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AUSGABE 1 // 2016 NEUROPAIN - .Maya-Wissen gegen Rückenschmerzen WISSENSWERT: SCHMERZTHERAPIE IN

Date post:25-Aug-2019
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  • Sehr geehrte Schmerzexpertinnen und Schmerzexperten, neuropathische Schmerzen zu erkennen und effektiv zu therapieren, bleibt eine Herausforderung: Viele Faktoren der Schmerzpathogenese sind bereits entschlüsselt, andere liegen noch im Dunkeln. Eine breite Substanzpalette steht für die Therapie zur Verfügung. Und doch wissen Sie aus eigener Erfahrung, dass es für viele Schmerzpatienten keine einfachen Lösungen gibt.

    Sie in Ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen, ist uns ein Anliegen. Dieser kompakte Newsletter wird künftig News, therapeutische Erfahrungen und medizinische Trends rund um das Thema „Neuropathische Schmerzen“ für Sie zusammenfassen.

    Wir freuen uns Ihnen die erste Ausgabe der präsentieren zu dürfen.

    IM FOKUS: RÜCKENSCHMERZEN

    EDITORIAL

    Im Interview: Professor Thomas Tölle, TU München

    Thomas Tölle ist Professor an der Technischen Universität München und leitet eine interdisziplinäre Forschungsgruppe für klinische und experimentelle Schmerz- forschung.

    Frage: Wie relevant ist eine neuropathische Komponente bei Rückenschmerzen? Prof. Tölle: Sie ist wesentlich häufiger, als viele von uns den- ken: Eine große epidemiologische Studie mit 7.772 Patienten hat gezeigt, dass bei 37 % aller Patienten, die mit chronischen Rückenschmerzen in die Praxis kommen, eine neuropathische Schmerzkomponente beteiligt ist.1 Und bei diesen Patienten ist die Restfunktionalität geringer, sie leiden stärker unter den Schmerzen, und die Schmerzbehandlung dauert länger an. Die Patienten erhalten auch häufiger Psychotherapie und gehen früher in Rente.

    Frage: Was bedeutet diese Erkenntnis für die therapeutische Praxis chronischer Rückenschmerzen? Prof. Tölle: Wenn man eine neuropathische Komponente erkannt hat – und dafür gibt es sehr gute Screening-Tools, wie z. B. den painDETECT®-Fragebogen* –, sollte man die Pharmakotherapie darauf abstimmen. Laut dem neuen Paper von NeuPSIG 2 haben trizyklische Antidepressiva, die klassi- schen Calciumkanal-α2δ-Liganden und SNRI ihren Platz in der Firstline-Therapie der neuropathischen Schmerzen.

    Frage: Wie ist Ihre Erfahrung mit Pregabalin? Prof. Tölle: Ich habe eine große offene Studie mit über 3.800

    Rückenschmerzpatienten unter praxisnahen Bedingungen ausgewertet 3: Unter Pregabalin verringerte sich innerhalb von sechs Wochen der Anteil der Patienten mit schweren Schmerzen von 63 % auf 7 %. Gleichzeitig war die Rate unerwünschter Nebenwirkungen gering. ¡

    Radikulo- pathie

    4,5 Failed-back-

    surgery- Syndrom 6

    Knochen- metastasen 7,8

    Wirbelsäulen- trauma 10

    Spinal- kanalstenose 9

    Präsynaptisch

    Kalzium- kanal

    Ca2+-Einstrom

    Neurotransmitter

    Postsynaptisch

    Ca2+

    Neuropathische Schmerzen sind u. a. verbunden mit einer zentralen Sensibilisierung und einer übermäßigen Freisetzung von Neurotransmittern sowie mit Veränderungen der absteigenden hemmenden Bahnen. 12,13

    Übererregte Neuronen 11

    Den ausführlichen Vortrag von Prof. Thomas Tölle zum Thema „Diagnose und Behandlung neuropathischer Rückenschmerzen“ finden Sie unter www.pfizermed.de/de/Expertenvideo

    * Den painDETECT ®-Fragebogen können Sie kostenlos unter

    www.pain-detect.de/de/fragebogen herunterladen.

    Chronische Rückenschmerzen können eine neuropathische Komponente aufweisen

    Aktuelles rund um das Thema neuropathische Schmerzen

    AUSGABE 1 // 2016

    NEUROPAIN

  • Pregabalin bei diabetischer Neuropathie: bei moderaten und starken Schmerzen wirksam 14

    AUF EINEN BLICK: AKTUELLE STUDIEN

    Beigelegt finden Sie die Studienzusammenfassung zur Neubewertung der Pharmakotherapie neuropathischer Schmerzen. 2

    1 Freynhagen R, et al. Curr Med Res Opin. 2006;22(10):1911–20. 2 Finnerup NB, et al. Lancet Neurol. 2015;14(2):162–73. 3 Tölle TR, et al. The Open Pain Journal. 2012;5:1–11. 4 Schaefer A, Hall T, Briffa K. Manual Therapy. 2009;14(2):222–30. 5 Van Boxem K, et al. Pain Practice. 2010;10(4):339–58. 6 Park CH, et al. Korean J Pain. 2012;25(4):94–8. 7 Dennis K, et al. Clinical Oncology. 2011;23(7):482–4. 8 Kerba M, et al. J Clin Oncol. 2012;28(33):4892–7. 9 Freynhagen R, Baron R. Curr Pain Headache Rep. 2009;13(3):185–90. 10 Hama A, Sagen J. Pain Research and Treatment. 2012;1–13. 11 Kavoussi R. 2006; 16 Suppl 2:S128–S133.

    12 Devor M. In: McMahon SB, Koltzenburg M, editors. Textbook of Pain. London: Elsevier. 2006;905–28.

    13 Baron R. Nat Clin Pract Neurol. 2006;2(2):95–106. 14 Parsons B, Li C. Curr Med Res Opin. 2016;Feb 8:1–39 [Epub ahead of print]. 15 Arvigo R, Balick MJ. Rainforest Remedies: One Hundred Healing Herbs of Belize.

    Lotus Press. 1993. 16 Rastogi S, et al. J Ethnopharmacol. 2011;136(2):283–96. 17 Muanda FN, et al. Evid Based Complement Alternat Med. 2011;2011:620862. 18 MC Manus OB, et al. Biochemistry. 1993;32(24):6128–33. 19 N’gouemo P, et al. J Ethnopharmacol. 1996;52(2):77–83. 20 Hart M. Botanical Register. 1824;Vol.10:t.815.

    REFERENZEN

    Diese aktuelle Post-hoc-Analyse untersucht die Wirksamkeit von Pregabalin in verschiedenen Dosierungen vs. Placebo bei Patienten mit peripherer diabetischer Neuropathie und moderaten oder starken Schmerzen.

    Die Analyse basiert auf den gepoolten Daten von 11 Placebo- kontrollierten Studien mit Pregabalin in verschiedenen Dosie- rungen, ähnlichen Einschlusskriterien und gleichen Endpunkten. Der primäre Endpunkt war die von den Diabetespatienten berichtete mittlere Veränderung der Schmerzen auf einer numerischen Rating-Skala (NRS) von 0 bis 10. Sekundäre Endpunkte waren die Änderungen der schmerzbedingten Schlafstörungen (Pain-Related Sleep Interference – PRSI) und des Gesamteindrucks der Patienten (Patient Global Impression of Change – PGIC).

    Pregabalin reduzierte die Schmerzen im Vergleich zum Placebo signifikant – sowohl bei Patienten mit moderaten (NRS 4 bis 7) als auch bei Patienten mit starken Schmerzen (NRS 7 bis 10). Der Behandlungserfolg war bei Patienten mit starken Schmerzen deutlich größer als bei Patienten, die zu Beginn der Studie moderate Schmerzen empfunden hatten – und zwar weitge-

    hend unabhängig von der Dosierung. In den Patientengruppen, die 300 mg, 600 mg oder eine flexible Dosierung von Prega- balin pro Tag erhalten hatten, war sowohl die Schmerzreduktion als auch die Besserung der Schlafstörungen für die schweren Fälle signifikant größer als in den moderaten Schmerzgruppen.

    Der Anteil der Patienten, die auf die Behandlung hinsichtlich des Gesamteindrucks nach dem PGIC-Score angesprochen hatten, war ab einer Dosierung von 300 mg / Tag ebenfalls in allen Behandlungsgruppen im Vergleich zu der Placebo-Gruppe signifikant größer. Allerdings ließen sich hier keine Unterschiede zwischen den Patientengruppen mit starken und moderaten Schmerzen feststellen.

    Die Autoren Parsons und Li schließen aus dieser Post-hoc- Analyse, dass die Stärke der Schmerzen einen Prädiktor für den Therapieerfolg mit Pregabalin darstellen könnte. ¡

    Schmerzintensität vor der Behandlung

    stark moderat leicht

    100 %

    Schmerzintensität nach fl exibler Dosierung von Pregabalin [150 – 600 mg / Tag]

    24,8 %

    38,9 %

    36,4 %

    Pregabalin [mg / Tag]

    0,0

    - 0,5

    - 1,0

    - 1,5

    - 2,0

    - 2,5

    - 3,0

    - 3,5

    - 4,0

    Sc hm

    er z-

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    er t] 150 300 600

    Flexible Dosierung

    Alle Dosierungen Placebo

    starke Schmerzen moderate Schmerzen

    Mittlere Veränderung des Schmerz-Scores vom Ausgangswert bis zum Endpunkt: Vergleich von Patienten mit moderaten und starken Schmerzen

    Schmerzveränderung bei Patienten, die vor der Behandlung starke Schmerzen hatten

    1 // 2016

  • Maya-Wissen gegen Rückenschmerzen

    WISSENSWERT: SCHMERZTHERAPIE IN ANDEREN KULTUREN

    Begrenzt durch Mexiko, Guatemala und den Atlantik liegt der Staat Belize.

    Nur ca. 300.000 Einwohner hat das für lateinamerikanische Verhältnisse

    winzige Land. Undurchdringlicher Dschungel, hohe Berge, weite Strände und alte Maya-Stätten prägen die Landschaft. Der nächste Arzt ist oft einen halben Tag entfernt und gute Schmerztherapeuten sind entspre- chend selten.

    So leben die traditionellen Heilmethoden der Mayas in den Dörfern weiter: Wenn eine Heilpflanze im Volksmund bereits „Strong Back“ (Desmodium adscendens) genannt wird, ist ihr Verwendungszweck klar. Der ganze Bodendecker wird in Rum eingelegt oder mit kochendem Wasser übergossen. Regelmä- ßige Einnahme der alkoholischen Tinktur oder des heißen Tees lindert traditionellem Wissen zufolge Rückenschmerzen. 15 Die phytochemische Forschung hat ergeben, dass in Desmodium adscendens Saponine, Phenylethylamine und Indol-3-alkylamine enthalten sind 16 ebenso wie Polyphenole und Flavonoide, die stark antioxidativ wirken 17. In Afrika wird der gleichen Pflanze auch eine Wirkung gegen Asthma zugeschrieben und in diesem Zusammenhang wurden drei der enthaltenen Soja-Saponine als potente Kaliumkanal- öffner identifiziert. 18

    Eine französische Studie hat die Wirkung eines Ethanol- extraktes von Desmodium adscendens auf das zentrale Nervensystem von Nagetieren getestet. Der Pflanzenauszug induzierte eine Hypothermie und hatte einen analgetischen Effekt auf Mäuse. 19 ¡

    SERVICES

    Dermatom-

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