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Beschäftigungsimplikationen und ökologische Wirkungen ...· P00-522 Beschäftigungsimplikationen

Date post:09-Dec-2018
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Querschnittsgruppepapers Arbeit und kologie

P00-522

Beschftigungsimplikationen undkologische Wirkungen einer

Verlngerung und Intensivierungder Produktnutzung

Gerd U. Scholl

WISSENSCHAFTSZENTRUM BERLINFR SOZIALFORSCHUNG

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Im WZB sind auf Initiative des Prsidenten Querschnittsgruppen zu Themeneingerichtet worden, die in mehreren Abteilungen bearbeitet werden und abtei-lungsbergreifend besondere Aufmerksamkeit verdienen. Bestehende For-schungsanstze und Forschungsarbeiten werden neu ausgerichtet auf wissen-schaftliche Zusammenhnge hin, deren Erforschung von der Verknpfung unter-schiedlicher abteilungsspezifischer Kompetenzen profitieren kann. In Quer-schnittsgruppen werden auf Zeit problembezogene Forschungskooperationen or-ganisiert.

Die Querschnittsgruppe Arbeit & kologie konzentriert ihre Aktivitten in denJahren 1998 und 1999 auf ein Forschungsprojekt, das soziale und arbeitspoliti-sche Aspekte in ihrer Wechselwirkung mit zentralen Elementen von unterschied-lich akzentuierten Nachhaltigkeitskonzepten zum Untersuchungsgegenstand hat.Es wird in einem Forschungsverbund mit den Kooperationspartnern DeutschesInstitut fr Wirtschaftsforschung (DIW) und Wuppertal Institut fr Klima, Umwelt,Energie (WI) durchgefhrt und von der Hans-Bckler-Stiftung (HBS) gefrdert.An dem Projekt Arbeit + kologie beteiligen sich seitens des WZB Wissen-schaftler und Wissenschaftlerinnen aus sechs Forschungseinheiten. Eckart Hil-debrandt (Abteilung Regulierung von Arbeit) und Helmut Weidner (AbteilungNormbildung und Umwelt) koordinieren die Querschnittsgruppe und leiten dasForschungsprojekt, an dem auch externe Experten beteiligt sind.

ber die Arbeitsergebnisse wird fortlaufend in WZB-discussion-papers informiert.Eine bersicht der bisher erschienenen Papiere findet sich am Ende des vorlie-genden papers.

Weitere Projektinformationen sind im Internet unter http://www.wz-berlin.de/aoe/und http://www.a-und-oe.de erhltlich.

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Die Gewerkschaften haben im DGB-Grundsatzprogramm von 1996 die Gestal-tung einer nachhaltigen Entwicklung zu einer wichtigen Aufgabe erklrt. Ihre Su-che nach einer sozial-kologischen Reformstrategie steht unter der Prmisse,da konomische, kologische und soziale Nachhaltigkeitsziele gleichwertigverfolgt werden mssen, wobei erhebliche Defizite bei der Bercksichtigung dersozialen Dimension von Nachhaltigkeitskonzepten konstatiert werden.

Vor diesem Hintergrund haben sich die drei Forschungsinstitute DIW, WI undWZB mit ihren jeweils spezifischen fachlichen Kompetenzbereichen zum For-schungsprojektverbund Arbeit + kologie zusammengetan. Dessen Hauptzielist es, soziale und arbeitspolitische Aspekte in ihrer Wechselwirkung mit zentra-len Elementen von unterschiedlich akzentuierten Nachhaltigkeitskonzepten zuuntersuchen. Damit soll die Diskussion in Deutschland mit neuen Aspekten be-lebt und den Gewerkschaften eine fundierte Grundlage fr ihren Strategiebil-dungsproze geboten werden.

Dabei wird sich das Forschungsprojekt auf drei Leitfragestellungen konzentrie-ren: (1) das Verhltnis zwischen den sozialen Implikationen von Nachhaltigkeits-strategien und gewerkschaftlichen Zielen, (2) die Bausteine einer sozial-kologi-schen Reformstrategie und (3) die Rolle der deutschen Gewerkschaften in einemgesellschaftlichen Nachhaltigkeitsdiskurs.

Das Projekt ist in die folgenden drei, zeitlich gestaffelten Phasen gegliedert:

Querschnittsanalysen: Sie dienen der Erfassung und Klrung der vielfltigenWechselbeziehungen zwischen Nachhaltigkeit und Arbeit, die sich aus konomi-scher, sozialer und kologischer Sicht ergeben. Hierbei wird es auf der Makro-ebene etwa um Fragen von Wirtschaftswachstum, Beschftigungsentwicklung,sozialer Sicherheit und Ressourcenverbrauch gehen; auf der Mikroebene werdenneue Arbeitsverhltnisse und Arbeitszeiten, das Verhltnis von formeller und in-formeller Arbeit sowie sozial-kologische Innovationspotentiale untersucht. DieAnalyseergebnisse sollen Grundlagen fr die Beurteilung von Szenarien schaffenund der Formulierung von Strategien dienen.

Szenarioanalysen: Um dem Spektrum verschiedener Positionen in der Nachhal-tigkeitsdiskussion gerecht zu werden, sollen zwei unterschiedliche Nachhaltig-keitsszenarien entwickelt und analysiert werden. Das sogenannte konomisch-soziale Szenario (DIW) geht von der konomischen Kritik an der vorherrschen-den Wirtschaftspolitik aus, whrend das sogenannte kologisch-soziale Szenario(WI) auf der kologischen Kritik vorherrschender umweltrelevanter Politikmusterbasiert. Als Hintergrundfolie fr die Beurteilung dieser beiden Nachhaltigkeits-szenarien dient ein sogenanntes angebotsorientiertes Kontrastszenario (DIW),das auf einer Fortschreibung bisher dominierender wirtschaftspolitischer Kon-zepte beruht.

Erarbeitung von Strategieelementen: Die Bewertung der Szenarien nach (ausden Querschnittsanalysen gewonnenen) konomischen, kologischen und so-zialen Kriterien der Nachhaltigkeit soll Zielkonflikte und -synergien aufdecken unddamit der Strategieformulierung dienen. Diese knnen gemeinsam mit weiterenStrategien, die aus der Analyse von Konfliktpotentialen und aus den Quer-schnittsanalysen gewonnen wurden einen Beitrag fr die Entwicklung einergewerkschaftlichen sozial-kologischen Reformstrategie liefern.

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Der Versuch, soziale Interessenlagen und gesellschaftliche Entwicklungsdynami-ken mit kologischen Anforderungen in Verbindung zu bringen, stt unmittelbarauf die tiefe Trennung der gesellschaftlichen Systemlogiken (kologie, kono-mie, Soziales), die in den gltigen Regelungssystemen, den Strategien undManahmen der gesellschaftlichen Akteursgruppen in den jeweiligen Politikfel-dern und auch in den Kpfen der Wissenschaftler eingeschrieben ist. Obwohlimmer wieder Initiativen zur Verknpfung von Arbeit und kologie gestartet wer-den, sind diese bisher punktuell und widersprchlich geblieben. Das Beispiel derBeschftigungswirkungen von Umweltschutzmanahmen ist hier das prgnante-ste. Eine systematische Analyse der Vielfalt und der Vielschichtigkeit der Zu-sammenhnge steht bisher aus.

Zur berwindung dieser Segmentierung, und um die vielfltigen Wechselwirkun-gen zwischen Arbeit und kologie zu erfassen, fhrt das WZB fr den arbeitspo-litisch-sozialen Teil des Forschungsvorhabens eine breite berblicksanalyse zuden Berhrungspunkten zwischen Arbeit und kologie durch, die durch drei Poli-tikfelder geprgt werden: den Entwicklungstrends der Erwerbsarbeit (Wettbe-werbsmodelle), der Stellung der Arbeit in Nachhaltigkeitskonzepten bzw. ihre ar-beitspolitischen Folgen und den Zukunftserwartungen an Arbeit, wie sie von derArbeitsbevlkerung und ihren Interessenvertretungen gesehen werden (Wohl-standsmodelle).

Mit dieser Vorgehensweise soll (a) die ganze Breite arbeitspolitischer Gestal-tungsfelder durchgeprft werden, um sicherstellen, da auch die eher indirektenkologischen Voraussetzungen und Folgen arbeitspolitischer Strategien erfatwerden, (b) die verschiedensten Wechselwirkungen analysiert werden, ohne sieaus den arbeitspolitischen Bewertungszusammenhngen zu lsen, sowie (c)durch die breite berblicksanalyse alle fr eine gewerkschaftliche Nachhaltig-keitsstrategie relevanten Felder und Strategien ausfindig gemacht werden, d. h.sowohl Bereiche hoher Synergie wie auch Bereiche absehbarer Konflikte.

Aufgrund der Wahl eines breiten, berblicksanalytischen Ansatzes ergab sichnotwendigerweise das Problem der Strukturierung und Bndelung der zahlrei-chen Themenbereichsanalysen. Hierzu wurden fnf Themenfelder konstruiert, indenen Detailanalysen anzufertigen waren, die um berblicksanalysen ergnztwerden. Die Themenfelder lauten:

I. Arbeit im und durch UmweltschutzII. Risiken und Chancen in der Erwerbsarbeit, neue Arbeitsformen und Arbeits-

verhltnisseIII. Gesundheitsschutz Arbeitsschutz UmweltschutzIV. Neue Formen der Arbeit und der VersorgungV. Neue Regulierungsformen

Die arbeitspolitisch-soziale Querschnittsanalyse des WZB stellt mit ihrer Vielzahlvon Bereichsanalysen durch die analytische Erschlieung des Zusammenhangsvon Entwicklungstrends der Erwerbsarbeit mit den Anforderungen einer nachhal-tigen Entwicklung unter Einbeziehung der subjektiven Wertvorstellungen zu Ar-beit einen eigenstndigen Forschungsschritt dar. Mit der Verffentlichung dereinzelnen Studien werden die Resultate der arbeitspolitisch-sozialen Quer-schnittsanalysen einer breiten Diskussion zugnglich gemacht.

* Institut fr kologische Wirtschaftsforschung (IW),Regionalbro Baden-Wrttemberg, Heidelberg

P00-522

Beschftigungsimplikationen undkologische Wirkungen einer

Verlngerung und Intensivierungder Produktnutzung

Gerd U. Scholl*

Zusammenfassung

Anstze zur Nutzungsintensivierung und Nutzungsdauerverlngerung von Produk-ten (z. B. Instandhaltungsleistungen, Wiederverwendung, Vermietung, gemeinsameNutzung, ergebnisorientierte Dienstleistungen) knnen eine Entschleunigung undVerringerung von Material- und Energieflssen bewirken. Sie tragen dazu bei, da derzur Bedrfnisbefriedigung notwendige Gterbestand verringert werden kann. DieAnnahme, da der dadurch ausgelste Abbau von Beschftigung im produzierendenGewerbe durch Dienstleistungen auf nachgelagerten Lebenszyklusstufen aufgefangenoder gar berkompensiert werden kann, ist bisher nicht berzeugend empirisch be-legt. Die teilweise sehr optimistischen Prognosen gelten lediglich unter der Voraus-setzung, da die Diskriminierung des Faktors Arbeit zugunsten einer Verteuerungnatrlicher Ressourcen aufgehoben wird. Knnen Langlebigkeits- und Reparaturstra-tegien hiervon vermutlich direkt profitieren, ist bei eigentumslosen Konsumformenauch unter vernderten konomischen Rahmenbedingungen mit institutionellen,organisatorischen und psychosozialen Barrieren zu rechnen.

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