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HaysWorld: Intuition (Gesamtausgabe 01/2013)

Date post:20-Jan-2015
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Kopf oder Bauch - wie entscheiden Sie? Verlassen Sie sich auf Ihre Intuition oder wägen Sie lieber alle Argumente sorgsam gegeneinander ab und folgen damit dem rationalen Weltbild, das unser Denken seit der Aufklärung prägt? Einem Weltbild, das allerdings zunehmend ins Wanken gerät. Denn je vielschichtiger sich unsere Realität gestaltet, umso schwieriger lässt sie sich mit dem Verstand allein greifen. "Wenn man in einer unsicheren Welt Entscheidungen treffen möchte, ist weniger oft mehr", bestätigt Professor Dr. Gerd Gigerenzer im Interview. Der Psychologe und Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung sieht in der Intuition, die er als "gefühltes Wissen" definiert, vor allem die Kunst, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und auf dieser Kunst, so seine Aussage, basierten mittlerweile immerhin die Hälfte aller Entscheidungen in Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommen auch andere Studien. Zeitdruck, Komplexität und Unsicherheit sind es, die immer mehr Führungskräfte dazu bewegen, nicht nur auf ihren Kopf, sondern auch auf ihre innere Stimme zu hören. Und das ist gut so, wie der Dipl.-Ing. Dr. Otto Greiner im Artikel "Störungen sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel" erklärt. "Mit noch mehr Planung und noch mehr Kontrolle lässt sich Unvorhersehbarkeit nicht in den Griff bekommen", so sein Credo. Der Lektor für Bauprojektmanagement, Bauingenieurwesen und Architektur an der FH Kärnten hat deshalb einen neuen Ansatz entwickelt: Er kombiniert kybernetisches Projektmanagement mit Intuition und hält damit Kosten und Termine bei seinen Projekten nicht nur ein, sondern unterschreitet sie teilweise sogar. Dennoch: Nicht in allen Situationen ist es ratsam, auf sein Bauchgefühl zu hören. Denn Intuition beruht zu einem großen Teil auf Erfahrungswissen. Je mehr ein Entscheider bekanntes Terrain verlässt, umso wahrscheinlicher wird es deshalb, dass ihn seine innere Stimme auf die falsche Fährte lockt. Daher raten Experten, intuitive Beschlüsse auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen - entweder in einem Team aus unterschiedlichen Persönlichkeiten oder mithilfe seriöser Seminaranbieter. Woran man Letztere erkennt und inwieweit sich Intuition überhaupt trainieren lässt, erfahren Sie von Professor Dr. Erich Kirchler vom Institut für Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluation an der Universität Wien im Interview. Welche Bedeutung hat nun also die Intuition für die moderne Arbeitswelt? Ist sie ein "Must-have", eine neue professionelle Kompetenz? Oder eher ein Störfaktor im betrieblichen Getriebe? In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine angenehme und anregende Lektüre.
Transcript:
  • 1. HAYSWORLDDas Kundenmagazin fr Deutschland,sterreich und die Schweiz 01/2013INTUITION

2. INHALTHAYSWORLD 01/2013 INTUITION04 Die Hlfte der Entscheidungen in Unternehmen sind BauchentscheidungenInterview mit Prof. Dr. Gerd Gigerenzer08 Management by BauchgefhlFhrungskrfte entdecken die Intuition als wichtiges Soft Skill10 3 Fragen an...Psychologieprofessor Dr. Erich Kirchler12 Jeder Kopf irrt sich mal, jeder Bauch genauso Umfrage zur Rolle der Intuition bei der Personalauswahl15 Intuitiv bedienbarWarum eine gute Usability von Produkten nicht 08selbstverstndlich ist20 Strungen sind nicht die Ausnahme, sondern die RegelWie der Mix aus Kybernetik und Intuition hilft, Bauprojekte zeit- und kostengerecht umzusetzen22 Alle Kunst ist Intuition?MANAGEMENT BY BAUCHGEFHLInterview mit Prof. Axel Heil Wissenschaftler und Manager erklren, wann und wie die innere Stimme bei der Entschei-24 Mit Scharfsinn und Sprnase dungsfindung hilft und wie man sie schult.Wie intuitive Empathie die Ermittlungsarbeit untersttzt26 Drahtseilakt die Mischung aus Intuition und SystematikInterview mit Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann30 HaysWorld online und Gewinnspiel31 News und TermineIMPRESSUMHerausgeber:Hays AGMarketing/Corporate Communications, Frank SchabelWilly-Brandt-Platz 13, 68161 MannheimAuflage: 23.000Chefredaktion: Alexandra MaierAutoren dieser Ausgabe: Judith-Maria Gillies, Bernd Mller, JanaNolte, Frank Schabel, Bernd Seidel, Michael VogelGestaltung: srg werbeagentur ag, MannheimFotos: Fotolia, Mathias Ernert, getty images, istockphotoDruck: Dinner Druck GmbH, Schlehenweg 6,77963 Schwanau, Ortsteil AllmannsweierKontakt:HaysWorld-Redaktion 26Telefon: +49 621 1788-1490 E-Mail: [email protected]: Fr den Nachdruck von Beitrgen auchauszugsweise ist die schriftliche Genehmigung derRedaktion erforderlich. Dies gilt auch fr die Aufnahmein elektronische Datenbanken und fr die Vervielfltigungauf elektronische Datentrger. DRAHTSEILAKT DIE MISCHUNG AUS INTUITION UND SYSTEMATIK Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann, Sportpsycholo- ge der deutschen Fuballnationalmannschaft, ber den Stellenwert der Intuition im Sport und in der Arbeitswelt.02 | HaysWorld 01/2013 3. EDITORIALIntuition bietet einen wichtigen inneren Kompass beiEntscheidungen, doch sie ersetztdas Nachdenken nicht.LIEBE LESERINNENUND LESER,Kopf oder Bauch wie entscheiden Sie? Verlassen Sie sichaus unterschiedlichen Persnlichkeiten oder mithilfe seri-auf Ihre Intuition oder wgen Sie lieber alle Argumenteser Seminaranbieter (S. 08). Woran man Letztere erkenntsorgsam gegeneinander ab und folgen damit dem rationa- und inwieweit sich Intuition berhaupt trainieren lsst, er-len Weltbild, das unser Denken seit der Aufklrung prgt?fahren Sie von Professor Dr. Erich Kirchler vom Institut frEinem Weltbild, das allerdings zunehmend ins WankenWirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evalua-gert. Denn je vielschichtiger sich unsere Realitt gestaltet, tion an der Universitt Wien im Interview (S. 10).umso schwieriger lsst sie sich mit dem Verstand alleingreifen. Welche Bedeutung hat nun also die Intuition fr die mo- derne Arbeitswelt? Ist sie ein Must-have, eine neueWenn man in einer unsicheren Welt Entscheidungenprofessionelle Kompetenz? Oder eher ein Strfaktor imtreffen mchte, ist weniger oft mehr, besttigt Professor betrieblichen Getriebe? Jeder Kopf irrt sich mal, jederDr. Gerd Gigerenzer im Interview (S. 04). Der Psychologe Bauch genauso, sagt ein Recruiting-Profi in unserer Um-und Direktor des Max-Planck-Instituts fr Bildungsfor- frage nach der Rolle der Intuition bei der Personalauswahlschung sieht in der Intuition, die er als gefhltes Wissen (S. 12) und trifft damit den Nagel auf den Kopf: Die Intui-definiert, vor allem die Kunst, sich auf das Wesentliche zution bietet einen wichtigen inneren Kompass bei Entschei-konzentrieren. Und auf dieser Kunst, so seine Aussage, dungen, sie hilft, sich durch die Informationsflut unseresbasierten mittlerweile immerhin die Hlfte aller Entschei- digitalen Zeitalters zu navigieren. Doch: Sie ersetzt dasdungen in Unternehmen. Nachdenken nicht. Dem tschechischen Autor und Aphoris- tiker Pavel Kosorin ist daher zuzustimmen, wenn er sagt:Zu diesem Ergebnis kommen auch andere Studien. Zeit- Wenn man sich von der Intuition leiten lsst, muss mandruck, Komplexitt und Unsicherheit sind es, die immer systematisch vorgehen.mehr Fhrungskrfte dazu bewegen, nicht nur auf ihrenKopf, sondern auch auf ihre innere Stimme zu hren. UndIn diesem Sinne wnsche ich Ihnen eine angenehme unddas ist gut so, wie der Dipl.-Ing. Dr. Otto Greiner im Artikel anregende Lektre.Strungen sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel(S. 20) erklrt. Mit noch mehr Planung und noch mehrKontrolle lsst sich Unvorhersehbarkeit nicht in den Griffbekommen, so sein Credo. Der Lektor fr Bauprojektma- Klaus Breitschopfnagement, Bauingenieurwesen und Architektur an der FHKrnten hat deshalb einen neuen Ansatz entwickelt: Erkombiniert kybernetisches Projektmanagement mit Intuitionund hlt damit Kosten und Termine bei seinen Projektennicht nur ein, sondern unterschreitet sie teilweise sogar. Vorstandsvorsitzender der Hays AGDennoch: Nicht in allen Situationen ist es ratsam, auf seinBauchgefhl zu hren. Denn Intuition beruht zu einem gro-en Teil auf Erfahrungswissen. Je mehr ein Entscheider be-kanntes Terrain verlsst, umso wahrscheinlicher wird esdeshalb, dass ihn seine innere Stimme auf die falsche Fhr-te lockt. Daher raten Experten, intuitive Beschlsse auf ihreRichtigkeit hin zu berprfen entweder in einem Team HaysWorld 01/2013 | 03 4. 04 | HaysWorld 01/2013 5. Interview mit Prof. Dr. Gerd GigerenzerDIE HLFTE DER ENTSCHEIDUNGENIN UNTERNEHMEN SIND BAUCHENT-SCHEIDUNGENWie treffen Sie Entscheidungen? Knnen Sie berhaupt Kriterien benennen?Nein? Nicht schlimm, sagt Professor Dr. Gerd Gigerenzer, das macht IhreEntscheidungen keineswegs schlechter. Der Psychologe ist Direktor amMax-Planck-Institut fr Bildungsforschung in Berlin. Sein bisher bekanntestesBuch Bauchentscheidungen ist in 17 Sprachen erschienen. Er bildet auerdemManager, amerikanische Bundesrichter und deutsche rzte in der Kunst desEntscheidens und im Umgang mit Risiken und Unsicherheiten aus.Das Interview fhrte Jana Nolte Herr Professor Gigerenzer, einer der meistzitierten Wo liegen evolutionsgeschichtlich gesehen die Wurzeln Stze von Ihnen lautet: Gute Intuitionen mssender Intuition? Wieso verfgt der Mensch darber? Informationen ignorieren. Wrden Sie diesen Satz bitte erlutern?Ohne Intuition brchten wir wenig zustande! Der grte Teil unseres Gehirns funktioniert intuitiv, permanent Wenn man in einer unsicheren Welt Entscheidungenvollbringt es Leistungen, die wir berhaupt nicht bemer- treffen mchte, ist weniger oft mehr. Intuition ist die ken oder reflektieren. Das beste Beispiel ist Autofahren: Kunst, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und denDenken Sie darber nach, wann Sie welches Pedal benut- Rest also berflssige Informationen zu ignorieren. zen? Nein, Sie handeln intuitiv. Ist Intuition das Ergebnis individueller Erfahrung? Was unterscheidet Intuition von Instinkt? Oder reine Emotion? Geistesblitz? Instinkt ist eine angeborene Verhaltensweise, die ichIntuition beruht zu einem groen Teil auf Erfahrung nicht ndern kann. Intuitionen kann man analysieren die sich jedoch nicht artikulieren lsst. Es ist ein Gespr, und ndern. In wissenschaftlichen Studien haben wiretwas Unbewusstes. Intuition ist gefhltes Wissen. bei Sportlern, aber auch in Unternehmen Faustregeln entdeckt, sogenannte einfache Heuristiken, nach denen Personen intuitiv handeln. Gerade Personen, die sehr kom- Der Begriff intuitiv richtig ist sehr gebruchlich. petent sind, knnen sich ihre Handlungen selbst meist nichtIntuitiv falsch dagegen gar nicht. Liegt die Intuition erklren. Wir haben etwa untersucht, wie Baseballer also immer richtig? einen hoch fliegenden Ball fangen: Kaum ein Spieler konnte erklren, wieso er wei, in welche Richtung undNein wie brigens auch mathematische Berechnungenwie schnell er laufen soll. Der Spieler agiert gem einersich nicht immer als richtig erweisen. Ein Beispiel fr in-unbewussten Regel: Wenn ein Ball hoch ankommt, richtettuitiv falsches Verhalten: Nach dem 11. September 2001 der Spieler den Blick auf den Ball, beginnt zu laufen undhaben viele Amerikaner ihr Reiseverhalten drastisch ver- passt seine Geschwindigkeit so an, dass der Blickwinkelndert. Sie flogen weniger und benutzten stattdessen das konstant gleich bleibt. Diese Faustregel benutzt er nichtAuto. 1.600 Amerikaner kamen so unntigerweise durch bewusst, sondern intuitiv.Autounflle ums Leben beim Versuch, nicht zu sterben.Hinter diesem Verhalten steckt ein Gefhl, das evolutionrbedingt ist, nmlich die Angst, gemeinsam mit anderenWie lassen sich solche Faustregeln denn fr andereMenschen zum gleichen Zeitpunkt zu sterben. Diese Furcht Menschen oder Situationen nutzen?stammt wahrscheinlich aus der Zeit, als die Menschennoch in kleinen Gruppen lebten. Der pltzliche Tod eines Es kommt drauf an: Manchmal knnen diese Regeln ver-Teils der Gruppe konnte das berleben der ganzen Gruppebal weitergegeben werden, manchmal nonverbal. In meinemgefhrden. Buch Bauchentscheidungen erluterte ich das am BeispielHaysWorld 01/2013 | 05 6. Wir haben etwa untersucht, wie Baseballer einen hoch fliegenden Ballfangen: Kaum ein Spieler konnte erklren, wieso er wei, in welche Richtungund wie schnell er laufen soll.Konstanter Blickwinkel LaufrichtungWenn ein Ball hoch ankommt, richtet der Spieler den Blick auf den Ball, beginnt zu laufen und passt seine Geschwindigkeit so an, dass der Blickwinkelkonstant gleich bleibt. Diese Faustregel benutzt er nicht bewusst, sondern intuitiv.06 | HaysWorld 01/2013 7. eines amerikanischen Drogenfahnders, der unter Hunder-Wie stehen Sie zu Fr-und-Wider-Listen?ten von Passagieren sehr zuverlssig den Drogenschmugg-ler erkennen konnte. Bis es so weit war, begleitete er zehn Ich komme oft schneller und besser weiter, indem ich ver-Jahre lan

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