Originalvortrag mit den eigenhndigen kaiserlichen Resolutionenim Kriegsarchiv.

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  • im

    ,rzischen Nation oder vielmehr (mit) deroselberi Clero undbevorderist dem Metropoliten ritus Graeci

    .in Servien ver-

    schiedene Anstsslichkeiten, welche jedesraalen mit Vor-schtzung der erhaltenen Privilegien bemntelt oder entschul-digt werden wollen*. In dieser Weise erhebt ein a. u. Vortragdes Hofkriegsrathes und der Hofkammer im December 1724die Klage vor dem Kaiser. Nun ist es aber von besonderemInteresse, wenn derselbe gemeinschaftliche Vortrag des weitern

    also fortfahrt: Man sei endlich, ,nachdeme die Ausfertigungsothaner Privilegien' weder durch den Hofkriegsrath noch durchdie Hofkammer geschehen', mithin ,deren Enthalt keinerseitsbekannt ge\vesen(!), bemssigt worden, von dem MetropolitenCopiam privilegiorum abzufordern, umb eigentlich sehen underkennen zu knnen, worinnen selbe bestehen, auch ob sieetwann in genuino suo sensu genommen oder vielleicht arbi-trarie nderst interpretirt werden, folgbar wie solche allenfallszu ndern oder nher zu expliciren und welchergestalten diesesan sich selbstcn zu bewirken wre'. 1

    Diese Aeusserung der beiden Hofstellen ist hchst sonderbar,wenn man sich dessen erinnert, dass es gerade der Hofkriegs-rath gewesen, durch welchen Kaiser Karl VI. am 10. Sep-tember 1718 nicht nur den Metropoliten von Belgrad besttigt,sondern in demselben Patente zugleich auch diesem Erzbischofeund seinen Glaubensgenossen alle Privilegien der griechisch-nichtunirten Serben in den andern kaiserlichen Lndern bertragenhatte. 2 Durch denselben Hofkriegsrath und durch die Hof-kammer erfolgte dann unter dem 16. November 1720 die Aus-dehnung der oberhirtlichen Jurisdiction des Belgrader Erz-bischofs ber das Temeser Banat unter denselben Bedingungenwie in Serbien. 3 In beiden Fllen berief man sich nachdrck-lichst auf die Gewohnheiten, Rechte, Statuten, Gewhrungen,Freiheiten und Prrogative der raizischen Nation nach derenPrivilegien und nun kommen, vier Jahre spter, dieselben Hof-stellen und erheben ganz naiv die Frage an den Metropoliten,worin denn eigentlich diese Privilegien bestnden?

    Der Erzbischof-Metropolit Petrovich sumte auch nicht

    mit der Vorlegung dieser Urkunden und erst daraus wollen

    Eine Copie dieses a. u. Vortrages im k. k. Kriegsarchiv.' Vgl. die Beilage L Vgl. die Beilage III.

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  • 831

    der Hofkriegsrath und die Hofkainmer entnommen haben, ,dasssie bereits vor vielen (!) Jahren zu Zeiten weil. Lepoldi I durch

    die sterreichische Hofkanzlei, welche damals eine solcheExpedition, umb die Hungarische Hofkanzlei daraus zu halten,nur subsidire subintriret wre, und zwar laut ihres eigeneninsinuati ad Cameram sogar contra mentem die Sachen vor-gewesten Conferenz ausgefertiget, nachgehends aber wieder

    -

    umben einige (Privilegien) durch die Hungarische Hofkanzleitarn quoad collationem quam confirmationem expediret worden,also dass man diesorts, wo die Respicirung der neoacquistischenVorfallenheiten dem militari und camerali privative allergn-digst anvertrauet und die dahin einfliessende Confirmationder berhrten Privilegien unter Euer kays. Majestt glorwr-digster Regierung per competentem instantiam annoch nichterfolget ist, sich weiters daran positive nicht zu binden htte,allermassen auch hiervon in dem ihme, Erzbischofen undder illyrischen Nation letzthin gemeinschaftlich durch beedegehorsamste Hoffmittlen des Kriegsraths und der Kammerzugefertigte allergndigste Resolution speeifice nichts ent-

    halten ist'. 1

    Man muss wahrlich staunen ber die Khnheit, mitwelcher sich die beiden Hofstellen ber feststehende That-sachen hinwegzusetzen suchten. In dem Coniirmationspatentvorn 10. September 1718 und in dem Extensionsdiplom vom16. November 1720 werden die serbischen Vorrechte undPrivilegien allerdings nicht ,specifice* aufgezhlt, allein es

    heisst doch darin ganz deutlich: ,Ut (Archi-Episcopus) omnesEcclesiae et Religionis suae Metropolitanae funetiones in NostroServiae Regno peragere, omnibusque aliis consuetudinibus,Iuribus, Statut is, Indult is, libertatibus et praerogativis a Nobisin alijs ditionibusNostrisfideli, Nobis dilectae Nation iIllyricae dementer concessis, et pro Ipso benigne con-firmatis, quam diu in debita erga Nos et Augustam DornumNostram, ut plene confidimus, Ipseque solemni Iuramento seadstringet, devotione et fidelitate persistet, absqueullo impe-dimento libere ac paeifice per totam Dioecesim suamin Serviam Metropolitanara uti, frui et gaudere possit,ac valeat*.

    1 Vgl. den obigen gemeinschaftlichen Vortrng vom December 1724.

  • 332

    Wenn der Hofkriegsrath und spter mit demselben imVereine auch die Hofkammer eine solche Besttigung derPrivilegien vom Kaiser vornehmen liess, so mussten diesebeiden Hofstellen doch vorher genau wissen, was diese alsoauf Serbien und das Banat erstreckten Rechte und Freiheitendes Metropoliten und seiner Glaubensgenossen enthielten undzu bedeuten hatten oder sie machten sich der grssten Leicht-fertigkeit in so hoch wichtigen amtlichen Functionen schuldig.Noch mehr! Derselbe Hofkriegsrath, welcher im Jahre 1724erklrt, er habe weder an der ursprnglichen Ausfertigung nochan den spteren Connrmationen der Privilegien einen Antheilgenommen und es seien diese Privilegien von dem regierendenKaiser ,per competentem instantia!' nicht besttigetworden

    derselbe Hofkriegsrath hatte am 22. Juni des Jahres 1715ber Bitten des Carlowitzer Metropoliten Vincenz Popovichdie von seinem Vater dem Kaiser Leopold verliehenen undvon seinem Bruder und Vorgnger, Kaiser Josef, confirmirtenPrivilegien der serbischen Nation gerade fr die Militr-Grenz-gebiete ebenfalls in feierlichster Weise besttigt, wie solchesbereits unter dem 2. August 1713 im Wege der geheimen undam 8. October desselben Jahres durch die ungarische Hof-kanzlei geschehen war; ja im Juni (15.) des Jahres 1715schreibt der Hofkriegsrath an den Metropoliten, das 8 Se. Ma-jestt am 10. April desselben Jahres den Serben ein aber-maliges Protectionaldiplom ertheilt und nunmehr gestattet habe,,dass der Erzbischof und Metropolit eine Versammlung nachCarlowitz demnchstens ausschreibe und allda die allergndigstbesttigten Privilegien der Nation bekannt mache*. 1

    Und von all diesen feierlichen Acten, die zum Theilunter seiner unmittelbaren Mitwirkung zu Stande gekommen,will der Hofkriegsrath und die Hofkammer auf einmal nichtsgewusst haben, wobei sie noch die eigenthmliche Theorieverfechten, was vom Kaiser durch andere Hofstellen ange-ordnet oder verliehen worden, das sei fr sie nicht verbindlich.Unbegreiflich

    !

    Dieses auffllige Nichtwissen der beiden ,obersten Hof-mitteln' in den Angelegenheiten ihres eigenen Wirkungskreises

    1 Vgl. die Originalien und Concepte im k. k. Kriegsarchiv. Siehe auchSc h wicker, Pol. Gesch. d. Serben in Ungarn p. 54.

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  • 333

    bildete dann den Ausgangspunkt zur Einleitung einer Action,die in ihrem Verlaufe viel Aufregung, Unfriede und Streitverursachte, in ihrem Endziele jedoch den ursprnglichen Ab-sichten und Tendenzen dieser Hofstellen nicht entsprach. Sietrafen hierbei auf Gegner, die ihnen gewachsen, ja in Bezugauf simulirtes Nichtwissen, Resistenz und Ausdauer in derVerfechtung ihres Standpunktes sogar noch berlegen waren.

    Vorerst hatten der Hofkriegsrath und die Hofkammerunter dem obigen Vorwande, dass die Privilegien durch einecompetente Instanz in Serbien ,speeifice' noch nicht besttigtseien, ihr Streben dahin gerichtet, dass ,ohne den geringstenNachtheil der in denen anderwrtigen Confirmatoriis enthaltenena. h. Unterschrift oder Derogirung des coram privatis et sub-ditis zu erhalten nthigen Ansehens der allseitigen Dicasterien,auch ohne Erweckung einig bedenklichen Missvergngens beider umb das durchl. Erzhaus in so vielen Begebenheiten sowohl verdienten rzischen Nation' durch eine entsprechende,mutao Beu interpretatio privilegiorum' deren Sinn abgendertwerden knnte.

    Die gutachtlichen Vorschlge zur ,diensamben' Abnderung,respective Restringirung der serbischen Privilegien fr die Bel-grader Metropolie wurden von der ,in neoacquisticis angeordnetenSubdelegation' erstattet, nachdem man frher von der kaiser-lichen Administration in Serbien ein Gutachten hierber ein-verlangt und erhalten hatte.

    Der umstndliche Bericht der Subdelegation fasst seineAbnderungsvorschlge in neun Punkte zusammen, derenkurzer Inhalt 1 folgender ist

    :

    a) Obzwar der Gebrauch ,diverser Calender in corporerei publicae nur confusiones zu erwecken pfleget', so mge die,rzische Nation in Serbien' dennoch den alten Calendergebrauchen; nur im Banate sollen die Griechisch-Nichtunirtengemss der dort bestehenden Anordnung ,in denen Orten, wosie mit denen Katholiken vermischter wohnen, ad evitandumscandalum verbunden sein, die Festa decretalia, benanntlich dieSonntag und Festa Majora, welche die Katholiken begehen,dergestalten zu feiern, dass sie von ffentlicher und ausserHaus zu beschehen pflegender knechtlicher Arbeit, als von

    > A. a. O. im Vortrage vom December 1724.

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  • 334

    dem Feldbau und dergleichen sich enthalten'. Wo die ,Rzen'ungemischt wohnen, knnten sie sich ihres Calenders ,ohneobberhrte Observanz 4 frei bedienen.

    b) Der ,rzischen Nation' knnte zwar die freie Wahleines neuen Erzbischofs zugelassen werden, doch solle siein Zukunft gehalten sein, anstatt ,eines, darzue drei und be-nanntlich solche Subjecta zu candidiren, welche in den kaiser-lichen Landen vor Andern die Tauglichst- und Meritirtestenscind, woraus folgbar dem Kaiser Einen zu benennen frei-zustehen htte'. Nachdem jedoch dermalen eine Neuwahl desMetropoliten nicht bevorsteht, die sofortige Publicirung einersolchen Bestimmung aber ,einige Bedenklichkeit erregen drfte',so mge dieser Vorschlag vorlufig ,in Geheimb' gehaltenwerden. Hinsichtlich der Einsetzung der Bischfe habees dagegen keinen Anstand, dem Metropoliten sofort dieWeisung zu ertheilen, dass selber anstatt wie bisher bei Be-setzung eines Bisthums nur einen Candidaten vorzuschlagen,,knftighin jedesmalen drei Subjecta directe den Administra-tionen in Serbien und im Temeser Banate zu prsentiren'habe. Dem Metropoliten wre diese Abnderung in demSinne zu erklren, dass dieser Ternovorschlag ,zu sein undder Nation eigene decor gereichete, indeme Se. Majestt beiPrsentirung eines einzigen Candidaten gegen solchen ein Be-denken linden, folgbar nicht besttigen und darfr einen andernnach eigenen a. h. Belieben ernennen drfte, welches hingegenbei Vorstellung dreier Subjecten sich gar oder doch nichtsobald ereignen knnte.'

    e) Die Erbauung und Reparirung von Kirchensoll nur dann unbedingt zugelassen werden, wann solches nurin einer simplen Restauration bestnde'; Neubauten oder solche,sub nomine restaurationis' drfen ohne vorlufige Anfrage beiHofe und darber erhaltene Bewilligung nicht gestattet werden.Diese Einschrnkung des Kirchenbaues wurde einerseits damitmotivirt, dass selbst die Katholiken nur gegen solche ErlaubnissKirchen bauen drfen; andern theils wre es ,an deren usserstenConfinien desto bedenklicher, indeme gar leicht von ihro Nationdergleichen Gebu an solchen Orten errichten werden drfte,so in das Knftige bei einem etwan ausbrechenden Krieg demFeind zum Vortheil, ihro Nation aber selbst zum Schadendienen mchte'.

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  • 335

    d) In Betreff der ^Jurisdiction und Bestrafung derendelinquirenden rzischen Geistlichen' sei sich ,nach derbei den Katholiken blichen Observanz zu achten', und zwarsollen ,indistincte in allen causis criininalibus' die betreffenden

    strflichen Geistlichen des griechisch-nichtunirten Ritus ,in foro

    Laico', und namentlich in Serbien bei dem dortigen foro ordi-nario' abgeurtheilt werden. Auch sei je nach der Art des Urtheilsdasselbe von hier aus zu exequiren, ,ante publicationem et exe-

    cutionem sententiae jedoch von dem rzischen foro Ecclesiasticoblichermassen juxta jura Canonica' die Degradation des Ver-urtheilten vorzunehmen. In ,rebus Ecclesiasticis et Spirituali-bus* seien die Geistlichen (wie bei den Katholiken) von ihremMetropoliten ,tanquam foro competenti zu inquiriren und abzu-strafen'; in den brigen ,causis civilibus hingegen haben siebei der Administration zu conveniren, zu erscheinen und zusentenziren.' Es wird dabei dieser Administration besondersaufzutragen sein, in ,was frlei Vorfallenheiten es auch sei', dieseGeistlichen .bescheiden und manierlich zu tractiren, mithin ohnegenugsambe Ursachen und Judicien nicht sogleich mit Arrest zubelegen oder gegen sie die Tortur zu verhngen, sondern so vielthunlich mit Gelimpf und erst cum plena causae cognitionemit solcher Schrfe nach Recht und Billichkeit zu verfahren*.

    e) Die ,Rzen' seien ,bei ihren Kirchen, Klstern,Wohnrtern und darzue gehrigen Sachen' ruhig zu belassen;doch mge man in Serbien mit der Ueberlassung der hie undda noch vorhandenen trkischen Moscheen an die Serben nichtzu weit gehen und es wre denselben zu bedeuten, dass ihnender Kaiser diese Moscheen mittlerweile aus blosser Gte zuihrem Gebrauche berlassen htte; wobei noch zu bedenkenwre, auf dass ,hinknftig bei sich vermehrender Anzahl derKatholiken in Servien auch diesen mit dergleichen (verlassenentrkischen) Orten gratificirt werden knne; wie dann diekatholische Religion ex eo, quod sit eadem Principis Domi-uantis allzeit mehr Vortheil und Willfahrigkeit dann andere,jedoch auch solches mit aller Bescheidenheit anzugedeihen htte.'

    f) Die Visitation der Klster und Kirchen solledem Metropoliten und den Bischfen nur mit Vorwissen und vor-heriger Anmeldung bei dem im Lande commandirenden Generale,von dem auch die erforderlichen Reisepsse zu verlangen wren,gestattet sein. Damit aber unter dem Vorwande der Visitation

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  • 336

    nicht etwa ,ohnzulssige Conventicula' abgehalten, ungebrlicheContributionen erhoben oder Erpressungen ausgebt werden:so mge bei einer solchen Visitation ,ex parte AdministrationisJemand sub alio praetextu* dem visitirenden Metropoliten oderBischfe beigeordnet werden, ,umb auf Alles, was etwan Un-gleiches vorgehen mchte, die genaue Obsicht zu tragen unddarber allenfalls in tempore zu berichten*.

    g) Das vormals ertheilte Privilegium hinsichtlich derCaducitten bei Sterbefallen ohne Leibeserben und Testamentwre dem Aerar hchst nachtheilig und es wird deshalb vor-geschlagen, ,in das Knftige keineswegs zuzugeben, dass derMetropolit oder die Kirche in denen Verlassenschaften ab inte-stato deficientibus legitimis haeredibus cum exclusione fiseisohin succediren mge*. Denn eine , derlei Succession sei aller-orten ein dem fisco gebhrendes Vorrecht*. Durch dergleichenAnfall der weltlichen Gter wrde schliesslich ,die ganze Land-schaft an die rzische Geistlichkeit gelangen und der Metropolitmit der Zeit Dominum terrestrem agiren*. Es wird daher vor-geschlagen, die Verlassenschaften zu distinguiren in jene, welchevon Bischfen und Geistlichen und in jene, die von Weltlichenherkommen. Diese letzteren ,haereditates ab intestato* wrenohne Frage dem Fiscus zuzueignen. Bei den geistlichenVerlassenschaften knnte, ,umb das angezogene Privilegiumetwelchermassen zu behalten*, eine Dreitheilung vorgenommenwerden: ein Drittel davon sollte den Kirchen, das andere demMetropoliten und das dritte dem Fiscus zuerkannt werden.Weiters mge man in Serbien den jetzigen factischen Besitzder ,rzischen Geistlichkeit* an liegenden Gtern

    ,

    quasi proprimaeva fundatione* betrachten und belassen; in Zukunft aberdie Erwerbung weiterer Gter nicht zulassen. Sollte dieserClerus durch Testament, Rechtsnachfolge, Schenkung ,vel quo-cunque demum modo* Immobilien erhalten, so sei er verbunden,diese an Weltliche zu verkaufen. Erbschaften von hiesigenUnterthanen an Erben in der Trkei sollen nach der Erlegungdes blichen ,Abfahrtgeldes* ausgefolgt werden; dagegen wrenLegate, Pensionen u. dgl. von hier aus in die trkischen Ge-biete nicht zuzulassen.

    h) Die geistliche und weltliche rzische Nation habe vonihrem Metropoliten nicht ,als ihrem Haupt* abzuhngen,da diese ,Dependenz allein quoad Ecclesiastica zu verstehen

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  • 337

    und nicht auch vielleicht ad temporalia zu extendiren sei,worber einzig dem Kaiser qua Landesfrsten die Gewalt zu-komme 4 .

    t) Von der Bezahlung der Grundgebhren nach demGrundbesitze wre auch die rzische Geistlichkeit nicht zubefreien; desgleichen komme dem Metropoliten weder derfreie Holzschlag noch die zollfreie Weineinfuhr in Serbien zu.Doch habe der Metropolit allerdings Anspruch auf den Zehnten,statt dessen Naturalabnahme die Subdelegation fr Serbiendenselben Modus wie im Temeser Banate, nmlich die Ein-hebung des ,Knesendukaten* auf ein Jahr zur Probe vorschlgt,,umb zu sehen, wie ein und anderer Theil darzu sich anlasse,auch ob es besser complire, mit solcher Methode in das Knftigefortzufahren oder die Zehnten in natura abreichen zu lassen*.Endlich stellt die Subdelegation noch eine kurze Stolataxe

    fr den Metropoliten und die brige Geistlichkeit auf.Der Hofkriegsrath und die Hofkanimer machten die ,gar

    wohl und grndlich gefassten' Vorschlge der Subdelegationzu den ihrigen und legten dieselben dem Kaiser zur a. h. Ge-nehmigung vor. Darauf wurde die kaiserliche Resolution unterdem 30. September 1726 dahin ertheilt, ,dass weilen sichjezo (obwohlen es gut wre) aus vielen Ursach kein Universalewegen deren Rzen in Hungarn machen lasse, so knnteninmittels die vorgeschlagenen Modalitten in anat und Servienbis auf weitere Verordnung frgekehret und durch rescripta permodum provisionalis als Erluterung deren ehehin gegebenenrzischen Privilegien intimiret werden*. 1

    Diesem gemss wurde im Mrz 1727 ein a. h. Rescripterlassen, in welchem die obigen Vorschlge der neoacquistischenSubdelegation vom Jahre 1724 in Befehle umgewandelt undals vorsehriftsmssige Norm hinausgegeben wurden. Von daab entwickelten sich nun mehrjhrige Verhandlungen zwischender Regierung und den serbischen Nationalcongressen , aufderen einzelne, wichtigste Phasen wir im Verlaufe unsererDarstellung zu sprechen kommen.

    In der Zwischenzeit trat eine frhere Frage wieder inden Vordergrund. Am 29. October 1725 starb nmlich der

    ' Ann einem Referat des Hofkriegarathes nnd der Hofkammer vom Mir 1728im k. k. Kriegsarchiv.

    ArchJr. Bd. LX1I. II. Hilft. 22

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  • *338

    Carlowitzer Metropolit Vincenz Popovich. Die zur Beerdigungihres Kirchenfrsten im Kloster Kruschedol (,in MonasterioGroschenthal') versammelten Bischfe, Geistlichen und Welt-lichen entsendeten drei Bevollmchtigte nach Wien, damit sieim Namen des Clerus und der Nation ,alle erforderlich schei-nenden Mittel anwenden', um die Zulassung der militrischenDeputirten zur Wahl eines neuen Metropoliten zu erwirken. 1

    Die Bevollmchtigten bergaben ihr Majesttsgesuch am12. Jnner 1726, und vom selben Tage ist auch die Notifika-tion des Hofkriegsrathes an den serbischen Clerus und dasVolk datirt, worin denselben mitgetheiit wird, dass der Kaiserdie Neuwahl eines Metropoliten gestattet und zum k. k. Com-mis8r bei diesem Wahlcongresse den Feldmarschall-Lieutenantund Commandanten vonEssek, Graf Josef Odwyer, ernannt habe. 1

    Unter Einem richtete aber der Hofkriegsrath an denGrafen Odwyer nebst der Verstndigung von seiner erfolgtenBestellung zum k. k. Congresscommissr zugleich eine geheimeInstruction, in welcher insbesondere die Frage wegen der all-falligen Bestrebungen zur Vereinigung der beiden serbischenMetropolien eingehend errtert wird.

    Der Hofkriegsrath erwhnt nmlich, es ,verlaute extra-

    .

    judicialiter', als ob der rzische Clerus und die Nation an-tragen werde, den Belgrader Erzbischof Moses Petrovich anstattdes verblichenen Popovich zu erwhlen, mithin beide bisherabgesondert gewesene Erzbisthmer .in uno Capite' und unteranderen Ursachen ,aus dem vorschtzenden Motivo* zu ver-einigen, ,weilen er (Clerus und Nation) ihne (Petrovich) nochanno 1722 bei Lebzeiten des jetzo Verstorbenen pro coadjutoreernannt hatte'.

    Wie aber in dieser Beziehung vorher weder eine zustim-mende a. h. Resolution gebracht oder Petrovich bis dato alsCoadjutor anerkannt worden sei: so knne auch gegenwrtig,sothaner Vorwand weder Statt haben noch attendiret werden*.Aus diesem Grunde sei auch eine solche Absicht ,mit vor-gehrten Gegenstzen (Gegengrnden) abzulehnen'. Allein auch

    1 Die Vollmacht ist von 4 Bischfen (von Kmschedol, 8siget, Bacs nndTemes), 3 Archimandriten, 1 Probst, 3 Obcrcapitnen, C Guardianen, dannvom Judex oppidi Carlovicxiensis cum reliquis und seltsamer Weise auchvom ,Judex Civitatis Belpradiensis cum reliquis unterfertigt

    ' Die Actenstcke im k. k. Kriejsarchive.

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  • 339

    abgesehen von diesem Umstnde finde man die Vereinbarung'der beiden Metropolien darum nicht statthaft, ,weilen durchderlei Union Einem (Erzbisehofe) allein gar zu viele Autorittzuerwachsete, gestalten auch eben deswegen bereits vormal bpro prineipio genommen worden, kein corpus nationis zuezu-lassen, sondern des Carlowitzer und Servischen Metropolitensausgemessene Dioecesim eine von der andern allerdings abge-sonderter zu halten'. Zudem werde auch die ,cura animarum'durch zwei Metropoliten besser als durch einen besorgt, undendlich knnen ,bei separirten Dicesen die attentiren drfendeExcessen feglicher als bei einer abgestellet werden'.

    Diese und noch ,weiters ad rem tauglich findende argu-menta in contrarium' solle der Congresscommissr ,auf dien-sambe Art' dem Congresse

    ,vorstellen und begreifen machen',

    falls bei selbem der Unionsantrag eingebracht wrde, um dieVersammlung ,nach Mglichkeit von solchem Absehen abzu-leiten'. Sollte aber ungeachtet aller geziemenden Einwendungendie Nation ,hierob insistiren', so habe der Commissr einensolchen Antrag ,simpliciter ad referendum zu nehmen unddarber ganz fbrdersamb anhero (an den Hofkriegsrath) zuberichten'.

    Was hier der Hofkriegsrath in unangenehme Eventualittgestellt, das traf in Wirklichkeit ein. Graf Odwyer zeigte demHofkriegsrathe unter dem 4. Februar 1726 an, dass er denWahltag fr den 17. dieses Monats festgesetzt und der Nationkund gemacht habe. Am 16. Februar traf er in Carlowitzein und wurde daselbst in feierlicher Weise empfangen. Esrousste ihm schon auffllig erscheinen, dass er daselbst auchden Erzbischof von Belgrad antraf, in dessen Wohnung sichsowohl der Clerus als smmtliche Deputirte eingefunden hatten,als der Congresscommissr demselben seine Gegenvisite ab-stattete. Die Mitglieder des Congresses schienen schon dadurchsymbolisch ihre Absicht andeuten zu wollen. Noch augen-scheinlicher trat diese Tendenz der Vereinigung beider Metro-polien durch die Thatsache zu Tage, dass ausser dem Erz-bischofe von Serbien auch noch dessen Suffragan von Waljewo,ferner Igumene (Ordensvorsteher) serbischer Klster, dann dieObercapitne von Parathin, Czernobara, Grotzka, Tschatschka,

    1 Concept der geheimen Instmction im k. k. Kriegsarchiv.22*

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  • 340

    Tschupria u. a. Orten in Serbien, der Stadtrichter von Belgrad,die Richter von Grotzka, endlich die Ober-Knesen von Semen-dria, Poscharevatz und Klenak, 1 also geistliche und weltlicheDeputirte aus dem Knigreiche Serbien zugegen waren und amCongresse Theil nahmen. Dabei muss man billig staunen,wesshalb Graf Odwyer gegen die Anwesenheit und Theilnhmedieser Angehrigen der Belgrader Erzdicese am Wahlactekeine Einsprache erhob, da dieses doch unzweifelhaft im Sinneund in der Intention seiner Instruction gelegen gewesen wre.

    Der Plan war wohl vorbereitet und gelang. Am Tageder Wahl, es war der 18. Februar, wurde der k. k. Congress-commissr nach altherkmmlichem Ceremonieli von dem ver-sammelten Congresse im Sitzungssaale empfangen. Fr denCommissr war im Congresslokale ein Nebenzimmer ausersehen;hier befand sich noch der in Beiner Begleitung erschieneneCameral-Oberdirector Baron Kallaneck, dann der Erzbischofvon Belgrad, die Bischfe und alle Obercapitne. Die anderenDeputirten hatten in dem grossen Nebensaale Platz genommen.

    In der Erffnungsrede bemhte sich Graf Odwyer nament-lich darzuthun, wie es ,hchst anheischig* sei, dass ,drei Can-didaten zur Einsetzung des in Erledigung gediehenen SedisMetropolitanae' dem Kaiser vorgeschlagen werden sollten. Auchsolle der Congress den Tauglichsten und Meritirtesten zum Erz-bischofe whlen, der auch ehedem in den Erblndern wohnhaftwar und nicht minder ein wahres und ntzliches Beispiel ihrerReligion sei.

    Nachdem die Ansprache in die illyrische Sprache ber-setzt, ffentlich verlesen und verdollraetscht worden war, ver-sprachen die Versammelten mit Bezug auf die Meriten des neuzu Erwhlenden Alles, bezglich der Dreiercandidation batensie aber ,umb einen Abtritt, umb ber dieses gemeinschaftlichzu deliberiren und auszumachen'. Das wurde gestattet; beidem Wiedererscheinen stellte jedoch die Versammlung .mitaller geziemenden Submission' vor, sie knnte ,sich keinerDingen in den Vorschlag der drei Candidaten einverstehen',da hiervon weder in ihren Privilegien und Freiheitsbriefenetwas enthalten sei noch aus der Vergangenheit hierber ein

    1 Vgl. die Originaluntersrhriften auf dem Majesttsgesuche des Congrewe*im k. k. Kriegwchiv.

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  • 341

    Exempel vorliege. Es wre vielmehr ,allezeit derjenige in solidum,auf welchen die Vota unanima ausgefallen seien qua Archi-Episcopus et Metropolita usque ad ulteriorem contirmationemCaesar am allsogleich publicirt und installirt worden'. Deshalbbaten sie, dass ,eine ebenmssige Modalitt auch hac occasionebeobachtet werden mchte'. Der Congresscommissr wollte siedagegen bereden, dass durch eine solche Terna-Candidation

    ihre Privilegien nicht geschmlert, denselben auch nicht immindesten prjudicirt wrde, ja dass dieser Tema-Vorschlagnur ,ein neues Zeichen ihrer zugethanen Fidelitt, Gehorsambund unwandelbaren Ergebenheit gegen Ihre kais. Majestt'sei und neue Gelegenheit zur Erweckung eines allergndigstenWohlgefallens erffne. Aber weder diese noch die dritten ,sehrnervsen Vorstellungen' des Commissrs hatten einen besserenErfolg. Die Versammlung berathschlagte ,mit erhobener Stimme'und berief sich auf die bisherigen Metropolitenwahlen mit derwiederholten Bitte, es mge dieser Usus, der auch in den Pri-vilegien begrndet sei, beibehalten werden! Odwyer liess auchseinerseits noch nicht nach: ,auf das Allerheftigste' drang erauf die Annahme seiner Proposition, erhielt jedoch nur dieAntwort: ,Gleichwie sie nur ein einziges Kirchenhaupt zu habenverlangen, also thun sie auch ber die Freiheit nur ein ein-ziges Subjectum ad ulteriorem confirmationem zu eligiren dieAnsuchung'.

    Odwyer's Lage war unerquicklich; sogleich beim erstenAnlaufe zurckweichen zu mssen, mochte ihm als ein bsesOmen erscheinen. Er lenkte jedoch insoferne ein, als er denbisherigen Usus zugestand, aber hinzufgte, dass ein bisheriger

    Gebrauch durch ein gemeinschaftliches Einvernehmen verbes-sert und corrigirt' werden knnte. Allein auch dieses Zuge-stndniss und diese Concession, wornach statt des Octroi's einegemeinschaftliche Berathung stattfinden sollte, fruchtete nichts.Da forderte der Commissr den urkundlichen Beweis dafr,dass die Wahl blos eines Candidaten in den Privilegion be-grndet sei. Diese Beweisfhrung fiel dem Congresse nichtschwer, denn er berief sich auf das erste Leopoldinum vom21. August 1690, worin es heisst: ,Liceat vobis, inter vos, expropria Facultate, ex Natione et Lingua Rasciana constituereArchi-Epi8copum, quem Status Ecclesiasticus et Saecularis interse elegit.' Dabei gaben die Deputirten zu, dass die Canoncs

  • 342

    der griechischen Kirche bei Besetzung von Bisthmern auchden Vorschlag dreier Oandidaten erlauben; ,mit einem Metro-politen und Erzbischof sei es aber eine weit differente Sach', dadie Privilegien buchstblich nur einen Candidaten zu whlenbestimmen. Schliesslich suchte der Commissr die Dreiercan-didation dadurch zu retten, dass er bemerkte, der Kaiser wrdeauch in diesem Falle stets denjenigen confirmiren, welcher auchder Nation am liebsten sei.

    Alle Bemhungen des Commissrs waren jedoch ver-geblich, die Versammlung beharrte nicht blos bei ihrem Stand-punkte, sondern ,begann etwas unruhig zu werden'. Deshalbmachte der Commissr die Erklrung, Se. Majestt wolle inAnbetracht der bisherigen Verdienste der illyrischen Nation,fttr dieses und letzte Mal die ErlaubnuB' einrumen, ,ein ein-ziges Subjectum zu erwhlen'. Dieser a. h. Gewhrung werdeaber ,die hchst feierliche Protestation angehnget, dass dieseex speciali gratia ertheilte permission nicht weiters als nur aufdieses Mal zu extendiren seie'. In Zukunft sollten sie sichgefasst halten, ,auf den sichern Vorschlag usque ad benignissi-raam confirmationem Caesaream deren dreier Candidaten zugedenken*.

    Die Versammlung trat hierauf neuerdings in Berathungzusammen und beschloss in Bezug auf diesen Regierungsvor-behlt, dass ,sie nicht allein hoffen, als auch tief unterthnigstbitten, dass die Vorschlagung deren drei Candidaten ihnen aufdergleichen weiters sich ergebenden Fall nicht aufgebrdetwerden mchte; sondern dass sie bei der bis anhero blichgewesten Observanz gelassen, noch einige Neuigkeiten (sc. Neue-rungen) in ihrem Ritu cingefhrot werden mchten'. Der Com-missr bestand jedoch darauf, diese ,eingelegte Protestation adprotocollum' zu fuhren und ,pro futura memoria aufzubehalten,welches sie zu thuen auch versprachen'. 1

    So hatte die Ausdauer und Beharrlichkeit des Congressesden ersten bedeutsamen Sieg ber die Propositionen der Regie-rung errungen. Das gab Muth und Hoffnung fr das Weitere. Nach-dem nmlich das obige Hinderniss wegen des Ternavorschlagesbeseitigt worden war, nahmen die Deputirten ihre vorigen Sitze

    Vgl. Odwyers ,Torlafigen Bericht' vom 18. Februar and seine,Schium-

    relation' vom 18. Mrz 1726 im k. k. Kriegsarchiv.

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  • 343

    wieder ein und der Commissr forderte sie zur Wahl;eines

    exemplarischen und tauglichen Kirchenhauptes auf'. Sodanntraten die Congressmitglicder ab, bis auf ,den einzigen HerrnErzbischofen und Metropoliten von Belgrad, so jederzeit aufseinem einsamen Sitz geblieben, noch durch die ganze Zeit eineinziges Jota pro und contra moviret hatte*. Moses Petrovichwar ja ein ,kluger Mann', hatte berdies die Sache frher wohlvorbereitet und harrte nun in Geduld und Schweigen des ge-wissen Sieges. Sein persnliches Interesse war in diesem Falleum so mehr gesichert, als es mit dem Interesse der Nationzusammenfiel. Seiner Whler war er sicher, wozu htte ersich exponiren sollen, um dadurch etwa nach oben hin un-mglich zu werden?!

    Als nun die Congressmitglieder abermals im grossenSitzungssaale in corpore versammelt waren und den heiligenGeist angerufen hatten, erhob sich auf einmal ein lautes Ge-schrei, womit der Congress ,unanimi et communi voto* denErzbischof von Belgrad, Moses Petrovich, zum Metro-politen der gesammten serbischen Kirche acclamirte.

    Der Commissr war von dieser Wendung der Dinge nichtwenig berrascht; er bot seine ganze Beredsamkeit auf, umdiesen Beschluss rckgngig zu machen. Vor Allem wies erauf die aus einer solchen Wahl ,entspringenden Inconvenienzen'hin; Erzbischof Petrovich habe ohnedies ,genugsame Officiaecclesiastica in Serwien, Banat und (in der) kaiserl. Walacheizu versehen; es wrde also sowohl im Interesse der Kirchewie der ganzen Nation liegen, wenn das Seelenheil durch zweiHupter besorgt wrde, wie das bisher der Fall war. Dasmge der CongreBs in ,reifere Consideration* ziehen und ,nocheinmal solches digesta deliberatione prponderiren'. Damit derZweck vollkommen erreicht werde, mge der Congress aber-mals die Gnade des heiligen Geistes anrufen.

    Die Versammlung erhob dagegen ,geziemend' die Ein-wendung, dass die Leitung der Kirche durch zwei Hupter,nur ein accidens gewesen sei', da ja der eine Erzbischof (Pe-trovich) unter dem trkischen Joche qua talis gestanden, esfolglich auch nicht anders sein konnte. Nun wren aber durchdie Hilfe Gottes und mittelst der kaiserlichen Waffen wiederumSerbien, Banat und die Walachei ,aus deren UnglubigenHnden liberiret worden', dem zufolge die Nation auch nur ein

  • einziges kirchliches Oberhaupt in den kaiserlichen Landen zubesitzen wnsche.

    Nichtsdestoweniger nahmen die Deputirten den Rathschlagdes Commissiirs an und begaben sich in den grossen Sitzungs-saal zurck. Hierauf verrichtete der unter seinen Glaubens-genossen ,allorwegen in fama Sanctitatis ausschallende alteBischof Nikanor Melentievich, so sein Bisthum verlassen undals ein simpler Kaluger oder Religis im Kloster Kroschenthal(Krusehodol) sein Lebon vollziehet', in feierlicher Weise dasQebet zur Anrufung des heiligen Geistes.

    Nach Beendigung dieser Ceremonie ,haben die samment-lichon angowesten Deputirte unanimi et communi voto mitholler stimm durch dreimaliges Ausrufen auf den Herrn MoysemPotrovich abermals aufgeschrieen, worauf der erstbesagte alteRischot in suo vestitu in Begleitung aller Anwesenden' zumCommissr trat und unter Bezeigung ihrer Devotion gegenberdorn Kaiser den Moses Petrovich ,zweifelsohne aus gttlicherInspirirung erwhlt zu haben erklrten'.

    So erzhlt Graf Odwyer selbst dieses ,neue widrige acci-dens\ das abzulehnen er sich ,auf das Aeusserste nach allenKrfter. bemhte'. Er wiederholte nicht blos seine frherenGegenVorstellungen, sondern ersuchte auch die Bischfe unddie brig* Geistlichkeit, die Sache ,unter sich selbsten in so-lidum wohl zu berleben'. Der Clerus trat hierauf allein zu-sammeu und kehrte sodann gleichfalls mit seinem .unanimivoto zurck, dass er .kein wrdigeres noch verstndigeres Sub-

    jectura* linden knne, als den Erzbisehof Moses Petrovich.IHssolbe Resultat ergab sieh nach Abtretung und gesonderterRerathschlagurig der Militr und der Civildeputirten. Dabeiberief sieh der Congress wiederholt auf den Inhalt der Privi-legien, wvrnaeh die Griechiseh-Nichtunirten aar ein Kirchen-oberhaupt habeu sollten.

    es .Moses ivuvxun. aer wanrena aes c&nsea verxanrens jamniund unb*wv*T:ch a^f se:=

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    Ad-:u**s:r*i>,a iec k^-iasfcoi*a iari.\c_-oi rtac Mdern

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    auch der Erzbischof Petrovich selbst ,umb ein Merkliches inseiner ohnedem debilirten Leibsconstitution geschwchet werden*.Es wre daher ,viel rath- und heilsamer', an die Conservirungseiner Person zu denken und ihn einer solchen schweren Brdezu entheben. Zudem htten sie ja auch bisher zwei Metro-politen gehabt; deshalb sollten auch zuknftig nach reiferUeberlegung der Dinge zwei Kirchenhupter beibehalten bleiben.

    Die Anrufung des persnlichen Moments verfleug indessenbei dem Oongresse ebensowenig als die Anfhrung der sach-lichen Gegengrnde seines Vorhabens. In ersterer Beziehunghatten ja die Congressmitglieder die Gewissheit, dass ihreWahl nur der heisse Wunsch des Erwhlten selber sei undin Hinsicht auf die sachlichen Einwendungen bemerkten siedem Commissr, sie htten alle seine Motive wohl und ge-nugsam schon berlegt und die Ueberzeugung erlangt, dasshierdurch weder der a. h. Dienst noch ihre ,eifrigste undtreuunterthnigste Prstirung' verabsumet oder auch nur ge-hemmt werde. Ebenso wrde auch ,secundum eorum usum di-vinarum rerum administratio' nicht im mindesten Schaden leiden.Das bisherige Vorhandensein der zwei Metropolien rechtfertigtensie durch den abermaligen Hinweis auf die bestandenen politi-schen Verhltnisse, denen gemss es ,nicht anders sein konnte,als daas in beiden, sowohl christlichen als unglubigen (trki-schen) ditionen zwei Kirchenhupter haben constituirt werdenmssen'. Mit dem Wegfall dieser Verhltnisse haben sich auchdie Umstnde in der Kirche gendert; schon bei Lebzeitende

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Archiv tür österreichische Geschichte. Herausgegeben zur Pflege vaterländischer Geschichte autgestellten Commission tot kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Zweiundsechzigster Band. Erste Hälfte. Wien, 1880. "Hl In Commission bei Carl Gerold'« Sohn Her der k. Akademie der Digitized by
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